Strache: Sport von Vorgängern "stiefmütterlich behandelt"

Heinz-Christian Strache (FPÖ) sieht das Erbe seiner Vorgänger im Sportministerium sehr kritisch. Der Sport sei von diversen SPÖ-Ministern "ziemlich stiefmütterlich behandelt" worden, befand der neue Ressortchef. Zum neuen Förderwesen mit einer Bundes-Sport GmbH kann sich Strache "gesetzliche Veränderungen" vorstellen. Davor will er die groß angekündigte "Sport Strategie Austria" zu Papier bringen.

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Im Gespräch mit der APA betonte Strache, nicht für sportpolitische Schnellschüsse zu haben zu sein. Er halte es für wichtig, den Themenkomplex Sport "abseits von Fleckerlteppichfragen" grundsätzlich und strategisch anzugehen.

"Was ist eigentlich das Ziel? Wohin wollen wir als Sportnation, und wie können wir es schaffen, bei den Fehlentwicklungen der letzten Jahre und Jahrzehnten gegenzusteuern?" Das seien die bestimmenden Fragen.

In den kommenden Wochen und Monaten soll jener im ÖVP-FPÖ-Regierungsprogramm angekündigte Plan ausgearbeitet werden, der die Prioritäten für die aktuelle Legislaturperiode absteckt. Die "Sport Strategie Austria" soll "alle Bereiche der Sportförderung von der Schule bis zum Spitzensport sowie alle Ebenen der öffentlichen Verwaltung vom Bund bis hinunter zu den Gemeinden" umfassen, heißt es dazu im Programm.

"Diese Strategie werden wir entwickeln, die nehmen wir in Angriff. Es gibt auch schon Clustergruppen, die hier eingeteilt worden sind. Sie muss rasch, noch vor dem Sommer, stehen", hielt Strache fest. Erst wenn das Strategiepapier fertig ist, werde es an die konkreten Problembereiche gehen. Vieles sei in den Vergangenheit falsch gelaufen, wobei er als Hauptansatzpunkte seiner Kritik ein ineffizientes, intransparentes Fördersystem, eine mangelhafte Sportstätten-Infrastruktur und "Kinder, die immer weniger mit Sport konfrontiert sind" nannte.

Am mit 1. Jänner in Kraft getretenen Bundessportfördergesetz (BSFG) mit der Bundes-Sport GmbH als Zentralorgan ließ Strache kein gutes Haar. "Mein Vorgänger hat ja ein Gesetz hinterlassen, wo heute 80 Millionen Euro automatisiert in eine Sport GmbH gehen, wo Fördergeber und Fördernehmer quasi in einer Struktur sitzen. Das Ergebnis ist eine noch größere Verwaltung", kritisierte er. "Der eigentliche Sinn, dass so gut wie möglich jeder Cent direkt zum Sportler kommt, ist nicht erfüllt, sondern es versickert vieles in der Verwaltung." Man werde eine Evaluierung vornehmen und bewerten müssen, "inwieweit es hier vielleicht noch gesetzliche Veränderungen in Zukunft braucht".

Auch bei der Infrastruktur liege einiges im Argen. "Da sind wir teilweise gar nicht mehr fähig, mit den Sportstätten internationale Bewerbe nach Österreich oder nach Wien zu holen, weil die einfach nicht mehr den Rahmenbedingungen entsprechen", erklärte Strache. Das veraltete Wiener Happel-Stadion sei nur eine der Baustellen. "Da ist das Schwimmbad in Innsbruck ein Thema, da fehlt eine Halle nicht nur in Wien. Der ÖSV hat seit Jahren keine eigene, abgesperrte Abfahrtsstrecke, wo man trainieren kann." Es sei "ein enormer Handlungsbedarf da, und das werden wir natürlich nicht von heute auf morgen alles ändern können".

Zur Frage eines neuen Nationalstadions am Standort des Happel-Ovals im Wiener Prater drückte Strache auf die Bremse und verwies erneut auf die "Sport Strategie Austria", in der die Position des Ministeriums definiert werden soll. Die Finanzierung eines Neubaus ist vollkommen offen. "Aber vielleicht gibt es auch die Möglichkeit privater Investoren, die bereit sind, für ein Wiener Nationalstadion zu investieren", stellte er in den Raum.

Daneben gelte es die politischen Realitäten zu berücksichtigen. "Der Sport ist im Sinne der Verfassungsgesetze Kompetenz der Länder", sagte Strache. "Man muss auch mit dem Land und mit der Gemeinde eine Ebene finden. Das ist natürlich ein nicht leichter Prozess, aber ich glaube, dass alle, die einen guten Willen haben, wenn es gute Konzepte und eine gute Strategie gibt, das am Ende auch mittragen werden."

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