Allzu viel werden sich die Fans von Celtic Glasgow heute (18.45 Uhr, RTL & Sky live) wohl nicht ausrechnen, wenn ihr Team im Zwischenrunden-Rückspiel der Europa League in Stuttgart ein 1:4 aus dem Hinspiel wettmachen muss. „Wir möchten zeigen, was wir für eine Mannschaft und wie stark wir mental sind. Wir möchten Unglaubliches erreichen“, gibt sich Neuzugang Junior Adamu dennoch kämpferisch. Der Stürmer, der als Einjähriger mit seinen Eltern aus Nigeria nach Graz gekommen war, ist inklusive Kaufoption bis Sommer von Freiburg ausgeliehen und hat sich in Schottland gut eingelebt. „Wenn jemand mit schottischem Akzent eine Geschichte erzählt, musst du im Kopf schon da sein, aber mittlerweile geht es richtig gut“, sagt der 24-Jährige lachend. „Glasgow ist schön anzuschauen, nur das Wetter ist hier schon anders als in Deutschland – frischer, viel Regen und es geht die ganze Zeit der Wind. Ein paar Fußballplätze sind hier komplett der Wahnsinn, in Deutschland wären die nicht erlaubt. Aber wenn du hier spielen kannst, dann bist du ein großer Profi und kannst überall spielen.“

Mit dem Schritt auf die Insel hat sich der neunfache Teamspieler Österreichs, der in Freiburg seit Ende November kaum noch eine Rolle gespielt hatte, auch hinsichtlich der WM im Sommer mehr Spielzeit erhofft. Mit seinem wunderbaren Fersler-Tor in der 97. Minute zum 1:1 beim 2:1-Cupsieg gegen Dundee FC vor knapp drei Wochen hat Adamu auch einen Traum-Einstand gefeiert. „Ich habe solche Tore in den ersten vier Trainings beim Verein durchgehend so gemacht und es dann auch im Spiel bewiesen, dass ich es kann“, sagt der Steirer. „Es war ein Gefühl wie damals bei meinem Tor gegen die Bayern in der Champions League. Ich habe mir nur gedacht: Ach du scheiße, jetzt geht es richtig los. Die Fans wollten schon fast aufs Spielfeld laufen.“

Nach seinem ersten Startelfeinsatz gegen den Tabellenvorletzten Kilmarnock, wo Adamu zur Pause beim Stand von 0:2 ausgewechselt worden war, kam der Angreifer zuletzt aber bei den Niederlagen gegen Stuttgart und in der Liga gegen Hibernian FC gar nicht zum Einsatz. „Es ist auch für den Trainer gerade schwierig, er versucht die passende Startformation zu finden.“ Auch unter Martin O‘Neill, der Celtic im Jänner übernommen hat, befinden sich „The Bhoys“ derzeit wie Erzrivale Glasgow Rangers nur in der Jägerrolle. Heart of Midlothian mit Ex-Hartberg-Verteidiger Michael Steinwender steuert auf den ersten Meistertitel seit 1959/60 und damit eine der größten Überraschungen der jüngeren europäischen Fußball-Geschichte zu. Aberdeen unter Sir Alex Ferguson war 1984/85 das bislang letzte Team, das den beiden Glasgower Klubs den Titel streitig machte. Je 55 Mal holten Celtic und die Rangers bislang die Meisterschaft – die Hearts hingegen jagen Titel Nummer fünf, welcher sie vor Aberdeen und Hibernian (ebenfalls je 4) zur alleinigen Nummer drei des Landes machen würde.

„Die Spannung spüren hier alle im Land“, sagt Adamu, der mit Celtic – das noch eine Nachtragspartie zu spielen hat – derzeit zwei Punkte hinter den Rangers und sechs hinter den Hearts Rang drei in der Tabelle belegt. „Es ist verrückt hier. Der volle Fokus liegt auf dem Meistertitel, der ist das Wichtigste für die Fans und den Verein. Die Menschen hier leben für den Fußball. Spätestens wenn Celtic am Sonntag (13 Uhr) bei den Rangers zum legendären „Old Firm“ gastiert, wird Adamu das mit voller Wucht zu spüren bekommen. Verlieren verboten lautet die ganz klare Devise, möchte man noch ein Wörtchen im Meisterkampf mitreden. „Wir dürfen sowieso nie etwas Blaues anziehen, meine blauen Sachen habe ich alle in Freiburg gelassen“, erzählt Adamu lachend und freut sich auf das Derby: „Die Stimmung wird unglaublich. Wenn du in diesem Spiel ein Tor machst, dann bist du sowieso der größte König.“