Die Kinder umringen Marco Rossi auf dem Eis. Sie lauschen, stellen neugierig Fragen. „Was meine Lieblingsmannschaft ist, oder ob ich viele Tore schieße. Das sind die häufigsten Fragen der Kinder“, sagt Rossi und lacht. Er trägt eine Haube und grüne Handschuhe von NHL-Klub Minnesota Wild, seinem Arbeitgeber in Übersee. Drei Trainingseinheiten mit Kindern leitete der Vorarlberger in Liebenau. Nach der U9 und U11 sind heute die etwas älteren Jungcracks auf dem Eis. Das „Marco Rossi Camp“ ist ausgebucht und sein Namensgeber wirkt entspannt, fröhlich. „Ich bin sehr gerne mit den Kindern auf dem Eis. Das bringt mir viel Freude. Ich habe selbst als Kind auch zu den NHL-Spielern aufgeblickt. Daher weiß ich genau, wie sie sich fühlen und es ist das Schönste, wenn ich sie glücklich auf dem Eis sehe. Sie sind die Zukunft.“ Der Stapel an Autogrammkarten, der hinter der Bande wartet, war hoch, schwand aber schnell. Von dort aus beobachtet auch Vater Michael Rossi das Treiben um seinen Sohn. Er spielte zwei Saisonen für den EC Graz, als der Bunker noch wahrlich ein Bunker und nicht schmucke Arena war, in die es zum kurzen Gedankenaustausch mit dem Crack auch den eishockeyaffinen Landeshauptmann Mario Kunasek zog.

Die gekritzelten Buchstaben auf dem Karton ließen die kleinen Augen leuchten. Wie ein kleiner Schatz wurden die Karten gehalten. Auch dieses Gefühl kennt der 23-Jährige, war er selbst doch auch Autogrammjäger. Ihm haben es nicht nur die Schweizer NHL-Spieler angetan, wie Timo Meier. „Für einen Vorarlberger ist die Schweiz recht nah und da habe ich sehr viele Autogramme gesammelt.“ Die emotional wertvollste Ausbeute in der rossischen Sammlung ist die Unterschrift von Patrick Kane. Geholt in Davos, als der US-Stürmer für den EHC Biel gespielt hatte. „Das hat für mich schon einen hohen Wert.“ Links liegengelassen wurde er beim Autogramm-Wunsch „zum Glück“ nie und er hält es so: „Egal wo ich bin, wenn wer nachfragt, versuche ich mir die Zeit zu nehmen – nicht nur bei Kindern.“

Eine Unterschrift hat Rossi bisher nicht gezeichnet. Die unter einem neuen Vertrag und da zieht es sich. Die Gerüchteküche brodelt über zwei abgelehnte Angebote seitens des Spielers (5 Jahre zu je 5 Millionen Dollar oder 2 Jahre zu je etwas weniger) und nicht geführte Gespräche. Konkretes sagt der Stürmer dazu nicht, es ist das Gebiet seines Agenten. Er selbst hält sich fit, der Manager ihn auf dem Laufenden. Doch ist ein Thema stark: Wertschätzung. Die fordert er ein. „Jeder weiß, dass ich mich gut entwickelt habe. Vom ersten Jahr zum zweiten habe ich enorme Sprünge gemacht, habe kein Spiel verpasst. Ich kann sehr selbstbewusst sein. Wir hatten heuer viele verletzte Spieler und da habe ich den nächsten Schritt gemacht und mehr Verantwortung übernommen. Ich weiß, wie gut ich bin und ich weiß, was ich verdiene. Es muss einfach fair sein.“

Dabei geht es aber nicht nur um Dollars, sondern auch die Dauer der Bindung oder seine Rolle. „Geld ist das eine, aber das Wichtigste ist, wie man mit mir umgeht. In den Play-offs ist nicht alles rund gelaufen. Da ist es bei den Verhandlungen sicher ein Thema: Wie werde ich in der nächsten Saison eingesetzt. Es muss für alle gerecht sein. Aber das macht mein Agent und als Spieler kann man da nicht viel tun.“ Rossi wurde in den Play-offs nach einem Spiel in die vierte Linie gesteckt und aus den Special Teams gestrichen. Sein Anspruch ist definiert: „Jeder, der mich kennt, weiß, ich bin ganz klar ein Spieler der ersten oder zweiten Linie. Das sind auch meine Stärken, die ich bewiesen habe.“

Allen voran die Vancouver Canucks sollen ein Interesse an dem Center aus Österreich haben. Die Rechte an seinen Diensten hat allerdings Minnesota. „Der Klub entscheidet, wie es mit mir weitergeht. Als Spieler habe ich da nicht viel Einfluss darauf. Darum muss ich warten.“ Dass Spieler in dieser Situation ausgeliefert sind, ist „eben das Hockey-Business und jeder, der in der NHL spielt, weiß, wie es abläuft. Es ist nicht immer einfach und oft muss oder will man es nicht verstehen.“ An dieses Thema verschwenden die Kinder keinen Gedanken, wenn sie mit ihrem Idol über das Eis laufen und der Puck übers Eis läuft. Dann zählt nur das Spiel.