Es war nicht weniger als ein Erdbeben, das die Formel-1-Welt in der „kleinen Sommerpause“ nach dem Grand Prix von Großbritannien erschütterte. Red Bull Racing trennte sich nach 20 Jahren von Teamchef und Erfolgsmann Christian Horner – mitten in der Saison. Dem Briten wurde es anscheinend nicht mehr zugetraut, das Ruder beim britisch-österreichischen Rennstall herumzureißen. Nach acht Fahrer-Weltmeisterschaften, sechs Konstrukteurstiteln und 124 Grand-Prix-Siegen als Red-Bull-Teamchef endete die Zeit des 51-Jährigen als starker Mann im Bullenstall.
Formel 1 ähnelt dem Fußball
Während der Großteil seiner Amtszeit von Erfolgen geprägt war, kamen in den vergangenen zwei Jahren immer größere Turbulenzen im Umfeld Horners auf. Die internen Ermittlungen nach Vorwürfen einer Mitarbeiterin setzten dem ehemaligen Teamchef zu, zusätzlich entbrannte auch ein Machtkampf um die Führung im Konzern und Formel-1-Rennstall. Nach geschlossenem „Burgfrieden“ kehrte aber wieder Ruhe beim Team von Max Verstappen ein, weshalb die Entlassung bei vielen Fans Fragen aufwarf. Motorsportberater Helmut Marko spricht vor dem Großen Preis von Belgien von rein sportlichen Gründen, die zur Entscheidung geführt hätten und zieht einen Vergleich. „Es entwickelt sich in der Formel 1 mit den Wechseln wie im Fußball. Wenn es nicht klappt, muss der Trainer eben gehen.“
Was genau „nicht geklappt“ habe, wollte der Grazer nicht ausführen. Vielmehr setzt er große Hoffnungen in Horner-Nachfolger Laurent Mekies, der von den Racing Bulls hochgezogen wurde. „Der Übergang ist sehr gut erfolgt. Laurent ist ein Menschenkenner, der geht auf die Leute zu und das hat hoffentlich einen positiven Effekt.“ Von etwaigem Unmut innerhalb der Belegschaft am Standort in Milton Keynes wisse der Österreicher nichts. „Uns ist nichts bekannt“, sagte er auf die Frage nach einer möglichen Kündigungswelle einiger Horner-Vertrauten.
Sportlich habe sich bereits in der Vorgehensweise vor einem Grand Prix einiges geändert. „Mekies hat bereits ein paar Details in der Simulator-Präparation umgestellt. Grundsätzlich konzentriert er sich mehr auf das Renngeschehen und ist nicht so in andere Abteilungen involviert. Es ist entscheidend, dass die Aufgabenbereiche für ihn als Teamchef gegenüber Horner reduziert wurden.“
Optimismus ist zurück
Wunderdinge dürfe man sich vom Franzosen aber nicht erwarten. „Wir werden ihm Zeit geben. Derzeit kann er ja nur das bestehende Programm weiterführen.“ Dennoch ist auch beim 82-Jährigen Aufbruchstimmung zu vernehmen, wenn es um den weiteren Saisonverlauf in der Fahrer-Weltmeisterschaft geht. War in den vergangenen Wochen oftmals nur von einer abgeschriebenen WM die Rede, rechnet sich Marko plötzlich wieder Chancen aus. „Wir haben noch zwölf Rennen, in denen mit Sprints noch 332 Punkte vergeben werden. Diese stehen im Optimalfall auch uns zur Verfügung. Solange es rechnerisch noch möglich ist, geben wir nicht auf.“
Dafür spricht auch die fortlaufende Entwicklung des RB21. In Spa-Francorchamps gibt es erneut ein Update, von dem sich die RB-Verantwortlichen einiges versprechen. „Wir mussten etwas machen, um den Rückstand zu verringern. Außerdem ist es eine der Lieblingsstrecken von Max, auf der sein Ausnahmetalent noch mehr zum Vorschein kommt. Wir hoffen, dass wir ganz vorne mit dabei sind.“