Vizekanzler Werner Kogler (Grüne) zeichnet im Puls24-"Sommergespräch", das heute um 20.15 Uhr ausgestrahlt wird, ein düsteres Bild vom bevorstehenden Winter. Nachdem "Putin Gas wohl weiter als Waffe einsetzen" werde, müsse man sich auf Energieeinsparungen vorbereiten. Die öffentliche Hand solle mit gutem Beispiel vorangehen, ihr "wird es auch guttun, wenn sie weniger Gas verbraucht, denn die Rechnungen werden auch dort explodieren".

Angesprochen auf die "Lichtsperrstunde", die die Beleuchtung von Geschäften, Weihnachtsbeleuchtung und Co. vorsehen könnte, erklärte Kogler, dass "vieles infrage gestellt werden wird", sollte kein Gas mehr fließen. "Das wird man dann wirklich prüfen müssen", E-Control und Energielenkungsbeirat werden dann über eine entsprechende Priorisierung entscheiden. Das gelte auch für Skilifte und Schneekanonen. "Dann muss ich auch als Sportminister einsehen, dass die Lage dramatisch ist."

"Es gibt noch viel altes Denken im Umfeld der ÖVP"

Auch eine temporäre Begrenzung auf Tempo 100 auf der Autobahn kann sich Kogler vorstellen. Man werde je nach Krisenlage darüber reden müssen, "wenn die Preise weiter steigen". An der CO₂-Bepreisung ab Oktober hält er dennoch fest – obwohl beim Koalitionspartner ÖVP Stimmen laut wurden, die eine Verschiebung forderten. "Es gibt noch viel altes Denken im Umfeld der ÖVP", man müsse aufpassen, "dass sie nicht als Lobbyisten der guten, alten Ölindustrie rüberkommen", erklärte Kogler. "Das Gesetz ist da und ich gehe davon aus, dass das so in Kraft tritt." Zudem wäre es schade, wenn der damit verbundene Klimabonus mit 250 Euro plus 250 Euro Inflationsabgeltung nicht an die Menschen ausbezahlt werden würde.

Die Skandale des türkisen Koalitionspartners "entgehen mir natürlich nicht", erklärte der Vizekanzler. Es sei der ÖVP aber "zunehmend selber bewusst, dass sie Probleme lösen muss". Dennoch sei die Regierung weiter handlungsfähig. Kogler selbst versuche in Krisenzeiten, jedes zweite Wochenende "zumindest zwei halbe Tage" in die Natur zu kommen, "um das Hirn auszulüften". Wer 24 Stunden täglich durcharbeite, "ist nicht mehr entscheidungsfähig".