Die Schweizer Zeitung "Blick" hat Sie zum Spieler des Oktobers erkoren. Auch, weil Sie mit 22 Scorerpunkten (acht Tore, 14 Assists, Anm.) bereits die Ausbeute des gesamten Vorjahres übertroffen haben. Viel besser könnte es derzeit gar nicht laufen, oder?
Stimmt, heuer klappt es wirklich ausgezeichnet. Auch, weil ich bisher verletzungsfrei geblieben bin. Das spielt sicher eine große Rolle. Ich fühle mich hervorragend.

Hätten Sie das erwartet, als Sie vor fünf Jahren die heimische Liga verlassen haben?
Ich wusste, dass mir das Schweizer Eishockey liegen könnte. Einfach, weil meine Stärken in der Schnelligkeit liegen und hier viel Wert auf Tempo gelegt wird. Gleich zu Beginn habe ich die Chance erhalten, dass ich mich in den vorderen Linien entfalten kann. Das wäre in der vierten Linie wahrscheinlich schwieriger gewesen. Es ist aber immer auch ein bisschen Glück dabei, wenn der Trainer etwas in dir sieht.

Damals wurde behauptet: "Der Hofer spielt nur wegen seiner Lizenz in der Schweiz." Mittlerweile würden Sie wohl als "echter Legionär" verpflichtet werden ...
Als reiner Österreicher, also ohne diese Lizenz, ist es sicher schwieriger, überhaupt in der Schweiz Fuß zu fassen. Weil auch dem österreichischen Eishockey das Ansehen fehlt. Man nimmt lieber Ex-NHL-Spieler oder Schweden.

Was macht das Schweizer Eishockey attraktiv?
Die Schweizer Klubs verfügen über eine tolle Infrastruktur. Unsere Halle in Biel wurde erst vor ein paar Jahren eröffnet. Das gibt dem Klub insgesamt einfach andere Möglichkeiten. Und natürlich sind durch mehr Budget auch höhere Gehälter möglich.

Biel galt jahrelang als Nachzügler, immer an der Schwelle zur Zweitklassigkeit. Jetzt ist Ihr Team erster Verfolger von Genf. Wann hat sich das geändert und was?
Seit 2015, also mit der neuen Halle, konnten neue Sponsoren gewonnen werden. Damit hat sich das Budget erhöht. Seitdem läuft es in Biel auch sportlich besser. Jetzt wirkt das ganze Konzept inklusive Nachwuchsausbildung, wo Spieler erste Profi-Erfahrung in der zweiten Liga sammeln, stimmig. Und all das ist ein Grund, warum wir so stark sind.

Wenn Sie jetzt einen Blick zurückwerfen, also auf die österreichische Liga – was löst das bei Ihnen aus?
Die Punkteregel war sicher totaler Mist. In jeder Mannschaft haben die Imports die meiste Eiszeit erhalten. Dann fehlte den Teamspielern bei WMs die nötige Spielpraxis. Mittlerweile wurde das System geändert und das ist, denke ich, ein guter Weg.

Österreich könnte Sie gut gebrauchen. Aber Sie stehen für das Nationalteam seit Längerem nicht zur Verfügung. Warum?
Ich habe, als mein erstes Kind geboren wurde, erklärt, dass ich mich nach einer Saison voll und ganz der Familie widmen und nicht noch eineinhalb Monate anhängen möchte. Der Sommer gehört meiner Familie.

Die Nati gilt in der Schweiz als Heiligtum für den Sport. Wie stehen die Bieler Teamkollegen dazu, wenn der österreichische Topscorer nicht bei der WM spielt?
Die fragen mich eh immer wieder. In der Schweiz wäre das unvorstellbar. Aber der Klub ist in Wahrheit nicht böse, weil die Verletzungsgefahr eben geringer ist.

Gab es jemals wieder Kontakt zu Teamchef Roger Bader?
Ja, tatsächlich. Vor ein paar Tagen hat er vorsichtig gefragt, ob ich bei meinem Entschluss geblieben bin. Aber für mich ist dieses Thema erledigt.

Zurück zu Biel: Eure Angriffsformation, bestehend aus Hofer, Gaetan Haas und Jesper Olofsson wird als H2O-Linie bezeichnet. Zusammen hält man bei 51 Scorerpunkten in 17 Spielen. Herrscht eine besondere Chemie?
Absolut. Wir sind eine schnelle Linie und wir verstehen uns bestens, alles geht ganz leicht. Und das sieht man dann an unseren Toren.

Zehn Siege in Folge: Könnte heuer das obligatorische November-Tief von Biel ausfallen?
Darauf wurden wir von Journalisten bereits angesprochen. Heuer sind wir von Verletzungen verschont geblieben – im Gegensatz zu den letzten Jahren. Aber die Liga ist eng, da kann man sich nicht einfach zurücklehnen.

Mit Antti Törmanen steht ein finnischer Trainer hinter der Bande. Ein Blick auf die bisherige Torausbeute beweist: Er dürfte nicht unbedingt auf ein defensives System setzen, worauf die Finnen eigentlich plädieren, oder?
Er lässt jedem Spieler sehr große Freiheiten, auch innerhalb unseres Systems. Aber er ist anders. Er liebt es, wenn wir schöne Spielzüge zeigen. Wir sind ein offensives Team und er wünscht sich, dass wir auch offensiv spielen. Also ganz untypisch für einen Finnen.

Wie schwierig ist es, den Fokus zu behalten, wenn man immer gewinnt?
Gar nicht. Weil das Rundherum eigentlich ausblenden. Es zählt immer das nächste Spiel. Die Siegesserie bedeutet mehr den Fans und den Medien, als uns. Wir genießen es, aber wir wissen, es wird nicht immer so laufen.