Als vierfacher Champions-League-Sieger, zwölffacher Meister und siebenfacher Pokalsieger ist David Alaba Lob gewohnt. Bietet sich Österreichs erfolgreichstem Fußballer aller Zeiten die Gelegenheit, es anzunehmen und wohlwollend über sich selbst zu sprechen, erinnert der 32-jährige Familienvater in seiner Bescheidenheit relativ flott wieder an jenes 17-jährige „Wunderkind“, das 2009 seine ersten Spuren im Nationalteam hinterlassen hat. „Ich versuche einfach ich selbst zu sein, ich selbst zu bleiben“, erwidert er etwa auf Nicolas Seiwalds Feststellung, dass mit Alaba im Nationalteam „einfach eine andere Energie“ vorherrschen würde und landet schnell wieder bei der Floskel von der lieben ÖFB-Familie.
Gut eineinhalb Jahrzehnte gehört der Superstar dieser Familie inzwischen an, erst als Legionär beim FC Bayern, nun bei Real Madrid. Der hochveranlagte Teenager von damals ist längst zum Anführer gereift. An der hohen Veranlagung hat sich nichts geändert. Viel hat Alaba in 105 Länderspielen erlebt. Die Situation, dass er nach einer derart langen Verletzungspause von über einem Jahr erstmals wieder am Feld die Hymne hören wird, kennt er noch nicht. Bis Donnerstag, wenn er Österreich gegen Serbien (20.45 Uhr, ORF1) im ausverkauften Happel-Stadion erstmals nach seinem Kreuzbandriss wieder als Kapitän auf das Feld führen wird.
„Das ist schon etwas Besonderes. Ich freue mich riesig. Wieder als Spieler an Bord zu sein, bedeutet mir wirklich sehr viel. Ich war im letzten Jahr immer wieder mit dabei, konnte aber nicht am Platz helfen. Das ist schon etwas anderes“, erläutert der „Non-playing Captain“ aus EM-Zeiten. Dass der Wiener mitten in der Rehaphase mit zur Europameisterschaft gereist ist, rechnet Rangnick ihm auch Monate später noch hoch an: „Mir fallen nicht allzu viele ein, die das aus freien Stücken machen würden. Denn das wäre auch die Chance gewesen, ein bisschen abzuschalten und mit der Familie Urlaub zu machen.“
Interessant wird, wie viel Einsatzzeit der Chefcoach dem Abwehrchef gönnen kann. „Ich selbst traue mir schon sehr viel zu“, sagt Alaba und hielte im Serbien-Doppel auch zwei Mal 90 Minuten für realistisch: „Ob es auch Sinn macht, ist eine andere Frage.“ Die Antwort muss der Trainer liefern, der bereits auf der Bremse steht: „Es liegt in der Natur der Sache, dass David schnell wieder mehr spielen möchte, aber wir werden keine Folgeverletzung riskieren.“
Genau dieser Ehrgeiz ist es allerdings, der Alaba laut Rangnick auszeichnet. Deswegen kann der 66-Jährige auch Seiwalds Energie-Sager einiges abgewinnen. „Alleine wenn ich mir die letzten Trainingstage anschaue: Egal welches Spiel, David möchte immer gewinnen und mit seinem Team immer ein Tor mehr schießen als der Gegner. Dieser Ehrgeiz überträgt sich auf die Mannschaft“, erläutert der Teamchef und unterstreicht: „Was Nici gesagt hat, sagt alles aus. David ist ein ganz besonderer Spieler, wie es ihn nicht allzu oft gibt. Wir sind megahappy, dass er wieder da ist.“ Ein großes Lob. Aber Alaba ist das ja gewohnt.