Nur das Licht der Scheinwerfer eines umgekippten Lkws und der noch laufende Motor durchbrechen die düstere Stille am Fuß eines Abhangs unter dem Friedhofsparkplatz in St. Kathrein am Hauenstein. Doch niemand befindet sich im Führerhäuschen, als die Gendarmerie eintrifft. Was auf den ersten Blick nach einem Verkehrsunfall aussieht, entpuppt sich als Tatort eines Raubmords.
Aber von Anfang an: Der Grazer Johann Schmid (64) arbeitet in einer oststeirischen Weinkellerei als Weinvertreter. Trotz seines Jobs plagen ihn ständig finanzielle Probleme. Sein hilfsbereiter Kollege, der Weinlieferant Johann S. (57) greift ihm aber immer wieder unter die Arme und bürgt sogar für Schmid, als dieser in seiner Not einen Kredit um 100.000 Schilling aufnimmt. Doch Schmid gerät abermals in Zahlungsschwierigkeiten – und fasst einen mörderischen Plan.
Es sollte wie ein Unfall aussehen
Am 20. Juli 1984 fahren die beiden über das Alpl Richtung Oststeiermark (Schmid war in seinem Golf unterwegs, sein Kollege mit dem Lkw), als Schmid am oben genannten Friedhofsparkplatz anhält – wegen neuerlicher Bremsprobleme, wie er seinem Kollegen gegenüber behauptet, der ihm zuvor schon damit geholfen hatte. Als sein hilfsbereiter Kollege das Auto anschaut, schlägt Schmid mit einem Eisenstück zu. Zwölfmal, wie der Gerichtsmediziner später feststellen sollte.
Er schleift die Leiche seines Kollegen über den Platz, um sie ein paar Meter unterhalb der Böschung abzulegen. Anschließend setzt er dessen Lkw in Bewegung. Der Plan: Es sollte nach einem Verkehrsunfall aussehen, bei dem der Lkw abgestürzt und der Fahrer herausgeschleudert worden ist. Doch von da an geht für den Mörder alles schief.
Täter verliert Knochensplitter am Tatort
Als er aus dem losrollenden Lkw springt, gerät Schmid mit seinem rechten Fuß unter einen Reifen und erleidet eine Knöchelabsplitterung – ein offener Bruch, der nicht nur extrem schmerzhaft gewesen sein muss: Ein vier Zentimeter langes Knochenstück wird später am Tatort gefunden und zur erdrückenden Beweislage gegen Schmid beitragen.
Schwer verletzt flüchtet Schmid mit seinem Golf, doch er ist kaum in der Lage zu fahren und verliert einige Kilometer weiter die Kontrolle über das Auto. Als die Gendarmen zu diesem Unfall gerufen werden, finden sie den verletzten Schmid vor, als er gerade Geld zählt. Während der Fahrt ins Krankenhaus beging Schmid einen weiteren Fehler: Er zerriss neben dem Sanitäter im Rettungswagen die Ausweispapiere, die er samt Geldtasche und den Firmengeldern dem Toten abgenommen hatte.
Ein Mord für 15.000 Schilling
Wenig später fanden Ermittler auch den vermeintlich verunfallten Lkw. Doch ihnen fallen sofort Ungereimtheiten auf. Etwa, dass der Fahrer rechts von den Reifenspuren in der Böschung lag. Hätte es ihn herausgeschleudert, müsste er links liegen.
Für nur 15.000 Schilling (inflationsbereinigt knapp 3000 Euro) hatte Schmid seinen Kollegen getötet. Er leugnet die Tat zunächst, doch die Beweise sind erdrückend.