Der Autor ("Opernball", "Das Vaterspiel", "Mein Fall") war bereits einmal von 2013 bis 2017 PEN-Präsident. Er wolle den Neustart vorbereiten, sagte er. Der PEN-Notvorstand wurde notwendig, da in Gotha das komplette, erst im Oktober gewählte Präsidium zurückgetreten war.

Zunächst hatte am Freitag der Journalist Deniz Yücel nach nur knapp abgewendeter Abwahl überraschend seinen Rücktritt erklärt. "Ich möchte nicht Präsident dieser Bratwurstbude sein", sagte dieser und erklärte sogleich auch seinen Austritt aus der Schriftstellervereinigung. Auch Haslinger hatte zuvor mit vier anderen ehemaligen Präsidenten des PEN-Zentrums den Rücktritt Yücels gefordert.

Zuvor war die Abberufung mit knapper Mehrheit abgelehnt worden. Von 161 abgegebenen gültigen Stimmen votierten 75 dagegen, 73 dafür. Der 48-jährige Yücel war erst im vergangenen Oktober an die Spitze des PEN-Zentrums gerückt. Zu den Streitigkeiten innerhalb des Präsidiums sagte Yücel in Gotha: "Ich habe es nicht nötig - take it or leave it, PEN."

Hintergrund war ein interner Machtkampf. Bei den Querelen ging es im Kern um den Führungsstil, Mobbingvorwürfe und den Umgangston. Die Vorwürfe beziehen sich auf einen umfassenden Mailwechsel im Präsidium. Der Führungsstil des Präsidiums wurde in Gotha hitzig und in sehr aufgebrachter Stimmung debattiert. PEN-Mitglieder wie Herbert Wiesner und Markus Ostermair hatten sich für eine personelle Verjüngung ausgesprochen.

Das PEN-Zentrum Deutschland mit nach eigenen Angaben 770 Mitgliedern ist eine der weltweit mehr als 140 Schriftstellervereinigungen, die im internationalen PEN vereint sind. Die drei Buchstaben stehen für die Wörter Poets, Essayists und Novelists.