Für kurze Zeit war Argentinien das Gespött der Fußball-Welt. Nach der unerwarteten 1:2-Niederlage gegen Saudi-Arabien am Dienstag bei der WM in Katar war von den Abseits-Gauchos die Rede, da die Elf um Superstar Lionel Messi immer wieder in die Falle der Saudis tappten und gleich drei Treffer deswegen nicht zählten. Am Ende stand der Turnier-Mitfavorit ohne Punkte da. "Unglaublich, aber wahr", schrieb in der Heimat die Sportzeitung "Olé". "Und jetzt?", fragte "La Nación".

Während sich in Argentinien Entsetzen breit machte, gestand Messi, dass es für die Pleite keine Entschuldigung gebe. Sein fünfter und letzter Versuch, den einzig in seiner Sammlung noch fehlenden Titel auf der weltgrößten Fußball-Bühne zu gewinnen, hätte nicht schlechter beginnen können. Die erste Niederlage nach 36 Spielen brachte auch die Zweifel an WM-Trainerdebütant Lionel Scaloni. Der 44-Jährige hatte die "Albiceleste" zunächst als Notlösung ohne große Erfahrung 2018 übernommen. "Sein Kapitän rettete ihn nicht und die Einheit einer Gruppe, die sich unschlagbar fühlte, auch nicht", schrieb "Olé".

Argentinien steht vor Pflichtsieg

"Welche Chancen hat Argentinien, ins Achtelfinale zu kommen?", stellte die Zeitung jene Frage, um die sich nun die Fans der Gauchos den Kopf zerbrechen. "Wir müssen an den Aspekten arbeiten, die nicht gut gelaufen sind", erklärte Scaloni mit Blick auf die womöglich schon vorentscheidende Partie am Samstag gegen Mexiko, dass gegen Polen 0:0 gespielt hatte. Ein Sieg ist praktisch Pflicht. "Wir müssen uns darauf vorbereiten, was kommt und gewinnen", forderte Messi.

Die Fans glauben indes noch an Messi und Co. "Das Spiel gegen Saudi-Arabien war ein Irrtum. Soll die Welt es erst einmal genießen. Wir sind ein großartiges Team, wir werden das letzte Wort haben!", erklärte ein argentinischer Schlachtenbummler in Doha. Optimismus kam auch von prominenterer Seite. "Können wir die WM noch gewinnen? Natürlich", sagte Ex-Manchester-City-Profi Pablo Zabaleta und verwies auf die WM 1990, als die "Albiceleste" nach einer 0:1-Auftaktniederlage gegen Kamerun noch das Finale erreichte. "Es liegt noch ein langer Weg vor uns."

Saudi-Arabien euphorisch

Ganz anders war die Stimmung im Lager der Saudis. "Heute waren die Sterne für uns", jubelte der französische Trainer Herve Renard. Bei seiner Ansprache in der Pause, als man noch 0:1 hinten lag, dürfte er die richtigen Worte für seine Kicker gefunden haben. "Ich habe den Spielern gesagt, dass das Leben in Saudi-Arabien heute stillsteht und alle auf dieses Spiel warten." Der Stillstand und die Feiern dürften am Mittwoch fortgesetzt worden sein, schließlich hatte König Salman aus Freude über den Überraschungssieg einen Feiertag ausgerufen.

Der Jubel bei Saudi-Arabien kannte keine Grenzen
Der Jubel bei Saudi-Arabien kannte keine Grenzen
© AP

Torschütze Saleh Alshehri blickte unterdessen bereits voraus: "Nach diesem Sieg müssen wir uns für die Achtelfinals qualifizieren. Das ist die erste Etappe." Das hat Saudi-Arabien bisher nur einmal, 1994 in den USA, geschafft. Auf dem Weg dahin wartet nun am Samstag Polen und Goalgetter Robert Lewandowski, der endlich seinen ersten WM-Treffer erzielen will.