Vor 50 Jahren feierte ORF-Kommentator Ernst Hausleitner sein Formel 1-Debüt am Österreich-Ring. Seine Erinnerungen: „Vittorio Brambilla, der Gorilla von Monza wie er genannt wurde, feierte seinen einzigen Sieg.“ Doch am selben Tag erlebte der Grand Prix seine dunkelste Stunde, als March-Pilot Mark Donohue verunfallte. Ein Streckenposten starb an Ort und Stelle, der US-Amerikaner zwei Tage später nach Hirnblutungen. „Ich sah ihn noch beim Ringarzt, weil ich Fieber hatte und mich mein Vater hingebracht hatte“, erzählt Hausleitner, der mittlerweile seine 17. Saison kommentiert. Und mit Experte Alexander Wurz ein dynamisches Duo samt markiger Sprüche bildet. „Wir wissen, wie der andere tickt, verstehen uns privat super.“ Wer beim Austeilen die Nase vorne hat? „Es steht wohl unentschieden“, meint der ORF-Mann lächelnd.
Heuer liegt der ORF in Spielberg in der Pole-Position, mit ServusTV werden die TV-Rechte für die Formel 1-Rennen abgewechselt. Auf das Team wartet ein Mammutprogramm: „So ein Heim-GP ist immer sehr arbeitsintensiv. Wir sind 21 Stunden live dabei. Das ist ein großes Bekenntnis des ORF zum Sport“, zählt Hausleitner auf und blickt stolz auf die jüngsten Zahlen: „Beim Barcelona-GP hatten wir unfassbare 67 Prozent Marktanteil in der Gruppe der 12- bis 29-Jährigen. Wir haben also gerade in der jungen Zielgruppe enorm viele Zuseher. Die Formel 1 boomt ohne Ende.“
Ecclestone-Abgang entscheidend
Verantwortlich sei der Übergang von Bernie Ecclestone zu Liberty Media gewesen. Unter dem früheren Zampano wäre eine Öffnung unmöglich gewesen, ist Hausleitner überzeugt. „Zuerst haben alle den Untergang befürchtet, Formel 1-Eigentümer Liberty Media erwies sich als Glücksfall. Ich habe mich gerade mit Boss Stefano Domenicali unterhalten: Netflix, der Formel 1-Film, Lego und Disney sind an Bord – das alles führt zu einem wahnsinnigen Hype in der jungen Seherschaft. Und das belegen auch die Zahlen.“
Und nach all den Jahren und hunderten Rennen brennt der ORF-Kommentator nach wie vor für den Motorsport: „Es fahren zwar alle nur im Kreis. Aber ich hänge mit voller Begeisterung dabei. Die Formel 1 hat eine große Faszination. Nirgends gibt es so viele Storys, Gerüchte, technische Neuerungen, Politisches, Skandale.“ Um davon zu erzählen, müsse man aber stets am Ball bleiben, vor Ort sein: „Um den Menschen einen Mehrwert zu bieten. Die Leute haben ja schon so viele Möglichkeiten, sich Informationen zu beschaffen.“
Ein Manko bleibt: „Selbstverständlich wäre es ein Vollbringer, wenn ein Österreicher nicht nur dabei wäre, sondern auch vorne mitfährt.“ Seine Rennprognose? „Die Hitze ist gut für McLaren. Red Bull hat Probleme im kurvenreichen Mittelabschnitt. Und Mercedes hat es lieber kühler.“