Sein Spitzname ist „The Great One“, vier Mal holte er mit den Edmonton Oilers den Stanley-Cup, er schoss die meisten Tore in einer NHL-Saison (92), die meisten in der Liga ohnehin (894) und freilich auch samt jener im Play-off (1016). Wayne Gretzky hält in der besten Eishockeyliga der Welt 40 Rekorde in der regulären Saison und 15 in den Play-offs. Der Mann ist eine Legende des Eishockeysports. In Kanada, das sich selbst als Mutterland des Eishockeys feiert, hat er Heldenstatus erreicht. Dieser Lack scheint nun ein paar Kratzer abbekommen zu haben. Zumindest in Kanada. Denn Gretzky hat die kanadische Volksseele offenbar beleidigt. Und das hat er nicht nur ein Mal getan.

Seit Jahren lebt Gretzky in Florida gemeinsam mit seiner US-amerikanischen Frau Janet Jones. 1984 ehelichte er die Schauspielerin und Tänzerin unter enormem Interesse in Edmonton. Die Stadt seiner größten Triumphe schickt sich nun allerdings an, eine im Jahr 1999 nach ihm benannte Autobahn umzubenennen. Doch wie zog Gretzky nun den Ärger seiner Landsleute auf sich?

Zum einen ist er ein Freund von US-Präsident Donald Trump, dessen Beliebtheitswerte in Kanada wohl nicht sonderlich hoch sind. Dass der 64-Jährige bei dessen Wahlparty mit einer „MAGA“ (Make America Great Again)-Kappe fotografiert wurde, wurde naserümpfend im Land des Ahorns angenommen. Doch nun ist das Fass scheinbar übergelaufen. Nicht nur, dass Trump mit den Zöllen auf Waren aus Kanada nun scharf gemacht hat, er fantasierte auch von der Einverleibung des Landes als 51. Bundesstaat der USA. Beides ließ die Hockey-Legende, der bei der zweiten Amtseinführung von Donald Trump als 47. Präsident der Vereinigten Staaten dabei war, unkommentiert. Das wurde ihm in seinem Heimatland übel genommen.

News: 2025 Presidential Inauguration of Donald Trump Jan 20, 2025 Washington, DC, USA Canadian retired professional hockey player Wayne Gretzky arrives for the inauguration ceremony before Donald Trump is sworn in as the 47th US President in the US Capitol Rotunda in Washington, DC, on January 20, 2025. Washington US Capitol DC United States, EDITORIAL USE ONLY PUBLICATIONxINxGERxSUIxAUTxONLY Copyright: xSaulxLoebx 20250120_aa9_usa_046
Wayne Gretzky bei der Inauguration von Donald Trump © IMAGO/Saul Loeb

Doch wird ihm noch eine weitere „Aktion“ angekreidet. Beim Vier-Nationen-Turnier, dem „4 Nations Face-Off“, das im Centre Bell von Montreal und im TD Garden von Boston stattgefunden hatte, war die Stimmung schon vor dem ersten Bully aufgeheizt und die kanadischen Fans zeigten bei der US-Hymne lautstark ihren Unmut über die Annexionsphantasien des Präsidenten. Finnland und Schweden verpassten das Finale und so kam es in Boston zum „Bruderduell“. Gretzky erschien in Anzug statt Nationalteamtrikot und zeigte „Daumen hoch“ zur US-Bank. Ein Skandal. Das Spiel ging in die Verlängerung und letztlich 3:2 an Kanada. „Ihr könnt uns nicht unser Land nehmen – und auch nicht unser Spiel“, schrieb daraufhin Premierminister Justin Trudeau auf seinen digitalen Kanälen. 

Aber nicht nur auf der emotionalen Ebene wird Gretzky „angegriffen“. Einer seiner Rekorde wackelt gerade gewaltig. Alexander Owetschkin fehlen nur noch zehn Tore auf den Allzeit-Rekord von Gretzky. Der 39-jährige Russe erzielte bei der 1:3-Heimniederlage der Washington Capitals gegen Tampa Bay Lightning sein 884. Tor im NHL-Grunddurchgang. Der Washington-Stürmer traf gegen Tampa Bay zum 1:2 (57.) und hält bei 31 Saisontoren.