Der Weg zum AMA-Gütesiegel ist mit Kontrollen gepflastert. Diese ziehen sich über alle Glieder der Verarbeitungskette. Also vom Futtermittelhersteller über den landwirtschaftlichen Betrieb, dem Schlacht- und Zerlegebetrieb bis hin in das Verkaufsgeschäft. Mittendrin stehen die Kontrollen im Stall, welche wir nun genauer unter die Lupe nehmen.

In einem Schweinestall wird der AMA-Kontrollorin viel Aufmerksamkeit abverlangt. Umgeben von Gegrunze und Gewusel, muss sie ihre Konzentration auf das Wesentliche richten. AMA-Kontrollorin Sandra Ziegler ist mit Luxmeter, Aerometer und Maßband unterwegs, um Lichtverhältnisse, Stallklima, Buchtengröße und Auftrittsbreite des perforierten Bodens zu messen.

Lichtverhältnisse, Stallklima, Buchtengröße und Auftrittsbreite werden genau gemessen
Lichtverhältnisse, Stallklima, Buchtengröße und Auftrittsbreite werden genau gemessen © AMA

Der Stallrundgang ist der Mittelpunkt einer jeden Kontrolle im Schweinemastbetrieb. Hierbei steht wiederum das Tier im Zentrum. Das ist für die AMA-Kontrollorin besonders wichtig: "Die Tierhaltung ist das Entscheidende: Dass es jedem Tier gutgeht, dass die Versorgung passt." Darum geht sie im Stall sorgsam jede einzelne Bucht ab und schaut sich jedes Schwein an. Auf so einen Besuch vom Kontrollor müssen AMA-Betriebe immer gefasst sein, angekündigt wird dieser erst 24 Stunden im Voraus. So ist gesichert, dass der Landwirt zum vereinbarten Zeitpunkt vor Ort ist und sich dennoch alles im Normalzustand befindet – für etwaige Manipulationen bleibt so keine Zeit.
Nach dem Stallrundgang ist auch Bürokratie notwendig. Rezepturen der Futtermischung, Viehverkehrsscheine, Nachweise der Tierarzt-Kontrollen. Ein Punkt nach dem anderen wird akribisch angeschaut und abgehakt.

Bei der Kontrolle werden Proben von Urin, Kot und Futtermitteln entnommen und analysiert
Bei der Kontrolle werden Proben von Urin, Kot und Futtermitteln entnommen und analysiert © AMA

"Die Dokumentation ist wichtig für die Nachvollziehbarkeit", betont Sandra Ziegler. So werden bei der Kontrolle unter anderem der Bezug der Futtermittel aus dem Qualitätssicherungsprogramm pastus+, die Herkunft der Ferkel und auch die Einhaltung der doppelten Wartezeit bei Medikamentenverabreichung überprüft.

Eine ordentliche Tierhaltung ist nicht nur der Kontrollorin wichtig, sondern auch dem Gesetzgeber und den Konsumenten. "Optimal ist es, wenn die Tiere viel Platz und eine eingestreute, weiche Liegefläche und somit ausreichend Beschäftigungsmaterial haben – darauf arbeiten wir auch hin", weiß Sandra Ziegler.

Ein optimaler Stall ist auch das Ziel der Bauern, die am AMA-Modul "Mehr Tierwohl" teilnehmen. Hier haben Schweine 60 Prozent mehr Platz als gesetzlich vorgeschrieben. Ab 1. Jänner 2022 wird es ein zweites Modul für "Mehr Tierwohl" geben, bei dem es sogar um 100 Prozent mehr Platz pro Tier geben wird. "Bis zum Jahr 2030 wollen wir in Österreich eine Million Schweine in Ställen nach unseren Tierwohl-Modulen untergebracht wissen", gibt Sandra Ziegler einen Ausblick auf eine saugute Zukunft.

Weiche Einstreu statt harte Spaltenböden
Weiche Einstreu statt harte Spaltenböden © AMA

Für alle, die mehr wollen

Viele Landwirte leisten mehr, als Gesetz und AMA-Gütesiegel im Basismodul fordern – sie achten auf Futter aus der Gegend oder bieten eine besonders artgerechte Haltung. Darum gibt es bei der AMA freiwillige Zusatzmodule, die diese Besonderheiten ins Rampenlicht stellen:


Regionale Herkunft. Ziel dieses Moduls ist es, die regionale Kreislaufwirtschaft zu stärken.
Besondere Fütterung. Hier gibt es zwei Ansätze: bei der gentechnikfreien Fütterung geht es darum, vom Stall bis ins Regal gentechnikfreie Lebensmittel herzustellen. Und die Fütterung mit ausschließlich europäischen Futtermitteln setzt beispielsweise auf Donau Soja.
Besondere Haltungsformen.
Bei diesem Modul ist das Ziel, die artgerechte Schweinehaltung zu fördern und zum Beispiel die Freilandhaltung zu stärken.
Mehr Tierwohl. Mit diesem Modul bekommen die Tiere ein wesentlich höheres Platzangebot – 60 % mehr. Ab 1. 1. 2022 wird es ein zweites Mehr-Tierwohl-Modul mit um 100 % mehr Platzangebot geben.