Peter Schröcksnadel ist, wie er immer war. Auch mit knapp 84 Jahren, die ihm praktisch nicht anzumerken sind an diesem Abend beim legendären „Stanglwirt“ in Going. Nahezu pausenlos ist er in Bewegung, ein kleiner Scherz hier, ein Gespräch dort, die schwarze Kappe mit den drei Buchstaben „rnt“ verkörpert das neueste Herzensprojekt des Tirolers. „River and Nature Trust“ nennt sich dieses und ist – wie sollte es sonst sein? – einem Kampf gewidmet. Denn Peter Schröcksnadel war gewissermaßen Zeit seines Lebens ein Kämpfer – meist im Einsatz für eine Sache, mitunter aber auch als deklarierter Gegner. Nie aber war er ohne Ziel unterwegs, nie ohne Antrieb.

Die Sache, die er an diesem Abend im Kreis von Freunden thematisiert, liegt ihm aber besonders am Herzen. Denn das hängt „seit 79 Jahren“, wie er sagt, am Wasser. Oder besser: im Wasser. Denn im zarten Alter von vier Jahren durfte er das erste Mal am Fluss fischen. Und Fliegenfischen, das ist bis heute seine Passion, „da habe ich viel gelernt, das Durchhalten vor allem. Denn du wirfst oft ohne Erfolg. Fliegenfischen braucht Geduld und Durchhaltevermögen.“ Das Problem, das er nun sieht: Den Gewässern gehen hierzulande zusehends die Fische aus.

Schröcksnadel und seine Mitstreiter sehen schwierige Zeiten auf eine Fischart zukommen, die zu Österreich gehört wie die Donau. Die Bachforelle, kurzerhand zum „Nationalfisch“ geadelt („Die roten Punkte stehen ja gewissermaßen für Rot-Weiß-Rot“), droht zu verschwinden. Aufgerieben zwischen verloren gehenden Lebensräumen und der Wiederansiedelung von Prädatoren und Tieren, die dem Bestand vermehrt zusetzen.

© Benevento

„Menschenfänger“ wirft die Angel aus

Der Eigentümer von Österreichs größter Privatbrauerei aus Salzburg, Heinrich Dieter Kiener, ist an diesem Abend in Going auch dabei. Ihn hat sich Schröcksnadel, gewissermaßen in diesem Fall ein „Menschenfänger“, ebenso geangelt für sein Naturprojekt wie andere Prominente. Kiener ist zwar kein Fischer, aber Jäger. Und auch ihm sei die Natur ein Anliegen, die Artenvielfalt sowieso: „Es ist aktuell oft Folge aus dem urbanen Raum kommenden einer falsch verstandenen Niedlichkeit, dass die falschen Aktionen gesetzt werden.“

Schröcksnadel, der dreifache Vater und 17-fache Großvater, wird da deutlicher: „Wir schützen Wale, Eisbären, aber nicht die Tiere, die im Wasser leben. Weil sie keine Stimme haben.“ Kritik an Tier- und Umweltschutzorganisationen schwimmt da durchaus mit. Auch, weil die Wiederansiedlung von Ottern oder auch Bibern dem Fischbestand weiter zusetzt, sagt er in deren Richtung: „Das Sterben in unseren Bächen ist ihnen egal.“ Schröcksnadel nicht. Auf Wunsch zeigt er gerne eines seiner Bilder, das er von einer Bachforelle gemacht hat, die einer Otter-Attacke zum Opfer gefallen ist. Um zu unterstreichen, wie prekär die Situation ist. Und noch einmal sagt er: „Ich bin seit über 70 Jahren am Wasser. Ich sehe die Veränderung.“

Klar, dass Schröcksnadel auch in dem Fall dort steht, wo er immer war: an der Spitze. Und von dort aus sucht er sich Bekannte, angelt Freunde. So wie Johannes Hauser, den Juniorchef des „Stanglwirts“, der gleich zum Botschafter des „rnt“ ernannt wird und selbst rund um Kitzbühel aktiv ist, wenn es um den Schutz des Fischbestands geht.

Peter Schröcksnadel mit Mitstreitern Johannes Hauser, Alessandra und Heinrich-Dieter Kiener und Balthasar Hauser (v. l.)
Peter Schröcksnadel mit Mitstreitern Johannes Hauser, Alessandra und Heinrich-Dieter Kiener und Balthasar Hauser (v. l.) © Wild & Team Fotoagentur Gmbh

Alles ist aus dem Ruder geraten

Oder das Stift Schlägl in Oberösterreich, dort, wo die Familie des Tirolers Schröcksnadel herkommt. In der Großen Mühl und den Nebenflüssen sorgen sie dafür, dass Bachforellen und andere einheimische Fischarten beste Bedingungen vorfinden, damit ihr Bestand sich erholt. „Wir wollen wieder eine Balance, alles ist aus dem Ruder geraten“, sagt Schröcksnadel und verweist auf die Drau, „da haben wir nur noch sieben Prozent Fischbestand“.

Logisch ist, dass Schröcksnadel dort steht, wo er meist war: ganz vorne, in der ersten Reihe. Dort, wo er seine Ideen am besten verbreiten kann. „Ich war immer ein Unternehmer, ich war immer einer, der getan hat“, sagt er und beginnt, Visionen aufzuzählen, die er etablierte. Vom Suchen mit einer Lawinensonde begonnen über die Entwicklung der Pisten-Kennzeichnungen und damit einem wesentlichen Beitrag zur Sicherheit auf Skipisten bis hin zur Etablierung des Wetterfernsehens samt dazugehörigem TV-Sender. Unzählige Ideen für „seine“ Skifahrer waren da auch. In seinen Unternehmen hat er sich aus der Front zurückgezogen, die führt Sohn Markus (60.). „Ich bin nur noch Aufsichtsratsvorsitzender. Aber immer noch da, wenn es um neue Ideen geht“, sagt er und lächelt. Dann kämpft er um diese Ideen, mit seiner Überzeugung.

ABD0025_20191212 - WIEN - STERREICH: ++ HANDOUT/ARCHIVBILD ++ Ein mit einem Lied bedachter Bewohner von khlen, Sauerstoff-reichen und gut strukturierten Flie§gewssern (also hellen, klaren Bchlein) wurde zum Fisch des Jahres gekrt: Die Bachforelle (Salmo trutta fario). Mehr als zwei Drittel der Bche und Flsse sterreichs gelten als
In Gefahr: die heimische Bachforelle © WOLFGANG SCHRUF/APA

Nächstes Ziel: Krebsheilung

Jetzt eben für die Bachforelle, auch wenn es seltsam anmutet, wenn der als Skeptiker der Klimaerwärmung geltende Naturmensch sich so für ein Naturthema engagiert. Obwohl es passt, dass er auch hier gegen etablierte Organisationen wie den WWF losledert, die „nur Geld verdienen“ wollten. Oder gegen jene, die den Klimawandel zu sehr dramatisieren. „Ich habe einige wissenschaftliche Studien, die mir sagen, dass das nicht so extrem ist. Aber natürlich sehe ich, dass es wärmer wird. Die Frage ist nur, was die Folgen sind.“ Für den Fall der Fälle hat er aber auch da genug Argumente und wissenschaftliche Studien, die seine Ansicht stützen.

Der Wandel in den Bächen ist nicht nur Ansicht von Schröcksnadel, der aber zudem nicht weniger als die Menschheit retten will. Oder besser: Schröcksnadel hilft mit, ein Mittel gegen Krebs zu finden. Seinen Ursprung hat das darin, dass er in Vancouver selbst einst dringendst medizinische Hilfe benötigte. Als er sich beim dem Arzt bedankte, überredete ihn der, in seine Forschung zu investieren. In der Zwischenzeit sitzt Peter Schröcksnadel im „Board of Directors“ der Pharma-Firma „Vas2Pharma“, die sich die Krebsheilung zum Ziel gesetzt hat. Schröcksnadel, selbst immer optimistisch, ist es auch in diesem Fall. „Bald wird es so weit sein“, sagt er, „dann können wir Krebszellen erkennen, lokalisieren und gezielt bekämpfen.“