Das finanzielle Dilemma der Austria geht in seine nächste und wohl entscheidende Phase. Knapp eine Woche vor dem Start der Wintervorbereitung am 12. Jänner haben drei Akteure ihre gültigen Verträge einseitig aufgekündigt. Sie haben sich dabei auf eine Klausel berufen, die ihnen ab einem bestimmten Rückstand bei Gehaltsfortzahlungen dieses Vorgehen erlaubt. Inwiefern diese vorzeitigen Vertragsbrüche rechtlich haltbar sind, gehen die Meinungen auseinander. Laut der Spielergewerkschaft VdF wurden diese Bedingungen mit Ablauf der Ultimatumsfrist am 2. Jänner schlagend. Für die Austria selbst ist die Angelegenheit nicht ganz so klar. „Im Normalfall müssen mindestens drei Monatsgehälter ausständig sein, um solch ein Vorgehen zu rechtfertigen. Bisher fehlen aber nur das Weihnachtsgeld (14. Gehalt) sowie diverse Punkteprämien“, heißt es von Seiten des Vereins. Auch Präsident Robert Micheu steht der Sache skeptisch gegenüber. „Wir müssen jetzt schauen, ob das in dieser Form über die Bühne gehen kann“, erklärt der Nachwuchstrainer und nimmt auch Hauptgesellschafter Zeljko Karajica, der gemeinsam mit seinem Bruder erneut ins Kreuzfeuer der Justiz geraten sein dürfte, in Schutz: „Ich habe ihn in den letzten drei Monaten kennengelernt. Er ist mit Herz dabei und sehr bemüht, dem Verein weiterzuhelfen, aber es ist einfach schwierig in diesem Umfeld und mit dem Mangel an Zuschauerinteresse Sponsoren an Land zu ziehen.“ Erst im Oktober war eine geplante Vereinsübernahme einer Investorengruppe im letzten Moment geplatzt, da die versprochene finanzielle Unterstützung frühestens in einem halben Jahr hätte erfolgen sollen, und sich der Verein darauf nicht einließ.
„Es hängt vieles am Verein dran“
Die Namen der drei Akteure, die um einen Abschied aus Klagenfurt angesucht haben, sind ebenfalls bekannt. Es handelt sich dabei um Eigenbauspieler Marcel Krnjic sowie um Marco Gantschnig und Michael Lang, die beide erst im Sommer vom GAK gekommen waren. Von einem möglichen Stripfing-Schicksal mit Einstellung des Spielbetriebs will man bei den Waidmannsdorfern vorerst nichts wissen. „Nach dem derzeitigen Stand der Dinge geht es im Frühjahr normal weiter“, bekräftigt Micheu und fügt an: „Es hängt ja noch mehr an einem Verein als nur die Kampfmannschaft. Das Stadion, Arbeitsplätze und vor allem die 400 Kinder und Jugendlichen in der Akademie wären betroffen.“ Auch dementiert Micheu, dass dem Verein der Mietvertrag des Klubhauses gekündigt wurde. „Wir sind selbst mit Jahresende ausgezogen. Wir haben uns verschlankt und brauchen diese großen Räumlichkeiten nicht mehr. Das war eine notwendige Sparmaßnahme.“
Vision und Realität klaffen oft auseinander
Der Präsident räumt allerdings ein, dass „Fehler gemacht wurden. Man muss ehrlich sein. Es ist mit einem Kärntner Fußballverein einfach kein Geld zu machen. Wir haben in den letzten Jahren durch den sportlichen Erfolg alles andere etwas vernachlässigt. Es ist zwar schön, Visionen zu haben, aber wenn diese die verfügbaren Mittel übersteigen, platzt die Blase irgendwann. Jetzt steht im Vordergrund, die Liquidität bis Saisonende wieder zurückzuerlangen.“