SPÖ-Chefin Pamela Rendi-Wagner zeigte sich im Puls24-Sommergespräch am Donnerstagabend kämpferisch: "Die SPÖ ist ein starker und stabiler Faktor in Österreich. Ich bin bereit, Bundeskanzlerin zu werden, je früher desto besser."

Der kürzlich geäußerten Ansicht von Burgenlands LH Hans-Peter Doskozil, wonach die Frage der SPÖ-Spitzenkandidatur noch nicht geklärt sei, tritt sie deutlich entgegen: "Für mich ist die Spitzenkandidatur absolut geklärt." Doskozils Äußerung sei aber nicht überraschend, er habe sich immer wieder so geäußert und werde das wohl auch in Zukunft machen. Über eine Rückkehr von Ex-Kanzler Christian Kern in die Politik will die SPÖ-Vorsitzende nicht spekulieren: "Damit beschäftige ich mich erst, wenn das 'Was wäre wenn' Tatsache geworden ist." Kern habe das aber mehrfach dementiert.

"Karl Nehammer wird es nicht sein"

Allerdings glaubt Rendi-Wagner ihrerseits an einen Führungswechsel bei der ÖVP: "In der ÖVP sind die Verhältnisse instabil, man weiß nicht, wer dort nach der Wahl der Ansprechpartner sein wird. Ich glaube nicht, dass es Karl Nehammer sein wird."

In Sachen Inflation, Energiekrise und Teuerung wirft sie der Regierung Untätigkeit vor und wiederholt die SP-Forderung nach einem Preisdeckel bei Strom und Gas. Allerdings nun in neuer Ausgestaltung: Es solle erst für den Kunden bei Rechnungserhalt eine individuell zugeschnittene Ermäßigung geben, und zwar einen "gestaffelten Deckel" nur in unteren Einkommensgruppen. Ab der Höchstbeitragsgrundlage solle weiter der Marktpreis gezahlt werden. Bei den Energieunternehmen sollten die "Übergewinne" abgeschöpft werden, außerdem wünscht sich Rendi-Wagner vom Wirtschaftsminister eine Preiskontrolle an den Tankstellen: "Wer ungerechtfertigte Spannen aufschlägt, der soll Strafen zahlen."

Für Pensionisten fordert die SPÖ-Chefin neuerlich eine vorgezogene Pensionserhöhung, und zwar rückwirkend ab 1. Juli. Armut dürfe in Österreich "nicht noch mehr vergrößert werden". Keine Meinung hat Rendi-Wagner zu den Vorschlägen des Klimaschutz-Bürgerrates: Sie habe noch nicht die Zeit gehabt, sich damit zu befassen. Ein strengeres Tempolimit lehnt sie jedenfalls ab: "Momentan ist das nicht unser größtes Problem."