Nach ihrem Besuch in der Schweiz will Jugendstaatssekretärin Claudia Plakolm (ÖVP) die Rolle der Lehre in Österreich stärken. "Die Schweiz ist uns in Sachen Image der Lehrlingsausbildung Kilometer voraus", zeigt sich Plakolm beeindruckt, dass im Nachbarland 70 Prozent der jungen Menschen eine Lehrlingsausbildung machen.

Vor allem die hohe Durchlässigkeit der Schweiz ist für die Jugendstaatssekretärin ein Vorbild für die erst Ende Februar im Ministerrat auf den Weg gebrachte Höhere Berufsbildung in Österreich. Hierzulande ist es etwa nur bei rund einem Drittel aller Lehrausbildungen möglich, auch eine Meisterprüfung zu absolvieren. Die Regierung will nun noch dafür sorgen, dass weitere Ausbildungen nach der Lehre öfter und einfacher möglich sind.

Lehre "nicht mehr die berufliche Einbahn"

"Die Lehre sollte der Plan A sein, auf den man dann sämtliche Möglichkeiten von Unilehrgang bis Selbstständigkeit draufsetzen kann", wünscht sich Plakolm, denn: "Die Lehrlinge von heute sind die Arbeitgeber von morgen" - besonders am Land, weiß die gebürtige Mühlviertlerin.

Schon jetzt sei die Lehre "schon lange nicht mehr die berufliche Einbahn", betont Plakolm. Das müsse aber nicht nur bei den Jugendlichen, sondern auch bei ihren Eltern ankommen, die bei der Berufswahl noch viel mitzureden hätten. Auch die Berufswahl innerhalb der Lehre ist hier ein Thema. Die Jugendstaatssekretärin wünscht sich "mehr Mädchen in MINT-Berufen und mehr Jungs in Sozialberufen". Hier könne man etwa bei der Berufsbildung in der Schule ansetzen.

Erasmus+ lädt ins Ausland ein

An der größten Berufsschule der Schweiz mit über 4000 Schülerinnen und Schülern beeindruckte Plakolm auch deren Ausstattung. Man müsse in Österreich darauf achten, dass Berufsschulen nicht "Schulen zweiter Klasse sind". Was den internationalen Austausch betrifft, wurden hier in den letzten Jahren große Schritte gesetzt: Erasmus+ erlaubt es schon länger nicht nur Studierenden, Auslandserfahrungen zu sammeln.

Die Jugendstaatssekretärin zeigte sich von der Ausstattung der größten Schweizer Berufsschule beeindruckt
Die Jugendstaatssekretärin zeigte sich von der Ausstattung der größten Schweizer Berufsschule beeindruckt
© BKA/Arno Melicharek

Das Angebot werde immer mehr angenommen, der "Blick über den Tellerrand", den die Lehrlinge dadurch sammeln, sei auch ein Vorteil für den Betrieb, findet Plakolm. Auch, weil Österreich - und seine Unternehmen - im Ausland für das duale Ausbildungssystem beneidet werden würde: "Unsere Lehrlinge sind international ein Aushängeschild".

Lückenschluss in der Pflege

Oft scheitert es aber an den Ausbildungsmöglichkeiten: Die Pflegeausbildung kann etwa in der Regel erst mit 17 begonnen werden. Wer bereits nach der Pflichtschule mit 15 einen Lehrberuf sucht, muss folglich warten. "Mit 17 sind dann viele nicht mehr für die Pflege zu haben, weil sie bereits einen anderen Job gelernt haben", erklärt Plakolm das Problem, auf das auch viele Hilfsorganisationen aufmerksam machen.

Auch hier blickt die Jugendstaatssekretärin in den Westen: Den "Lückenschluss" könnten Pflegefachschulen bieten, wie es sie etwa in Vorarlberg bereits als Modellregion gibt. Dort hat sich Plakolm schon vor Wochen davon überzeugt, dass die jungen Menschen "für die Pflege brennen und Empathie mitbringen". Die motivierten Lehrlinge würden in der unter Personalnot klagenden Pflege auch dringend benötigt werden.

Einzelne weitere Lehrgänge starten im Herbst, die Jugendstaatssekretärin zeigt sich zuversichtlich, dass die Möglichkeit schon bald österreichweit angeboten werden kann - immerhin stamme der grüne Gesundheitsminister Johannes Rauch aus Vorarlberg. "Die Lehrpläne zur Pflegelehre liegen bereits im Gesundheitsministerium", die Verhandlungen zur Pflegereform würden auch allgemein gut laufen.