Es gibt Spiele und Spielverläufe, die kann man sich einfach nicht erklären. Die 3:4-Niederlage des GAK gegen den Wolfsberger AC nach 3:0-Führung war so eine Partie. „Jeder hat gesehen, was abgegangen ist. Normalerweise hast du nicht einen Herzinfarkt, sondern mehrere“, war mit Dietmar Kühbauer auch der siegreiche Trainer gezeichnet.

Unmittelbar nach dem Schlusspfiff dominierten die emotionalen Erklärungen, in die sich mit der Zeit rationale Gedanken mischten. In den Katakomben des Liebenauer Stadions wurde teils hitzig diskutiert. Im Mittelpunkt dabei: Schiedsrichter Isa Simsek und vor allem VAR Manuel Schüttengruber. Insgesamt fünf Szenen wurden im Spiel gecheckt.

„Mir ist vorgekommen, die 90 Minuten waren durchgehend unterbrochen. So etwas habe ich noch nie erlebt“, meinte Martin Kreuzriegler und schimpfte: „Eigentlich brauchen wir da nicht mehr spielen. Wir könnten den Schiedsrichter wegtun und gleich alles digital machen.“

Der „Gamechanger“, der das Spiel kippen ließ

Hauptgrund für den GAK-Ärger war jene Elfmeter-Szene, mit der dem WAC der Treffer zum 1:3 gelang. Nach einem Duell zwischen Kreuzriegler und Thomas Sabitzer kassierte der WAC-Stürmer in Minute 75 ursprünglich Gelb wegen einer Schwalbe. Nach Videostudium korrigierte Simsek auf einen Strafstoß. Sicher kann ich es besser verteidigen, aber es war keine klare Fehlentscheidung, sodass sich der VAR nicht einschalten müsste“, fand Kreuzriegler.

Trainer Rene Poms schüttelte den Kopf: „Er sollte bei massiven Fehlentscheidungen eingreifen. Aus meiner Sicht war das nicht einmal ein Foul. Daniel Maderner hat in jedem Spiel 57 solcher Duelle, da gibt es nie einen Freistoß.“ Für den 49-Jährigen war dies der „Gamechanger“, der den WAC positiv und sein Team negativ beeinflusste.

Traumstart des GAK

Bis dahin war der GAK auf der Siegerstraße. Maderner (8.) und Tio Cipot (11.) brachten die Hausherren vor 5180 Zuschauern per Doppelschlag früh in Führung, das 3:0 ging auf das Konto von Marco Gantschnig (36.). Zu diesem Zeitpunkt agierte der GAK bereits mit einem Mann weniger. Marco Perchtold sah in Minute 28 – nach korrekter VAR-Intervention – wegen Foulspiels Rot.

Nach dem von David Atanga (80.) verwerteten Elfmeter begannen die roten Nerven zu flattern. Angelo Gattermayer (83., 98.) sowie ein Eigentor von Michael Lang (92.) ließen die Partie kippen. Um genau zu sein: Über dieses Eigentor wird man noch in Jahren sprechen, so unerklärlich war Langs Kunstschuss ins eigene Tor. „Das ist ein Ball, den du 50 Meter nach vorne schießen kannst“, meinte Poms.

Bei allen Emotionen war es Poms auch wichtig, einen rationalen Blickwinkel einzunehmen. Murat Satin und Maderner hätten das 4:0 auf dem Fuß gehabt. Auch wenn der Coach ebenfalls Gelb-Rot für Petar Filipovic (89.) nicht nachvollziehen konnte, möchte er den Schiedsrichter nicht als Ausrede gelten lassen: „Wir müssen uns fragen: Wie können wir trotz solcher Entscheidungen so ein Spiel gewinnen? Das will ich von meiner Mannschaft. Wir haben eine Breitseite gekriegt, aber wir werden lernen und gestärkt daraus hervorgehen.“