Ihre Morgenpostlerin ist übernachtig. Das enthemmte Sturm-Volk hat seine Partyschneise quer durch die Stadt geschlagen und dabei liebevoll lang vor unserer Haustür verweilt. Man freut sich ja gerne mit, aber am selben Abend auch noch die Weltmeisterschaft der Pyrotechnik auszutragen, ist dann doch etwas zu viel des Guten. Wobei – Kärnten möge mir jetzt verzeihen – es sehr schön anzusehen war, als über Liebenau der schwarze Rauch aufstieg. Habemus Meister, der SK Sturm hat den Titel in der österreichischen Fußball-Bundesliga erfolgreich verteidigt!

Allerdings war es eine Zitterpartie bis zur letzten Minute. Wie schon im vergangenen Jahr musste die Entscheidung in der finalen Runde fallen, diesmal jedoch nicht im Duell mit den Salzburgern, sondern in einem spektakulären Dreikampf zwischen den Grazern, dem WAC und der Wiener Austria. Durch die Teilung der Tabelle, an deren unterem Ende der GAK zuletzt erstklassig blieb, ist die Schlussphase spektakulär spannend geworden. Das neue Ligaformat hat seine Kritiker, aber es kann Drama.

Dabei war schon alles angerichtet für die Heimparty der Schwarzen: Tabellenführung, Traumwetter und ein Jahresvorrat des Hauptsponsors, schließlich möchte man auch ausgiebig im Bier duschen. Das wundervolle 1:0 durch William Bøving zeitgleich mit dem Pausenpfiff. Doch dann der Einbruch, die Wolfsberger gleichen aus. Vier Stammspieler mussten sie vorgeben, aber die Cupsieger kämpften für das Double. Ein weiteres Tor und Didi Kühbauers Truppe hätte den Teller in die Höhe gestemmt.

Sturm hielt der Nervenschlacht stand. Auch wenn in den heurigen Packderbys kein Triumph über den WAC gelang, war dieses Unentschieden der schönste Sieg. „Stei-iii-ermoark“ tönte es aus tausenden Kehlen, als sich die Blackys jubelnd in den Armen lagen. Mittendrin Jürgen Säumel, der das Erbe von Christian Ilzer und Andreas Schicker unter schwierigen Bedingungen hervorragend verwaltet hat und nun jenen Titel feiern konnte, der ihm als Sturm-Kapitän verwehrt geblieben war. Mit ihm freute sich der Georgier Otar Kiteishvili nicht nur über die Auszeichnung als wertvollster Spieler der Saison, sondern auch, dass das Match endlich vorbei war: „Every minute was so long, every second was so long!“

Lang sollte auch die anschließende Meisterfeier dauern. Nachdem Trainerlegende Franco Foda die Mannschaft mit ihren Medaillen ausstaffiert hatte, zog man weiter auf den Ivica Osim-Platz. Zwischen Bengalen und Schlachtgesängen donnerte Präsident Christian Jauk Richtung Rathaus, das eigene Stadion müsse nun unwiderruflich her.

Meisterfeier am Stadionvorplatz:

Während die Schwarzen also daran gingen, die Nacht zum Tag zu machen, schlug sich unsere Mannschaft die Nacht um die Ohren: Unter Federführung der Sport-Kapitäne Michael Schuen und Michael Lorber mündete die stundenlange Liveberichterstattung in eine 24-seitige Sonderausgabe. Wir liefern Ihnen heute alle Reaktionen und Eindrücke zum Herzschlagfinale, schwelgen in glorreichen Erinnerungen und zeichnen nach, wie es zu Sturms Erfolgslauf kommen konnte. Das Poster des neuen, alten Meisters darf dabei ebenso wenig fehlen wie die Aussicht auf die sportliche Zukunft in der steirischen Fußballhauptstadt.

Es ist 7 Uhr morgens und im Park zünden sie das nächste Feuerwerk.

Ich steh jetzt auch auf, natürlich für den SK Sturm.

Herzlich, Ihre Elisabeth Zankel