Bitte warten - Ihr Zugang wird eingerichtet.

Jugend-Fragen an MücksteinKann ich mich impfen lassen, obwohl meine Eltern dagegen sind?

Gesundheitsminister Mückstein stellte sich am Dienstag mehreren Fragen von Jugendlichen und verriet, dass seine beiden Töchter bereits gegen Corona geimpft worden sind.

×
Artikel gemerkt

Gemerkte Artikel können Sie jederzeit in Ihrer Leseliste abrufen. Zu Ihrer Leseliste gelangen Sie direkt über die Seiten-Navigation.

Zur Leseliste
© Screenshot/ORF
 

Seine beiden Töchter, die zwölf und 15 Jahre alt sind, habe er bereits impfen lassen, erzählt Gesundheitsminister Wolfgang Mückstein (Grüne) am Dienstagmittag in einem Gespräch mit Jugendlichen am Wiener Donaukanal. 

Da es die Möglichkeit gibt, Kinder zwischen 12 und 15 Jahren impfen zu lassen, seien Gespräche und Aufklärung darüber besonders wichtig, betont Mückstein, der gemeinsam mit Maria Paulke-Korniek, Leiterin der Impfabteilung im Gesundheitsministerium, verschiedenste Fragen Jugendlicher beantwortet hat.

Was ist, wenn ich mich als Jugendliche bzw. Jugendlicher impfen lassen will, aber meine Eltern dagegen sind?
MÜCKSTEIN: Ab 14 Jahren ist man selbständiger Minderjähriger und kann sich rein rechtlich für eine Impfung entscheiden. Aber man sollte auf jeden Fall mit den Eltern das Gespräch suchen und sich gemeinsam Informationen beschaffen, etwa bei einem praktischen Arzt oder bei Leuten, die bereits geimpft worden sind.

Man hört oft von Nebenwirkungen und noch nicht erforschten Langzeitfolgen bei der Impfung. Was raten Sie Jugendlichen, die sich Sorgen machen?
MÜCKSETEIN: Ich rate ihnen, sich genau zu informieren, etwa auf der Website des Gesundheits- und Sozialministeriums. Grundsätzlich kann ich sagen, dass jeder zugelassene Impfstoff auch sicher ist. In den USA und in Kanada sind bereits sieben bis acht Millionen Kinder und Jugendliche geimpft worden. Die Nebenwirkungen sind vergleichbar mit jenen bei Erwachsenen und klingen normal nach ein bis zwei Tagen ab. Auch meine Töchter, die zwölf und 15 Jahre alt sind, sind bereits geimpft. Davor haben wir ausführlich über die Impfung diskutiert.

Birgt die Impfung für Jugendliche nicht mehr Risiken als die Erkrankung?
PAULKE-KORINEK: In der Regel sind die Krankheitsverläufe bei Kindern und Jugendlichen milder, aber es kann auch zu schweren Verläufen kommen und Langzeitfolgen geben. Diese Dinge kommen etwa in der Größenordnung 1:500 bis 1:1000 vor. Bei der Impfung kann es zu Rötungen, Schwellungen kommen oder man fühlt sich danach eine Zeit lang unwohl bzw. bekommt Fieber. Die europäische Arzneimittelbehörde hat aber bestätigt, dass der positive Nutzen der Impfung eindeutig überwiegt, außerdem schützt man damit auch andere.

Wird es eine Impfpflicht geben?
MÜCKSTEIN: Die gibt es nicht und die wird es auch nicht geben, aber es gibt eine Empfehlung. Auch der Arbeitgeber könne eine Impfung verlangen, etwa im Gesundheitsbereich. Bei Konflikten diesbezüglich sollte man auf jeden Fall das Gespräch suchen.

Noch immer sind sehr viele Verschwörungstheorien zur Impfung im Umlauf. Wie gehen Sie damit um?
PAULKE KORINEK: Das ist ein großes Thema und wir bemühen uns auch, diese Theorien aufzugreifen und Hintergründe zu erläutern. Meist stehen die Verschwörungstheorien im Zusammenhang mit Reaktionen und Nebenwirkungen. Wir können aber zum Beispiel sicher sagen, dass die Impfung nicht zu Unfruchtbarkeit oder Impotenz führt und keine Metallteilchen oder dergleichen darin zu finden sind. 

Am Anfang der Pandemie haben Jugendliche stark zurückstecken müssen. Finden Sie es gerechtfertigt, dass ältere Menschen jetzt ihr normales Leben auskosten und sagen, dass ihnen nichts mehr passieren kann, während viele Jugendliche noch auf eine Impfung warten müssen?
MÜCKSTEIN: Es war notwendig, zuerst die ganz Schwachen zu schützen, also die Älteren und jene mit schweren Vorerkrankungen. Wir haben eine Alterspriorisierung vorgenommen, Kinder sind aber jetzt dran. Das liegt auch daran, dass es erst seit Kurzem eine Zulassung für die Impfung von Kindern gibt. Ich habe auch gesehen, dass Kinder und Jugendliche gegenüber Älteren sehr solidarisch waren. Meine ältere Tochter hat den 16. Geburtstag einer Freundin auch nur zu zweit mit einer Pizza und einem Video gefeiert, was für so einen Geburtstag auch nicht das ist, was man sich wünscht. Ich erwarte mir jetzt auch von den bereits Geimpften, das sie diese Solidarität auch den Kindern und Jugendlichen gegenüber zeigen. Und ich hoffe, dass wir bis Ende August oder spätestens September möglichst viele Kinder impfen werden können.

Der Livestream der Gesprächsrunde zum Nachschauen:

Kommentare (3)
Kommentieren
mocoro
14
7
Lesenswert?

Gute Frage:

Kann ich mich auch nicht impfen lassen, obwohl meine Eltern dagegen sind?

eleasar
34
26
Lesenswert?

Noch eine Frage an die werten Herren:

Wolf-Dieter Ludwig, deutscher Facharzt und Mitglied der oben genannten europäischen Arzneimittelbehörde (EMA) meint: „Die Zulassung durch die EMA bedeutet, dass Kinder und Jugendliche mit Begleiterkrankungen geimpft werden KÖNNEN. Es bedeutet nicht, dass sie geimpft werden SOLLEN. Die Entscheidung in Österreich halte ich für falsch.“

Ebenso empfahl die deutsche Impfkommission STIKO eine Impfung gesunder Kinder ausdrücklich nicht. Das Risiko sei höher als der Nutzen. Die Impfung komme daher nur für Kinder mit Vorerkrankungen infrage.

Warum ignorieren Sie diese Kritik und Empfehlungen?

calcit
12
21
Lesenswert?

Weil die "Deutsche Meinung" auch nicht der Weisheit letzter Schluß ist...

Bzw. andere Frage: Ist die deutsche Impfkommission klüger, besser als die österreichische? Sind die nur ängstlicher? Haben die andere Daten als die Österreicher? Und auch wie viele andere Länder? Man kann viele Fragen stellen...