Nichts ist bitterer als enttäuschte Liebe, und Michael Cohen, Anwalt des früheren Präsidenten Donald Trump, ist bitter enttäuscht von seinem Idol, den er „The Boss“ nannte. Cohen stand am Montag als Zeuge vor Gericht; es geht darum, ob Trump 130.000 Dollar Schweigegeld an den Pornostar Stormy Daniels gezahlt hat, um eine Affäre aus den Medien zu halten und ob das eine versteckte Wahlkampffinanzierung war. Cohen sagte am Montag ausdrücklich, Trump habe ihn angewiesen, das zu tun. Alles, was er getan habe, sei von Trump abgezeichnet worden. Es war Cohen, der das Geld überbracht hatte und dafür zu einer Haftstrafe verurteilt worden war. Trump hatte ihm die Summe erstattet und als geschäftliche Ausgabe verbucht.

Cohen, der Trump „glücklich machen wollten, egal wie“, war Trumps „Fixer“, der Probleme verschwinden ließ. Dazu arbeitete er mit David Pecker, dem Herausgeber des Revolverblatts National Enquirer zusammen, der anbot, schädliche Stories vom Markt wegzukaufen, was als „Catch and Kill“ bekannt ist. Pecker veröffentlichte auch negative Stories über Trump-Konkurrenten wie Marco Rubio, republikanischer Senator für Florida.

Zwar spielt die Zahlung an Stormy Daniels die zentrale Rolle im Prozess. Thema ist jedoch auch die Zahlung von 150.000 Dollar an das ehemalige Playmate des Jahres McDougal durch die American Media Inc (AMI), dem Besitzer des "National Enquirer". AMI hat 2018 als Teil einer Übereinkunft mit der Staatsanwaltschaft bestätigt, damit die Rechte an ihrer Enthüllungsgeschichte gekauft zu haben, um die Veröffentlichung zu blockieren. McDougal zufolge hatte sie 2006 und 2007 eine Affäre mit Trump.

Trump zu Cohen: „Kümmere dich darum“

2016, mitten im Wahlkampf erfuhr Cohen, dass Daniels ihre Story den Medien anbot. Damals war gerade ein Tonband öffentlich geworden, auf dem Trump prahlte, er könne Frauen an den Busen und zwischen die Beine greifen. Nun auch noch eine Stormy-Story, das könnte für die Wahlkampagne eine „Katastrophe“ sein, fürchtete Cohen. Trump textete an seinen Anwalt: „Kümmere dich drum“.

Cohen wollte, dass Pecker Schweigegeld an Daniels zahlte. Das hatte der Verleger bereits nach Trumps Affäre mit dem Playboy-Modell Karen McDougal getan, sowie bei einer Story um ein angebliches uneheliches Kind von Trump. Bereits bei McDougal habe Trump ihn angewiesen: „Stellen Sie sicher, dass die nicht veröffentlicht wird‘“, sagte Cohen vor der Jury. Da ihm Trump das Geld aber trotz vieler Bitten nicht erstattet hatte, wollte der verärgerte Pecker nicht noch einmal in Vorleistung gehen. Deshalb sprang Cohen ein.

Rückverfolgung zu Trump vermeiden

Das Prozedere wurde von Allen Weisselberg ausgearbeitet, damals Finanzchef der Trump Organisation, der inzwischen wegen Meineids auf der Gefangeneninsel Riker‘s Island einsitzt. Weisselberg wollte vermeiden, dass die Zahlung zu Trump rückverfolgt werden konnte. Cohen hat das Gespräch zwischen ihm, Trump und Weisselberg aufgenommen und dem Gericht das Band zur Verfügung gestellt.

Wie beim Daniels-Auftritt vergangene Woche würdigte der frühere Präsident Cohen keines Blicks. Seine Anwälte versuchen, Cohen als vorbestraften Lügner darzustellen. Trump bestreitet die Affäre; das Geld sei nur geflossen, um seine Ehe zu schützen. Trumps Beliebtheit hat der Prozess nicht geschadet: Er führt immer noch in einer Handvoll wichtiger Swing States vor dem Amtsinhaber Joe Biden.

Trump könnte auch in Haft gewählt und vereidigt werden

Trump muss dem Verfahren beiwohnen und kann damit in der Zeit nicht Wahlkampf gegen Präsident Joe Biden für die diesjährige Wahl betreiben. Sollte er der Unterlagenfälschung schuldig gesprochen werden, drohen ihm nach den Gesetzen des Bundesstaates New York bis zu vier Jahre Haft. Allerdings werden in vielen Fällen Geldstrafen verhängt oder die Strafe wird zur Bewährung ausgesetzt. Auch im Falle einer Haft könnte Trump im November erneut zum Präsidenten gewählt und vereidigt werden. Dem 77-Jährigen drohen jedoch durch das Verfahren trotzdem Folgen für die Wahl: Einer Reuters/Ipsos-Umfrage zufolge will ein Viertel der Republikaner nicht für ihn stimmen, sollte er von Geschworenen verurteilt werden.