Während Marko Arnautovic mit der Schilderung seiner Panikattacke (siehe links) nach dem 1:1 im Nations-League-Hinspiel gegen Serbien viele Schlagzeilen dominierte, brachte dieses Länderspiel auch diverse weitere Akteure mit sich, über die man spricht. Damit ist nicht nur ÖFB-Superstar David Alaba gemeint, der erstmals nach seiner schweren Knieverletzung für das Nationalteam auflief und ungeplanterweise gleich 90 Minuten lang durchhielt.

Im Tor traf Ralf Rangnick eine richtungsweisende Wahl für Alexander Schlager. Die Außenverteidiger-Not machte den Teamchef erfinderisch. Patrick Wimmer nutzte diese unverhoffte Chance, sich auf ungewohntem Terrain zu präsentieren. In der Schlussphase feierte mit Raul Florucz zudem ein Stürmer sein Debüt, der in Österreich bislang unter dem Radar geflogen ist. Seit er 17-jährig Linz verließ und sein fußballerisches Glück in Kroatien suchte, hat sich kein rot-weiß-roter Verein mehr beim nunmehrigen Ljubljana-Legionär gemeldet.

Beim Rückspiel in Belgrad am Sonntag kann Christoph Baumgartner definitiv nicht für Gesprächsstoff sorgen. Der Leipzig-Legionär muss sein 50. Länderspiel wegen einer im Match erlittenen leichten Gehirnerschütterung zumindest bis Juni verschieben. Auch Alexander Prass kann die Reise wegen seiner Sprunggelenksverletzung nicht antreten.

VIENNA,AUSTRIA,20.MAR.25 - SOCCER - UEFA Nations League, OEFB international match, Austria vs Serbia. Image shows Sasa Lukic (SRB) and David Alaba (AUT).
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David Alaba konnte wieder am Feld ins Geschehen eingreifen © GEPA

DAVID ALABA:

Ein „absolutes Topspiel“ sei es gewesen, das der ÖFB-Kapitän laut Rangnick bei seiner langersehnten Rückkehr abgeliefert hat. Dabei ging es dem Teamchef nicht nur um die spielerische Darbietung. „Mich hat er vor allem physisch positiv überrascht. Das hätte ich ihm ehrlich gesagt auf diesem Level noch nicht zugetraut“, gestand Rangnick und verriet, dass es gar nicht der Plan war, Alaba durchspielen zu lassen. Ursprünglich hätte der Abwehrchef nach rund einer Stunde ausgewechselt werden sollen. Was dies für das Rückspiel in Belgrad heißt, gilt es abzuwarten. Rangnick stellte jedenfalls Gernot Trauner eine Startelf-Nominierung in der Innenverteidigung in Aussicht. Ohne Alaba würde Österreich etwas fehlen. „David hat eine besondere Aura, das ist für jedermann spürbar. Sein Chipball auf Marko war fantastisch. Den wollte er genau da hinhaben“, so Rangnick.

VIENNA,AUSTRIA,20.MAR.25 - SOCCER - UEFA Nations League, OEFB international match, Austria vs Serbia. Image shows the rejoicing of Alexander Schlager (AUT).
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Alexander Schlager hat die Nase knapp vorne © GEPA

ALEXANDER SCHLAGER:

Im Prinzip ist im ÖFB-Tor nun wieder jene Hackordnung hergestellt, die bis zum verletzungsbedingten EM-Aus von Schlager geherrscht hat. Vorerst zumindest. Der Salzburg-Goalie soll zwar auch beim Rückspiel in Belgrad beginnen, als entschieden möchte Rangnick das Duell mit Patrick Pentz nicht bezeichnen: „Im Moment hat Alex ein kleines bisschen die Nase vorne. Ich sage bewusst ‚ein kleines bisschen‘, denn auch Patrick hat seine Sache immer gut gemacht.“ Schlager selbst waren Kampfansagen in eigener Sache immer fremd und sind es auch weiterhin: „Ich bin froh, wenn ich mich zeigen darf, aber ich sehe das sehr entspannt. Wir Torhüter haben eine super Verbindung, unterstützen und gönnen uns alles gegenseitig.“ Viel gab es gegen Serbien nicht zu tun. Aber auch in solchen Partien müsse man Sicherheit ausstrahlen: „Es geht ja auch oft um das Gefühl.“

VIENNA,AUSTRIA,20.MAR.25 - SOCCER - UEFA Nations League, OEFB international match, Austria vs Serbia. Image shows Patrick Wimmer (AUT) and Stefan Mitrovic (SRB).
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Patrick Wimmer: Neue Option rechts in der Viererkette © GEPA

PATRICK WIMMER:

Als Patrick Wimmer am Anfang dieser Länderspiel-Woche scherzte, dass er außer Innenverteidiger eh schon alle Feldspieler-Positionen einmal gespielt habe, rechnete er vermutlich nicht damit, wenige Tage später Teil der Viererkette zu sein. Als Spieler von Austria Wien agierte er rechts wie links einige Male als Außenverteidiger, letztmals im April 2021. Mit seiner guten Vorstellung gegen Serbien hat sich der Allrounder nicht nur in den Augen von Rangnick für eine Wiederholung des Experiments empfohlen. „So wie er gespielt hat, hat es danach ausgesehen, als ob er nie etwas anderes gespielt hätte“, lobte der Chefcoach, der sich am Tag vor dem Spiel für diese unkonventionelle Variante entschied: „Wir wollten extrem offensiv und mutig spielen.“ Gerade im Spiel nach vorne konnte Wimmer seinen offensiven Hintergrund immer wieder gekonnt einbringen.

VIENNA,AUSTRIA,20.MAR.25 - SOCCER - UEFA Nations League, OEFB international match, Austria vs Serbia. Image shows Raul Florucz (AUT) and Nemanja Maksimovic (SRB).
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Raul Florucz war beim Singen nervöser © GEPA

RAUL FLORUCZ:

Wie alle Neulinge musste unter der Woche auch Raul Florucz ein Liedchen vor versammelter ÖFB-Familie trällern. Er wählte „Ein Stern“ von DJ Ötzi. Ein Auftritt, der für den Stürmer stressiger war als das Debüt selbst. Florucz übt sich nämlich gerne in Zurückhaltung: „Ich habe es nicht so damit, andere Menschen kennenzulernen, bin eher schüchtern. Das war eine stabile Mutprobe für mich.“ Die Eltern des 23-Jährigen stammen aus Rumänien, im Herbst stand auch ein Verbandswechsel im Raum. „Ich bin in Österreich geboren und aufgewachsen, also identifiziere ich mich mit Österreich viel mehr als mit Rumänien“, freut sich der Ljubljana-Legionär, dass sich der ÖFB rechtzeitig meldete. Das Debüt-Trikot mit der Nummer 9 schenkte er der Mama. Seine Familie würde viel mehr realisieren als er selbst, was gerade passiert: „Meine Gefühle existieren gerade nicht.“