Gute Freundschaften haben es oft an sich, dass man umgehend da anschließt, wo man beim letzten Treffen aufgehört hat. Selbst wenn man sich länger nicht gesehen hat. Die ÖFB-Teamspieler haben sich vier Monate lang nicht mehr im Kreis des Nationalteams gesehen, die Pause über den Winter ist üblicherweise die längste im Kalender. Umso größer war die Freude, am Montag in Wien erstmals wieder gemeinsam auf dem Platz zu stehen.
Als harmonierende und gut eingespielte Gruppe braucht es auch kaum Anlaufzeit. „Wir kennen uns alle gut genug. Vielleicht dauert es ein, zwei Trainings, bis wir wieder zusammenfinden, aber wir wissen alle, wie wir Fußball spielen wollen“, erläutert Patrick Wimmer.
Der Kapitän ist wieder da
Während neben Stefan Posch und Kevin Danso auch Marcel Sabitzer verletzt passen muss, sind mit David Alaba und Xaver Schlager zwei Schlüsselarbeitskräfte wieder mit dabei. „Ich brenne darauf, wieder mit den Jungs zu trainieren und zu spielen“, jubelt Alaba, der letztmals am 21. November 2023 für Österreich am Platz stand und im Nations-League-Play-off gegen Serbien vor seinem Comeback steht. Seine Vorfreude ist riesig: „Für mich war es bisher jedes Mal eine unbeschreibliche Ehre, das eigene Land vertreten zu dürfen, und das ist es immer noch.“
Für die Kollegen hat es großen Wert, dass mit dem Real-Legionär ihr Anführer wieder mit dabei ist. „Er ist unser Kapitän. Es ist einfach eine andere Energie da. Er ist am und neben dem Platz wichtig“, verdeutlicht Nicolas Seiwald. Wimmer ergänzt: „David ist für uns alle ein Vorbild. Wir können mächtig stolz sein, dass wir so viel Qualität dazugewinnen.“
Wie viel Einsatzzeit für Alaba bereits möglich ist, bleibt abzuwarten. Noch mehr gilt das für Schlager, der in Leipzig in diesem Kalenderjahr noch keine Minute absolvieren konnte, aber am vergangenen Wochenende zumindest wieder auf der Ersatzbank saß. Wimmer: „Wie viel er dann wirklich spielt, wird man sehen, aber mich freut es, dass Xaver wieder zurück ist. Ich spiele sehr gerne mit ihm zusammen, weil er immer viel Mentalität auf den Platz bringt.“
Verbesserungspotenzial
Mentalität ist ein Schlagwort, das auch 2025 wieder eine große Rolle spielen wird im ÖFB-Team. 2024 war ein außergewöhnliches Länderspieljahr mit Höhen und Tiefen. Über das große Ziel der kommenden Monate muss man nicht lange diskutieren. Ab Juni soll die erste Qualifikation für eine Weltmeisterschaft seit 1998 fixiert werden. Das Doppel gegen Serbien ist eine wichtige Generalprobe. „Bestreiten wir diese beiden Spiele erfolgreich, gibt uns das ein anderes Gefühl für die WM-Quali“, so Seiwald.
An Schrauben lässt sich auch in funktionierenden Einheiten drehen. Gerade nach einem Jahr, das mit dem EM-Achtelfinal-Aus gegen die Türkei einen bitteren Tiefschlag und mit dem verpassten Gruppensieg in der Nations League einen Misserfolg zum Abschluss parat hatte. „Phasenweise spielen wir guten Fußball und verlieren trotzdem“, sagt Wimmer und sieht vor allem in der Effizienz Steigerungspotenzial. Offensiv wie defensiv: „Wir müssen hinten weniger Tore kriegen, als wir vorne schießen.“
„Wir haben konstant gespielt, aber in den wichtigsten Situationen waren wir nicht da“, moniert Seiwald, der auf den Lerneffekt aus diesen Erfahrungen setzt: „Wenn wir uns da noch verbessern, bin ich mir sicher, dass wir wieder ein positives Jahr hinlegen werden.“ In Qualifikationsjahren lassen sich Erfolg und Misserfolg recht einfach messen. Alles andere als das Buchen der Tickets für die WM in den USA, Kanada und Mexiko wäre eine Enttäuschung. Darüber besteht große Einigkeit.