Die nächtliche Kunde von der schlimmen Verletzung sorgte für Bestürzung im Lager der Franzosen und auch bei Bayern München. "Ehrlich gesagt: So langsam macht das was mit einem", sagte Frankreichs Kapitän Hugo Lloris: "Immer, wenn du einen wichtigen Mitspieler verlierst, bleibt das im Kopf. Und es war ja nicht der Erste." Es ist der sechste prominente Ausfall bei Weltmeister Frankreich. Vertreten wird Hernandez im weiteren Turnierverlauf wie nach dessen Einwechslung gegen Australien wohl sein Bruder Theo.

"Wie allen Spielern und Mitarbeitern tut es mir sehr leid für Lucas", sagte Teamchef Didier Deschamps. "Wir verlieren ein wichtiges Element. Lucas ist ein Krieger, und ich habe keinen Zweifel daran, dass er alles tun wird, um zurückzukehren." Mit ihren Gedanken waren die Gewinner bei ihrem verletzten Kollegen. "Der Sieg ist auch für ihn", sagte Frankreichs Abwehrspieler Benjamin Pavard. "Er ist ein super Kollege, ein super Spieler. Das ist sehr traurig für ihn."

Auch beim FC Bayern München zeigte man sich schwer getroffen. "Wir sind natürlich alle geschockt und bedauern das sehr", sagte Bayern-Sportvorstand Hasan Salihamidzic am Mittwoch. Nach seinen Angaben werde Hernandez "sehr zeitnah aus Doha abreisen". Nach einer notwendigen Operation soll er seine Reha in München absolvieren. "Er bekommt alle Unterstützung, die möglich ist. Lucas ist ein Kämpfer und wird stark zurückkommen", sagte Salihamidzic über den Weltmeister von 2018.

Was den Franzosen Mut macht, ist die Reaktion, die sie am Dienstag zeigten. Tagelang wurde im Umfeld viel über den Weltmeister-Fluch gesprochen - die Vorgänger Italien, Spanien und Deutschland scheiterten beim Turnier darauf allesamt in der Vorrunde - und nach neun Minuten gegen Australien lag der Titelverteidiger plötzlich zurück und musste die Verletzung von Hernández verkraften. "Für diese junge Mannschaft waren alle Zutaten für einen Kollaps vorhanden", schrieb die "L'Equipe".

Doch so kam es nicht. Auch dank Doppel-Torschütze Oliver Giroud. Der Stürmer zog am Dienstag mit seinem 51. Treffer mit Frankreichs Rekordtorschütze Thierry Henry gleich. Der 36-Jährige wurde zudem zum zweitältesten Doppelpacker der WM-Geschichte nach Kameruns Roger Milla. Auf die Frage, wie erleichtert er sei, weil er beim WM-Triumph vor vier Jahren ohne Tor geblieben war, sagte der Stürmer: "Diesmal waren die Vorlagen besser. Da konnte ich gar nicht danebenschießen." Den Humor haben die Franzosen also zumindest noch nicht komplett verloren.