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Nach Attentat bei Paris mehrere Personen in Gewahrsam

Nach dem tödlichen Angriff auf einen Lehrer in der Nähe von Paris sind mehrere Menschen in Polizeigewahrsam genommen worden. Die Festgenommenen, darunter ein Minderjähriger, seien aus dem Familienkreis des Angreifers, der von Polizisten getötet worden war, hieß es in der Nacht auf Samstag aus Justizkreisen. Bei dem mutmaßlichen Täter soll es sich um einen 18-Jährigen tschetschenischer Herkunft handeln. Insgesamt befinden sich nun neun Menschen in Gewahrsam.

© APA (AFP)
 

Der Vorfall hatte sich im Pariser Vorort Conflans-Sainte-Honorine ereignet. Berichten zufolge wurde der Mann auf offener Straße angegriffen und enthauptet. Frankreichs Staatschef Emmanuel Macron sagte am Abend, es handle sich "eindeutig" um einen "islamistischen Terroranschlag". Unter den in Gewahrsam Genommenen sind unter anderem auch Eltern von Schülern der Schule, an der das Opfer arbeitete. Außerdem wurden Menschen aus dem nicht familiären Umfeld des mutmaßlichen Angreifers festgenommen.

Bei dem Opfer handelt es sich um einen Geschichtslehrer, der seinen Schülern im Rahmen seines Unterrichts über Meinungsfreiheit umstrittene Mohammed-Karikaturen gezeigt hatte. Der Angreifer soll nach der Tat in dem Ort nordwestlich der französischen Hauptstadt "Allahu Akbar" (Gott ist groß) gerufen haben. Er wurde von der Polizei angeschossen und starb nach Angaben aus Justizkreisen später.

Bei dem Täter wurde nach Angaben aus Justizkreisen ein Ausweisdokument gefunden, demzufolge der Angreifer 2002 in Moskau geboren wurde. Eine formelle Identifizierung steht jedoch noch aus.

Die Polizei untersuchte zudem nach eigenen Angaben einen Tweet beim Kurzbotschaftendienst Twitter, der ein Foto vom Kopf des Lehrers gezeigt haben soll. Der Tweet ist mittlerweile gesperrt. Es sei nicht geklärt, ob die Nachricht unter dem Foto, in der Präsident Macron als "Führer der Ungläubigen" bedroht wird, vom Angreifer selbst verschickt wurde.

Bei einer kurzen Rede vor der Schule, an der der Geschichtslehrer unterrichtet hatte, sagte Präsident Macron: "Sie werden nicht durchkommen. Sie werden uns nicht spalten." Der Lehrer sei ermordet worden, weil er seinen Schülern "Meinungsfreiheit und die Freiheit zu glauben und nicht zu glauben" beigebracht hatte. Macron versicherte, dass die Nation gegen "Aufklärungsfeindlichkeit" und die damit einhergehende Gewalt zusammenstehen werde, um alle Lehrer "zu schützen und zu verteidigen".

Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) sicherte in der Nacht auf Samstag Frankreich volle Solidarität zu. Er verurteile den "barbarischen islamistischen Terrorangriff" aufs Schärfste, so Kurz auf Twitter. Sein aufrichtiges Beileid gelte den Angehörigen des Opfers. "Wir werden uns dadurch nicht einschüchtern lassen und unser europäisches Lebensmodell weiterhin verteidigen", betonte der Bundeskanzler.

Bereits im September hatte es wegen der erneuten Veröffentlichung der umstrittenen Mohammed-Karikaturen in der Satirezeitung "Charlie Hebdo" einen Messerangriff mit zwei Verletzten in Paris gegeben. Bei dem geständigen Täter handelt es sich um einen 25-jährigen Pakistaner, der aus "Wut" über die Darstellung des Propheten gehandelt haben will.

Die Satirezeitung äußerte nach der Tat am Freitag beim Onlinedienst Twitter ein "Gefühl des Schreckens und der Empörung". Die Intoleranz habe "gerade eine neue Schwelle überschritten". Im Jänner 2015 hatten Islamisten wegen der Karikaturen einen Anschlag auf die "Charlie Hebdo"-Redaktion in Paris verübt und dabei zwölf Menschen getötet.

EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und der deutsche Außenminister Heiko Maas (SPD) verurteilten den tödlichen Anschlag. "Von Terror, Extremismus und Gewalt dürfen wir uns nie einschüchtern lassen", schrieb Maas am Samstag im Kurzbotschaftendienst Twitter. Von der Leyen sprach den Angehörigen des Opfers ihr Beileid aus und betonte die Bedeutung von Lehrern in einer Demokratie. "Meine Gedanken sind auch bei den Lehrern, in Frankreich und in ganz Europa. Ohne sie gibt es keine mündigen Bürger. Ohne sie gibt es keine Demokratie", schrieb von der Leyen.

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pescador
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Ich vermisse sehr die öffentliche Distanzierung muslimischer Organisationen zu diesem Verbrechen. Bei ähnlichen Fällen in der Vergangenheit gab es höchstens halbherzige Distanzierungen bis gar keine Kommentare.