Die Entscheidung der blauschwarzen Landesregierung in Graz, die alte steirische Landeshymne in der Landesverfassung zu verankern, sorgt einmal mehr für diplomatische Verstimmungen mit Slowenien. Am Rande des Wien-Besuchs bei ihrer neuen österreichischen Amtskollegin Beate Meinl-Reisinger forderte die slowenische Außenministerin Tanja Fajon in einem Interview mit der Austria Presse Agentur (APA) die Verantwortlichen in der Steiermark auf, von dem Projekt Abstand zu nehmen.

Ein solcher Beschluss wäre „inakzeptabel“ und könnte in ihrer Heimat als Territorialforderung interpretiert werden. „Ich hoffe, dass es sich die Steirer bis zur Abstimmung im Landtag noch überlegen werden.“ Die steirischen Hymnen-Pläne „nützen niemandem“, kritisierte Fajon. „Wir leben in einem sehr angespannten geopolitischen Umfeld und brauchen gutnachbarschaftliche Beziehungen und Schritte, die beiden Völkern nützen.“

Angeblich wurde von slowenischer Seite sogar erwogen, den Besuch abzusagen. Vor zehn Tagen war ein Entwurf über die Novellierung der steirischen Landesverfassung in Begutachtung geschickt worden. Bekanntlich wird im „Dachsteinlied“ die Steiermark in ihrer territorialen Ausdehnung vor 1918 besungen. In der ersten Strophe werden die Save, die heute die Grenze zwischen Slowenien und Kroatien markiert, sowie die Drau, an der das einst untersteirische Marburg liegt, erwähnt. Die Hymne ist ein Fixpunkt im Lehrplan der steirischen Volksschulen. In einem kleinen Ort an der Save wuchs übrigens US-First Lady Melania Trump auf.

Im Gespräch mit der Kleinen Zeitung am Rande der Feierlichkeiten zum 80. Jahrestag der Wiedererrichtung der Republik zeigte sich Meinl-Reisinger sichtlich irritiert über die jüngste Entscheidung der Landesregierung, eine Novelle in Begutachtung zu schicken. „Wir waren überrascht von dem Vorstoß der Landesregierung.“ Die Frage war Thema im bilateralen Gespräch in Wien. Meinl-Reisinger kündigte an, dass sich das Außenministerium auch aktiv in die Debatte einbringen werde – offenkundig aus Sorge darüber, dass die bilateralen Beziehungen Schaden nehmen könnten.

„Wir werden im Zuge des Begutachtungsverfahrens eine Stellungnahme abgeben, da unsere hervorragenden bilateralen, gerade auch wirtschaftlichen Beziehungen mit Slowenien uns ein großes Anliegen sind.“ In jedem Fall müsse ein Punkt außer Streit gestellt werden. „Wichtig ist Besonnenheit und Klarheit, dass selbstverständlich keinerlei territoriale Ansprüche erhoben werden. “