Wir wissen, dass wir sch... sind – wir wissen, dass wir sch... sind“, lautete der bewusst frivole Text. Auf dem Eis wurde dazu gesungen, getanzt und der Verbleib in der Eishockey-Elite gefeiert. Erraten. Das war Großbritannien und nicht Österreich. Die rot-weiß-rote Mannschaft hatte sich ja gegen Italien bis auf die Unterhosen blamiert. Der sicher geglaubte Klassenerhalt war am 20. Mai um 22.43 Uhr blanke Illusion.

Drei Stunden zuvor. Österreich und Italien wärmten sich auf. Bei Teamchef Roger Bader, der zu diesem Zeitpunkt stets versuchte, die Einstellung von Spielern herauszulesen, hätte alarmiert sein müssen. Die Italiener wirkten bissig und fokussiert, Österreich stellte sich mit ein paar Spielereien hier und ein paar Flip-Pässen dort auf das Spiel der Spiele bei dieser WM in Bratislava ein. Alles danach fügte sich mit einzelnen Ausnahmen nahtlos ein. Es wirkte alles von Anfang an nicht stimmig. Und das könnte auf das ganze Turnier umgelegt werden. Kurz: Das beste Team der letzten Jahre hatte versagt.

Mögliche Ursachen? Die Niederlagen vor dem Entscheidungsspiel haben sichtlich an der Truppe genagt. Ab dem dritten Spiel (0:4 gegen die Schweiz) hatte die Leichtigkeit gefehlt. Ein Experte meinte nach dem Start gegen Schweden (0:4 nach acht Minuten): „Die haben sich ja schon vor dem ersten Bully aufgegeben.“ So kann kein Turnier bestritten werden. Schon gar keines, dessen Spannungsbogen bis eben zum letzten Spiel aufrechterhalten werden muss.

Und je länger das Turnier dauerte, desto mehr verlor die Mannschaft ihre Spritzigkeit, ihr Tempo, ihre Aggressivität. Vielleicht war Baders gewohnt intensive Vorbereitung kurz zuvor und nach einer langen Saison doch zu intensiv? Aber selbst dann müsste, ja, müsste die individuelle Klasse ausreichen, um Italien in Schach zu halten. Doch die eigene Arroganz, wie es Michael Raffl (einziger a-tauglicher Lichtblick und einer der wenigen, die ihre Leistung stets gebracht hatten) betonte, stellte Team Austria eben ein Bein. Österreich spielt damit wieder in der Division IA (B-WM), die 2020 möglicherweise sogar in Laibach ausgetragen wird. Die Gegner lauten Frankreich (ebenfalls Absteiger), Slowenien, Ungarn, Südkorea und Rumänien (Aufsteiger aus dem C-Pool).

Das rot-weiß-rote Eishockey ist also wieder dort, wo es hingehört. Zweitklassig, nach einem Ausrutscher im Vorjahr. Dänemark, Norwegen, Lettland und natürlich Deutschland liegen völlig außer Reichweite, wenn es darauf ankommt. Von der Schweiz ganz zu schweigen, sie ist längst kein Maßstab mehr. Vielleicht gut so. Dies lässt diese unerträgliche Schönfärberei der heimischen Liga verblassen.

Mittendorfer will keine einschneidenden Reformen

Österreichs Eishockey allerdings schreit unabhängig von der Liga förmlich nach grundlegenden Neuausrichtungen. Nicht, weil eine Legionärsflut oder eine Punkteregel zugelassen wird. Nein. Weil manche Verantwortliche stets den Weg des geringsten Widerstands beschreiten. Nur wenige sind selbst so gescheit, um zu wissen, wann sie lernen müssen. Der Rest benötigt knallharte Regeln (und Konsequenzen). So müssten die Vorgaben auch für die Erste Bank Eishockey Liga und deren Klubs lauten. Und ÖEHV-Präsident Gernot Mittendorfer muss eher früher als später die nötigen unangenehmen, harten, einschneidenden Reformen durchsetzen. Die Fan-Polonaise mitzutanzen, ist in jedem Fall zu wenig.

Das Traurige: Mittendorfer hat sogar selbst an der Torhüter-Problematik erkannt, dass der Hut brennt. In Bratislava bei dieser WM etwa kam Österreich auf die mieseste Fangquote. Die Torhüter fristen bei ihren EBEL-Klubs ein Reservisten-Dasein. Allerdings ist auf kurze Sicht keine Besserung absehbar. Es fehlt ja bereits hier seit Jahren eine Gegenmaßnahme oder eine Idee. Und so kann man sich ausmalen, wie stark der Reformwille bei den richtig heißen Themen ist.

Großbritanniens Eishockey besitzt also im Gegensatz zu Österreich eine Selbstreflexion. In allen Belangen. Und daran krankt es wohl als Allererstes.