OMBUDSMANN„Wozu hat man eine Versicherung?“

Der Sohn unserer Leserin und ein Freund haben durch Planschen im Bad Schäden verursacht. Die Versicherung der befreundeten Familie haftet (wahrscheinlich) nicht.

Ausgelassene Planscherei lief aus dem Ruder: Es entstand erheblicher Sachschaden an Möbeln und Böden.
Ausgelassene Planscherei lief aus dem Ruder: Es entstand erheblicher Sachschaden an Möbeln und Böden. © Illustration: Sinisa Pismestrovic
 

Der Sohn unserer Leserin ist zehn Jahre alt, sein Freund neun. Dieser hat kürzlich bei unseren Lesern übernachtet und die beiden wurden zum Spielen in die Badewanne gesteckt.

Als der Mutter der Lärm zu laut wurde, schaute sie nach, doch da war das Malheur schon passiert: Bade- und Kinderzimmer standen unter Wasser; die Badezimmermöbel waren angesaugt, die Böden ruiniert.

Die Mutter ärgerte sich sehr über den Schaden, war aber der Meinung, dass die Versicherung ihres Gastes diesen bezahlen würde, weil sie in diesem den Hauptverursacher der Misere sah: „Ich habe das Wasser laufen lassen und gesagt, ab welcher Höhe die Buben abdrehen müssen. Bei meinem Sohn hat das in der Vergangenheit immer funktioniert.“

Von der Versicherung der befreundeten Familie hat die Geschädigte vorerst aber kein Geld bekommen und so fragt sie sich: „Wozu hat man eine Versicherung? So wie ich das verstanden habe, darf ich meinen Sohn bis 14 Jahre keine Sekunde aus den Augen lassen, auch kein Kind, das auf Besuch ist!“

Wer hat die Aufsichtspflicht?

„Nach der Schilderung Ihrer Leserin wurde der Neunjährige von ihr in ihre Obhut übernommen. Die Aufsichtspflicht lag daher bei ihr, eine Haftung der Mutter dieses Kindes ist daher ausgeschlossen“, schickt der Versicherungsexperte Reinhard Jesenitschnig voraus.

Beim angerichteten Schaden sei davon auszugehen, dass die beiden Buben ihn „solidarisch“ verursacht hätten.

Kein Verschulden

Von einem Verschulden im rechtlichen Sinn werde man aufgrund des Alters der Buben nicht ausgehen können. „Sie werden während ihrer ausgedehnten Planscherei wohl nicht erfasst haben, dass dadurch erheblicher Schaden entstehen kann, und ihr Verhalten wird ihnen daher nicht vorwerfbar sein“, erklärte Jesenitschnig.

Genau das wäre aber Voraussetzung dafür, dass jemand zum Ersatz des von ihm verursachten Schadens herangezogen werden könnte.

Auch Kinder können für Schäden haften

Versicherungs- und Schadenexperte Reinhard Jesenitschnig über die Umstände einer möglichen Haftung von minderjährigen Kindern.
Es gibt noch eine vage Möglichkeit, dass der Neunjährige für den verursachten Schaden haften könnte. Kinder können nämlich nach richterlichem Ermessen zum Ersatz eines von ihnen verursachten Schadens herangezogen werden, auch wenn sie noch nicht schuldfähig sind.
Eine der Voraussetzungen dafür ist, dass das Kind Vermögen besitzt. Und ein solches Vermögen wäre zum Beispiel eine Privat-Haftpflichtversicherung, wie sie in jeder Haushaltsversicherung eingeschlossen ist.
Inwieweit dies hier der Fall sein könnte, wage ich nicht zu beurteilen, weil die Geschädigte gleichzeitig die aufsichtspflichtige Person ist. Für den Fall, dass dies durchsetzbar wäre, würde der Neunjährige aber nur maximal für die Hälfte des Schadens und nur in Höhe des Zeitwertes der beschädigten Sachen haften.
Das wäre eine vage Möglichkeit, wird aber für die Geschädigte und betroffene Mutter ohne juristische Hilfe wohl nicht durchsetzbar sein. Im Hinblick auf die komplizierte Sachlage wäre es auf jeden Fall empfehlenswert, wenn sich die Betroffene von einem Rechtsanwalt beraten ließe.

Grundsätzlich könnte der Schaden laut Jesenitschnig in Versicherungen gedeckt sein, wenn diese vorhanden wären. „Die Schäden an den Böden könnten in der Gebäude-Leitungswasserversicherung gedeckt sein, die Schäden an den Möbeln in einer Haushaltsversicherung“, so der Experte.

Weil die Aufsichtspflicht nicht bei der Mutter des Gastes lag, sei deren Versicherung (wahrscheinlich) nicht zuständig.

Zwischen 22 Uhr und 8 Uhr ist das Erstellen von Kommentaren nicht möglich.
Danke für Ihr Verständnis.

paulrandig
1
3
Lesenswert?

Verstehe ich das richtig?

Wenn meine 13-jährige Tochter ihre gleichaltrige Schulfreundin zu Besuch hat, MUSS ich die beiden im Badezimmer beaufsichtigen? Na, auf diese Klage bin ich dann schon sehr gespannt, wenn ich das tatsächlich mache...

Antworten
unterhundert
1
1
Lesenswert?

Wenn Ihre 13 Jährige Tochter,

und Ihre Freundin mutwillig das Badezimmer fluten, das Wasser bis in Ihr Jugendzimmern vordringt, ja dann, sind Sie selbst schuld. Da zahlt keine Versicherung.

Antworten
notokey
0
2
Lesenswert?

Kinder

Sorry, aber das war sprichwörtlich "aufgelegt".

Antworten