Der Start der neuen Saison führt traditionell zu einer Vielzahl an Bewertungen und Prognosen von Medien, Fans und – den Spielern. Auch sie beschäftigt in dieser Phase der Blick in die Zukunft. Über die Wochen der Vorbereitung tauchen immer wieder ähnliche Gedanken auf. Als WAC-Spieler fragt man sich zum Beispiel: Was ist heuer anders?

Zum einen sind da die gestiegenen Ansprüche. Dieses Jahr laufen selbst beachtliche Leistungen Gefahr, bei unerwünschtem Ausgang als Enttäuschungen gesehen zu werden. Die Qualifikation für eine internationale Gruppenphase wird in gewissem Maße vorausgesetzt – eine gefährliche Erwartungshaltung. Die Qualifikation ist hart, der WAC sicher nicht zu favorisieren. Und auch auf einen erneuten Cupsieg oder ein spannendes Titelrennen bis zum Schluss sollte man diese Saison realistisch betrachtet nicht setzen.

Zum anderen gibt es heuer Kontinuität. Im Vorjahr sorgten Trainerwechsel und Kaderumbruch für viele Veränderungen. Die neue Stimme in der Kabine, ein neues Spielsystem und neue Spieler brachten frische Impulse. Erfahrene Akteure mussten sich erneut beweisen, Talente von den Amateuren erhielten ihre Chance. Das brachte Schwung, der optimal genutzt wurde.
Dieses Jahr ist die Situation anders: Trainer und Taktik sind bekannt, die Hierarchien weitgehend klar, und im Kader gab es bisher nur wenige Veränderungen. Das sind gute Voraussetzungen für den Saisonstart – die Mannschaft ist eingespielt. Die nötige Energie muss diesmal jedoch aus den gesteckten Zielen kommen und nicht mehr so sehr aus dem internen Konkurrenzkampf. Daraus ergibt sich direkt die nächste Frage: Was bedeuten die Abgänge?

Noch keine schmerzlichen Verluste

Bisher hat kein Schlüsselspieler den Verein verlassen, allerdings könnte sich das noch ändern. Zukic steht vor dem Absprung, und weitere könnten folgen. Dazu müssen die konstant starken Leistungen von Ulmann und Jasic ersetzt werden. Die Trennung von Erwin Omic überrascht mich. Trotz seines jungen Alters übernahm er Verantwortung und war stets verlässlich, auch wenn er nicht immer in der Startelf stand. Die Abgänge von Sabitzer, Altunashvili und Scherzer waren hingegen zu erwarten, verringern aber natürlich die personellen Optionen. Was uns zur nächsten Frage führt: Was bringen die Verstärkungen? Donis Avdija ist in dieser Liga ein Spieler, der in jedem Spiel den Unterschied ausmachen kann, er wertet die starke Offensive zusätzlich auf.
Links ist man mit René Renner gut besetzt, allerdings fehlt eine Alternative. Momentan sehe ich auch im Kader niemanden, der den Anforderungen auf dieser Position gerecht werden kann.

Fragezeichen auf der rechten Seite

Rechts stellt sich die Situation anders dar: Fabian Wohlmuth komplettiert zu Boris Matic die rechte Seite. Zwei Spieler mit Potenzial, beide haben allerdings wenig Bundesliga-Erfahrung und keine internationalen Einsätze. Aus meiner Sicht ist das dank des starken Abwehrzentrums aber kein Problem. Dominik Baumgartner hat schon den einen oder anderen meiner Fehler ausgebessert, das wird ihm auch hier gelingen. Eine vergleichbare Situation gibt es bei Marco Sulzner: talentiert, aber noch unerfahren. Er ist einer der wenigen defensiv orientierten Mittelfeldspieler im Kader. Trainer Didi Kühbauer hat auf dieser Position in der Vergangenheit jedoch auch Innenverteidiger eingesetzt, was die Lage nach der Verpflichtung von Adama Dramé entschärft – vorausgesetzt, es verlässt kein Defensivspieler den Klub.

WOLFSBERG,AUSTRIA,23.JUN.25 - SOCCER - ADMIRAL Bundesliga, Wolfsberger AC, training start. Image shows  Fabian Wohlmuth (WAC). Photo: GEPA pictures/ James Doak
Der Burgenländer Fabian Wohlmuth als neue Hoffnung rechts beim WAC © GEPA

Insgesamt erwarte ich, dass einige Kaderentscheidungen erst gegen Ende der Transferperiode fallen, wenn klarer ist, wie sich die Mannschaft international schlägt.
Das führt schlussendlich zur Frage: Was kann man jetzt erwarten? Zu Saisonbeginn weiß eigentlich niemand genau, wie es um die Form des Teams steht. Während der Vorbereitung ist man in einer eigenen „Bubble“, die kaum Vergleiche oder Rückschlüsse zulässt. Auch Freundschafts- und Cupspiele sind keine Grandmesser: Zu viele Faktoren wie Fitnessstand, die Qualität der eingesetzten Spieler beim Gegner, taktische Experimente und zahlreiche Wechsel verzerren das Bild. Unstrittig jedoch: Die Erwartungshaltung ist hoch, das Team eingespielt und der Kader qualitativ stark. In der Breite ist die Mannschaft allerdings noch nicht optimal aufgestellt – der öffentliche Ruf nach Verstärkungen vom Trainer ist hier nachvollziehbar.

Als WAC-Spieler würde ich aktuell mit Zuversicht, aber auch mit einem etwas mulmigen Gefühl in die Saison starten. Es bleibt die Unsicherheit, ob man für den intensiven Saisonstart mit internationalen Aufgaben und hohen Erwartungen wirklich ausreichend gerüstet ist – und welche Veränderungen noch auf einen zukommen.

Zurück zur Stabilität

Für Austria Klagenfurt sind solche Überlegungen derzeit nur zweitrangig. Über allem steht die entscheidende Frage: Wann endet das Chaos? Nach dem turbulenten Abstieg ist Stabilität gefragt. Finanzielle Sorgen, ein neuer Sportdirektor, ein neues Trainerteam und viele neue Spieler – vieles ungewiss, nichts bewährt. Je schneller es gelingt, den Fokus auf die Arbeit am Platz zu legen, desto eher kann daraus ein willkommener Neustart werden. Der Kader hat sicherlich an Qualität eingebüßt. Ein großer Vorteil ist jedoch, dass die vielen neuen Spieler den Abstieg nicht im Kopf mittragen. Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie lange diese Erfahrung nachwirken kann, wenn man im Verein bleibt. Trotzdem wird man, wie schon das Cup-Spiel gezeigt hat, als Austria-Spieler den Platz zum Saisonstart nicht sehr selbstbewusst betreten.