Über dem Wiener Derby liegt der Schatten der Ausschreitungen im September 2024. Dank der raschen Einigung auf vier Derbys ohne Auswärtsfans kamen die beiden Vereine mit einer Geldstrafe von jeweils 150.000 Euro davon. Vor dem Duell demonstrierten die Erzivalen Einigkeit. Erstmals seit etwa 15 Jahren äußerten sich Trainer und Verantwortliche am Freitag bei einer gemeinsamen Pressekonferenz - im "neutralen" Rathaus. "Es ist ein schönes Zeichen, dass dieses Wiener Derby auf Augenhöhe, mit Fairness vonstatten gehen wird. Denn Miteinander ist für unsere Stadt sehr wichtig", sagte Bürgermeister Michael Ludwig (SPÖ). "Es ist sportlich und emotional ein großes Ereignis."
Die Ausgangslage verspricht trotz der abwesenden Rapid-Fans eine hitzige Auseinandersetzung - auf dem Rasen. Während Austria Wien mit dem 2:2 bei Sturm Graz in der Vorwoche auch im zehnten Ligaspiel in Serie punktete und auf Platz zwei steht, geht es für die Hütteldorfer am Sonntag um den Anschluss an die Tabellenspitze. Sechs Punkte liegt man hinter der Austria.
Die Violetten sind derzeit ohnehin eine Heimmacht. In der Generali Arena ist die Truppe von Trainer Stephan Helm in dieser Saison in acht Heimspielen als einziges Team der Liga noch ungeschlagen (sieben Siege), zudem wartet Rapid seit September 2019 und sechs sieglosen Auswärtsderbys auf einen vollen Erfolg in Wien-Favoriten. "Wir wissen um die Statistiken und die Daten der Austria. Darauf haben wir die Mannschaft auch vorbereitet", sagte Rapid-Coach Robert Klauß, dessen Truppe nach dem verpatzten Frühjahrsauftakt gegen den WAC (1:3) auf Wiedergutmachung und den ersten Ligasieg seit vier Spielen hofft.
"Es wird Auf und Ab gehen", prognostizierte Klauß, der keine neuen Ausfälle zu beklagen hat. Sein Gegenüber sehnte ein "absolutes Spitzenspiel" herbei. "Alle brennen schon drauf", sagte der Helm, der sich auf die violette Kulisse mit mehr als 15.000 Zuschauern freute. "Es ist grundsätzlich eine schöne Sache, dass das komplette Austria-Stadion mit Austria-Fans voll sein wird." Der Idealzustand, betonte Helm, sei aber trotzdem ein Stadion, in dem zwei verschiedene Parteien auf den Rängen vertreten sind.
Die Veilchen sammelten in den ersten beiden Spielen nach der Winterpause auswärts gegen Doublesieger Sturm zudem weiteres Selbstvertrauen. Im ÖFB-Cup gelang mit einem 2:0 der Aufstieg ins Halbfinale, das 2:2 am vergangenen Freitag in der Liga bedeutete zwar das Ende der violetten Siegesserie von acht Ligaspielen, stimmte die Austrianer aber trotzdem zuversichtlich. "Wir vertrauen auf unsere Stärken und können auf eine sehr gute Basis aufbauen", sagte Helm, der neben den Langzeitverletzten auf den gesperrten Matteo Perez Vinlöf sowie den weiter angeschlagenen Philipp Wiesinger verzichten muss.
Die Zeit für den LASK läuft. Fünf Spiele haben die Linzer noch Zeit, die "Mauer" Richtung Meistergruppe zu durchbrechen und noch einen Platz unter den ersten sechs zu ergattern. Erster Halt ist am Sonntag Graz, wo Aufsteiger GAK wartet. Die Rotjacken holten sich mit dem jüngsten Sieg über Altach, den direkten Konkurrenten im Abstiegskampf, vor allem dank starker zweiter Hälfte neuen Mut und sind auf weitere Punkte aus. "Diesen Rückenwind gilt es jetzt mitzunehmen", sagte GAK-Coach Rene Poms.
Für den LASK ist das Frühjahr mit dem Cuperfolg über Salzburg gut angelaufen, das jüngste 0:0 im Derby gegen Blau-Weiß ließ zumindest im Hinblick auf das Ergebnis Wünsche offen. Just der sechstplatzierte Stadtrivale könnte der größte Konkurrent um die Meistergruppe werden. Kapitän Philipp Ziereis sah nach den ersten beiden Partien 2025 aber "ein anderes Gesicht als im Herbst" und "zwei super Partien", nun soll auch in Sachen Ergebnis die Bestätigung folgen. Trainer Markus Schopp mahnt allerdings, sein Team müsse "geduldig sein".
Austria Klagenfurt will nach dem erfolgreichen Comeback von Ex-Nationalspieler Martin Hinteregger nachlegen. Die Nullnummer zum Frühjahrsauftakt gegen Red Bull Salzburg gab der nach Gegentoren schwächsten Defensive der Liga reichlich Selbstvertrauen. Mit einem Erfolg in Hartberg könnte man sich etwas Luft im Kampf gegen den Abstieg verschaffen. Hinteregger versprach im Vorfeld, "nicht weit" vom Topniveau entfernt zu sein. Es gehe "in erster Linie darum das Tor zu verteidigen, mit allem, was man hat", gab er die Marschrichtung für eine Stabilisierung der Defensive vor.
Die Hartberger von Trainer Manfred Schmid starteten ebenfalls mit einem 0:0 bei der WSG Tirol ins neue Jahr. Gegen ersatzgeschwächte Tiroler fiel den Steirern dabei offensiv nicht viel ein, defensiv war gerade die Anfangsphase ein kleiner Höllenritt. Goalie Raphael Sallinger hielt sein Team da mit mehreren Paraden im Spiel, er erkannte "leistungstechnisch noch viel Luft nach oben". Schmid hofft auf alsbaldige Umsetzung. "Wir wollen im ersten Heimspiel ein anderes Gesicht zeigen und mit mehr Dynamik und Geschwindigkeit nach vorne spielen", versprach der Wiener, dessen Truppe sich eine Niederlage nicht leisten kann. "Voller Fokus auf die Top sechs", betonte Sallinger.