Die Idee der kleinen Ausstellung sei es einerseits, ein Licht auf einen bisher oft übersehenen Künstler zu werfen und andererseits digitale Möglichkeiten zu nutzen, um die Kunstwerke besser zu verstehen, führte der Generaldirektor am Montag in einer Pressekonferenz aus. Claesz, der in vier Jahrzehnten rund 230 Gemälde schuf, sei im 17. Jahrhundert äußerst berühmt gewesen, erklärte Kuratorin Sabine Pénot: "Er hat das Genre des gedeckten Tisches erfunden. Das wurde sein Markenzeichen." Statt der zu dieser Zeit üblichen Opulenz und Buntheit der Stillleben habe der gebürtige Flame, der sich um 1620 in Haarlem etablierte, auf gedeckte Farben und reduzierte Motive, auf Details wie Spiegelungen oder Lichtstimmungen gesetzt. Später wurde er vergessen. Bezüglich seiner Signatur "PC" habe man "lange nicht gewusst, wer das ist", so die Kuratorin. Erst in den 1880er-Jahren wurde die Urheberschaft gewissermaßen rekonstruiert.
Für KHM-Chef ein "Testballon"
Für Fine ist der Schwerpunkt ein "Testballon, wie wir die Kabinette mit einem wechselnden Angebot an einzelnen Künstlern in Szene setzen können". Die Ausstellung versteht er folglich als "Labor". Einfließen sollen die Erfahrungen in die mittelfristig von Fine und seinem Team von Kuratorinnen und Kuratoren angedachte Neuaufsetzung der Gemäldegalerie, die der Hausherr am Montag in Aussicht stellte.
Vertiefen kann man sich in diesem Fall in die drei Werke "Stillleben mit Früchtepastete, Silbertazza, vergoldetem Deckelpokal und 'Römer'" (1637), "Stillleben mit Glaspokal" (1642) und das "Vanitas-Stillleben" (1656). Ersteres stammt aus dem Kunst Museum Winterthur, zweiteres aus der Alten Galerie des Joanneums in Graz und letzteres aus dem hauseigenen Bestand. "Ich habe bei meinem Amtsantritt eine stärkere Vernetzung mit anderen österreichischen Häusern angekündigt, und das soll ein erster Versuch in diese Richtung sein", so Fine.
Auch ein digitales Erlebnis
Der Claesz-Fokus ist aber vor allem auch ein digitales Erlebnis. Denn auf einem eigenen Multimedia-Tisch können Besucherinnen und Besucher vertiefend in die Gemälde eintauchen. Sie können atemberaubend nah herangezoomt werden, um etwa Textur und Malweise zu erkunden. Darüber hinaus können Informationen über die Bedeutung der dargestellten Speisen und Gegenstände abgerufen werden. Möglich ist das dank der Kaiserschild-Stiftung rund um den 2013 verstorbenen Haribo-Miteigentümer Hans Riegel. Das "Stillleben mit Glaspokal" hing lange Zeit in dessen Esszimmer, wanderte später in die Stiftung und wird von dieser dem Joanneum als Leihgabe zur Verfügung gestellt. Im Rahmen des Projekts "Kaiserschild Art Defined" wurden die Werke hochauflösend digitalisiert. Kurze Filmsequenzen geben außerdem Auskunft über einzelne Aspekte des Malers und sein Oeuvre.
Fine sieht keine Gefahr, dass die Besucherschaft lieber am Screen herumspielt als sich die Originale anzuschauen. Hier sei keine Konkurrenz, sondern eine Ergänzung gegeben, die dabei helfe, die Bilder besser zu verstehen. Die digitale Möglichkeit mache die Bildsprache der Werke für heutige Betrachter wieder lesbar.
(S E R V I C E - "Pieter Claesz: Stillleben" im Kunsthistorischen Museum, Gemäldegalerie, Kabinett 19; Ab Dienstag und bis 15. März 2026, https://www.khm.at/)