Mit Spannung wird jedes Jahr der NHL Draft bei den Teams und Fans in der besten Eishockeyliga der Welt erwartet. In insgesamt sieben Runden sichern sich die Vereine hoffnungsvolle Nachwuchstalente. Am Freitag (Ortszeit) ging die erste Runde über die Bühne, Verteidiger Matthew Schaefer wurde als Nummer eins von den New York Islanders ausgewählt.

Aus österreichischer Sicht ist der diesjährige Draft von eher geringer Bedeutung. Laut den Prognosen dürfte diesmal – am Samstag finden die Runden zwei bis sieben statt – kein heimischer Spieler ausgewählt werden. In den vergangenen Jahren waren die österreichischen Fans verwöhnt. Seit 2020 wurden insgesamt acht ÖEHV-Spieler ausgewählt, darunter auch Marco Rossi (an neunter Stelle 2020) und David Reinbacher (an fünfter Stelle 2023).

Reinbacher wurde Verteidiger vor die Nase gesetzt

Diese zwei Spieler sind es auch, die das Draftwochenende aus österreichischer Sicht interessant machen. Um Center Marco Rossi ranken sich schon seit Monaten Wechselgerüchte, seine Minnesota Wild könnten aktiv werden und ihn zu einem anderen Team abgeben.

Verteidiger David Reinbacher, der den Großteil der vergangenen Saison verletzungsbedingt ausgefallen ist, bekam hingegen namhafte Konkurrenz. Seine Montreal Canadiens holten sich Verteidiger Noah Dobson von den New York Islanders im Tausch für Stürmer Emil Heineman und Pick Nummer 16 und 17 in der ersten Runde des NHL-Drafts 2025. Kurz danach unterschrieb Dobson bei den Canadiens einen neuen Vertrag über acht Jahre mit einem jährlichen Gehalt von 9,5 Millionen Dollar.

Dobson bestritt bislang inklusive Play-offs 419 NHL-Spiele, in denen er 50 Tore erzielen und 190 Assists verbuchen konnte. Der 25-Jährige ist wie Reinbacher ein Rechtsschütze und war bei den Islanders ein wichtiger Bestandteil der Verteidigung. Vergangene Saison stand er im Schnitt 23:16 Minuten pro Spiel am Eis. Nur Tony DeAngelo (23:20 Minuten) kam auf mehr Eiszeit.

Wie geht es mit Marco Rossi weiter?

Während Reinbacher trotz der neuen Konkurrenz auf seiner Position ein integraler Bestandteil von Montreals Zukunft sein dürfte, gilt das für Marco Rossi bei Minnesota Wild nicht. Der 23-jährige Vorarlberger wird in diesem Sommer vertragslos und muss somit ein neues Arbeitspapier unterschreiben. Das ist jedoch leichter gesagt, als getan.

Die Gehaltsvorstellungen von Rossi und den Wild liegen weit auseinander. Minnesota bot ihm laut Insidern während der Saison einen neuen Vertrag über fünf Millionen Dollar pro Jahr für fünf Jahre an. Zu wenig aus seiner Sicht. Rossis Manager konterte mit einem kürzeren Vertragsangebot, dafür mit einem höheren jährlichen Gehalt. Das wollte Minnesota nicht. Rossis Degradierung in den Play-offs in die vierte Linie, nachdem er mit 60 Scorerpunkten im Grunddurchgang Minnesotas zweitbester Scorer war, vergrößerte den Graben zwischen den beiden Parteien noch einmal.

Das Problem für den ÖEHV-Legionär ist, dass er sich nicht selbst einen neuen Verein aussuchen kann. Rossi ist Restricted Free Agent (RFA) und damit hält Minnesota weiterhin die Rechte an ihm. Wenn sie ihn nicht zu einem anderen Team traden, gebe es ab 1. Juli noch die Möglichkeit, dass ein anderes Team Rossi einen Vertrag vorlegt (Offer Sheet). Dieser kann von den Wild zu den genau gleichen Konditionen gekontert werden. Wäre er ihnen zu hoch, würde Rossi wechseln und die Wild würden als Kompensation Draftpicks für das kommende Jahr erhalten. Welche, entscheidet die Höhe des jährlichen Gehalts.

Passiert das nicht, müssen sich Wild-General-Manager Bill Guerin und Rossis Agent Ian Pulver doch noch irgendwie einigen, wenn der Vorarlberger mit Saisonbeginn wieder auf NHL-Eis stehen will.