Für TV-Zuseher war es kaum zu erkennen, doch Insider ahnten: Bei Biathletin Dunja Zdouc lief etwas nicht nach Plan. „Darauf haben mich sehr viele angesprochen, nur wie soll ich mich in einer Wintersaison äußern. Ich hatte eine solide Saison, nur ist teilweise nicht alles fair abgelaufen. Es ist für mich nicht leicht darüber zu sprechen, da es vermutlich jeder Mensch anders sieht, aber ich bin der Meinung, dass ich keine faire Chance bekommen habe. Wenn im Leistungssport nicht mehr die Leistung zählt, dann weiß ich auch nicht mehr. Irgendwann war der Punkt da, dass ich einfach nicht mehr konnte.“

Im Vorfeld wurde der Austausch der Athleten transparent angekündigt. „Das war auch völlig in Ordnung, nur wenn ein Platz ausgelaufen werden soll, dann müssen alle Beteiligten dabei sein.“ Die Radsbergerin startete gut rein, wurde anschließend krank und bekam ihrer Meinung nach keine wirkliche Möglichkeit mehr, sich zu beweisen. „Oberhof war der verdiente Platz nach der Dezember-Performance, nur war es das Wochenende direkt nach meiner Krankheit.“ Und wenn‘s hart kommt, dann richtig. Denn noch vor dem letzten Oberhof-Rennen wurde ihr erklärt, dass es einen Wechsel geben wird.

„Das war ein Knackpunkt“

Die Konsequenz sah wie folgt aus: „Beim nächsten Weltcup ist eine Athletin gestartet, die in Oberhof 86. wurde. Das hat mich gebrochen, dass prompt nichts mehr funktionierte. Bei der EM war ich körperlich super drauf, nur habe ich nicht mehr getroffen, weil es mir egal war. Es hätte für Olympia nichts mehr geändert. Mein Kopf war zu dem Zeitpunkt noch nie so leer“, verdeutlicht die Mixed-Vizeweltmeisterin von 2021, die nach starken Ergebnissen im IBU-Cup dennoch nicht mehr für den Weltcup infrage kam. „Es wurde so lange getauscht, bis diejenigen im Weltcup waren, die man dort haben wollte.“

Jene Phase des Hinterfragens war innerlich präsent und auch der Gedanke, „macht es noch Sinn, wenn es mir so schlecht geht?“ ließ sie nicht los. „Das war ein Knackpunkt, aber ich habe es aus dem Loch rausgeschafft und bin stolz auf mich, wie ich am Ende im IBU-Cup in Amerika performt habe. Mit David Komatz am Podest zu stehen war so ein tolles Gefühl“, sagt die Kärntnerin, die das Karriereende ihrer Teamkollegin und Freundin Lisa Hauser auf Social Media mit sympathischen Worten verfasste: „Vom Babyface zur Biathlon-Queen. 17 gemeinsame Jahre kann uns keiner mehr nehmen. Das war mit Abstand die geilste Zeit. Danke!“ Dennoch war es für Zdouc ein „kleiner Stich ins Herz. Ich habe sie verstanden, aber es hat schiach weh getan“, sagt die Wintersportlerin, die in Hochfilzen die letzten Schneetage nutzt, um neu durchzustarten. „Ich will nicht, dass andere für mich entscheiden, wann wirklich Schluss ist.“