Ungefähr zwei Minuten saßen die Referees vor dem Monitor, um ihre Entscheidung auf dem Eis („kein Tor“) nochmals zu überprüfen. Kurz zuvor schloss Mathias From seinen Soloritt mit einem Schuss ab. Es klang nach Metall, aber anders. Das Spiel lief weiter, erst mit der nächsten Unterbrechung schritten Fichtner & Smetana zum Videobeweis. Entsprechendes Veto legte sofort auch der KAC ein, dessen Bank in ständiger Verbindung mit Goaliecoach Andrej Hocevar (Video) steht.
From, der bereits nach 23 Spielsekunden den Siegestreffer erzielte, ahnte seinen Doppelpack: „Es war ein anderer metallischer Klang, nicht wie sonst, wenn man die Querlatte trifft. Ich hoffe, den Leuten hat es gefallen“, schilderte der Däne und fügte hinzu: „Manchmal fühlt man beim Schießen, dass er reingehen wird. Aber ich konnte den Puck selbst nicht sehen, weil er so schnell zurückgesprungen war. Dem Schiedsrichter ging es da wohl ähnlich. Ich spürte aber, dass er drinnen war.“ Erst die Super-Zeitlupe konnte den Puck einfangen.
Für einen solchen Schuss benötigt es außergewöhnliche Fähigkeiten. Die Schussqualität, die sich der KAC-Stürmer antrainiert hat, sei ein jahrzehntelanger Prozess gewesen. Tägliches Training laute sein Geheimnis. „Ich habe auch zu Hause viel herumgeschossen. Mein Papa war natürlich nicht begeistert, die Pucks sind kreuz und quer geflogen. Aber er hat mir alles Nötige hingestellt. Mir hat es voll getaugt. Der Punkt ist: Man schießt im Mannschaftstraining nicht oft und in Spielen noch weniger. Aber wenn es soweit ist, dann muss der Schuss sitzen“, weiß der Däne, der sich aber nicht zurücklehnt.
Jeden Sommer feilt er unermüdlich an der Technik. Und zwar mit hochkarätiger Unterstützung. „Ich habe bereits in Schweden mit Coaches trainiert, die schon mit Nathan MacKinnon gearbeitet haben. Es zählt hier nicht die Kraft oder die Stärke. Es kommt auf die Gewichtsverteilung an. Bei diesem Schuss mit voller Power hatte ich mein komplettes Körpergewicht am linken Bein“, so der Rechtsschütze, dessen CCM-Arbeitsgerät mit 80 Flex (also mittlerer Biegsamkeit: je höher desto steifer) ausgestattet ist.
Seine Philosophie: „Ich versuche mich ständig zu verbessern, verändere den Schusswinkel, Passannahme, Schussabgabe und noch mehr. Vor allem die ansatzlosen Schüsse sind für Goalies schwer zu lesen.“ Sein Rat an junge Talente: „Diese Composite-Stöcke haben ihren Sinn, man fühlt den Puck besser. Wählt einen so niedrigen Flex wie möglich aus. Aber sie kosten euren Eltern viel Geld, also passt darauf auf.“
Nicht nur aufgrund seiner beiden Derby-Treffer wirkte From auffällig. Sein blindes Zuspiel auf Oliver Lam (scheiterte jedoch an Lamoureux) verdiente das Prädikat „Weltklasse“. „Wenn man es fühlt, dann fühlt man es“, meint der Stürmer trocken. Und: Wenn der Däne in vollem Tempo anrauscht, ist er nur schwer zu bremsen. Insofern dürfte auch der KAC daran interessiert sein, sich längerfristig seine Dienste zu sichern. From hat eine klare Meinung: „Ich würde gerne hier bleiben. In Klagenfurt fühlt alles großartig an, die Kabine, der Klub, die Stadt. Ich hoffe, hier bleiben zu dürfen und dass der KAC mich ebenfalls möchte.“ Die ersten Gespräche seines Agenten mit General Manager Oliver Pilloni sollen gut verlaufen sein. Noch besser sieht es übrigens bei Jan Muršak aus. Sein Agent und Ex-KAC-Verteidiger Mitja Robar war bei Pilloni, mündlich sollen sie bereits einig sein. Und auch der 36-Jährige selbst hat noch nicht genug.
Mit Pustertal wartet die nächste Aufgabe auf die Rotjacken, die mit neun Siegen in Folge nach Südtirol reisen. Unterstützt werden sie von hunderten Fans aus Klagenfurt, Oberkärnten und Osttirol. Fans aus Irschen, Dellach im Drautal und Huben (Unterweger) haben sich angekündigt. Personell: Das Comeback von Jesper Jensen Aabo „verschiebt sich auf die zweite Monatshälfte“, so der Klub.