Nach unten revidierte Konjunkturprognosen für das bevorstehende Jahr, zunehmender Druck auf Unternehmen durch zurückhaltende Konsumbereitschaft und die hohen Lohnabschlüsse der letzten Jahre, Abbau von Mitarbeitern, steigende Insolvenzzahlen: Der Standort Steiermark ist massiv unter Druck geraten.
Um die Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmenslandschaft abzusichern, brauche es daher umfassende Anpassungen der Rahmenbedingungen bzw. eine entsprechende „Kultur des Ermöglichens, nicht des Verhinderns“, so der Präsident der Wirtschaftskammer Steiermark, Josef Herk.
Es gehe darum, „ökonomische Potenziale vollständig abzurufen, um den Wohlstand langfristig absichern zu können“. In Richtung der laufenden Koalitionsverhandlungen im Land plädiert er für eine Bündelung von Wirtschaft und Arbeit in einem Ressort, um einer aktiven Arbeitsmarktpolitik wieder mehr Gewicht zu verleihen. Dasselbe gelte für Energie und Infrastruktur.
Kleiner sind die Herausforderungen nicht geworden. „Zeit zu zögern und abzuwarten, haben wir nicht mehr, denn wir stehen aus mehrerlei Hinsicht an einer Zeitenwende“, ist Herk überzeugt.
Auf der einen Seite müssen sich gewerbliche Unternehmen nach Pandemie-, Energiepreis- und Inflationskrise in einem global stürmischer gewordenen Umfeld behaupten, auf der anderen Seite gelte es, die „Jahrhundertchance“ zu nutzen, die sich durch die baldige Inbetriebnahme der Koralmbahn und dem damit verbundenen Entstehen einer neuen Wirtschaftsregion – der Area Süd - für die gesamte Steiermark ergeben.
Um die internationale Konkurrenzfähigkeit von Beginn an zu garantieren und wettbewerbsmäßig wieder auf die Überholspur zu kommen, schlägt Herk unter anderem eine „Zukunftspartnerschaft 2025+“ vor, „die nicht an den Bundesländergrenzen endet und damit beispielgebend für Österreich wird“.
Nötige Reformen: Was unser Standort braucht
1. Lohnnebenkosten: Es braucht eine spürbare Senkung sowie Anreize für private Investitionen, etwa durch verbesserte steuerliche Abschreibmöglichkeiten.
2. Bürokratie: Ineffiziente und intransparente Verfahrensstrukturen sind abzubauen, überlastete Strukturen zu entlasten, z. B. durch den Rückgriff auf nicht amtliche Sachverständige, um den Projektstau abzubauen.
3. Energie: Es braucht eine nachhaltige, sichere und leistbare Energieversorgung. Die überdurchschnittlich hohen Netzkosten in der Steiermark benachteiligen aktuell vor allem die energieintensive Industrie.
4. Verkehr: Es braucht eine Erreichbarkeit des Wirtschaftsstandorts und dazu etwa den dreispurigen Ausbau der A9 im Süden von Graz, den Ausbau der S36 bei Judenburg, einen Neubau des Bosruck-Eisenbahntunnels und eine Absicherung der Flugverbindung Wien-Graz.
5. Finanzen: Es braucht Einsparungen und Effizienzsteigerungen. Vor dem Hintergrund einer Landesverschuldung in Höhe von sechs Milliarden Euro fehlt sonst der Spielraum für dringend notwendige Investitionen.
6. Internationalisierung: Es braucht eine Standortagentur, die neben der internationalen Vermarktung auch ausländische Fachkräfte in den Fokus nimmt.