Der frühere Kanzleramtsminister und SPÖ-Bundesgeschäftsführer Thomas Drozda verlässt die Politik. Wie er am Freitag auf Facebook bekannt gab, wird er sich dem Wohnbau widmen und aus dem Nationalrat ausscheiden. Drozda war zuletzt Kultur- und Mediensprecher. Laut einem Online-Bericht des "Kurier" zieht er in den Vorstand der ARWAG ein.

Wiewohl erst 55 Jahre alt, weist Drozda eine Polit-Karriere auf, die sich freilich mit langer Pause über Jahrzehnte streckt. Der Oberösterreicher war schon in den 1990er-Jahren in den Kabinetten der Kanzler Franz Vranitzky und Viktor Klima tätig. Nach vielen Jahren im Kultur-Management als kaufmännischer Direktor im Wiener Burgtheater und Generaldirektor der Vereinigten Bühnen kam er mit Christian Kern 2016 zurück in die Politik als Kanzleramts- und Kulturminister.

Erfolgsarm

Nachdem die SPÖ aus der Regierung geflogen war, ging Drozda in den Nationalrat und wurde mit dem Avancement von Pamela Rendi-Wagner zur Parteivorsitzenden Bundesgeschäftsführer. Dort agierte er erfolgsarm und demissionierte nach den roten Debakeln bei der Europa- und der Nationalratswahl im Jahr 2019.

Das Posting, in dem er seinen Abschied aus der Politik mit Ende März ankündigt, ist auch mit ein wenig Bitternis erfüllt: "Ich verlasse mit Ende März eine politische Welt, für die ich zunehmend weniger Verständnis habe. Eine Welt, in der die Opposition und der Parlamentarismus gering geschätzt und unterbewertet werden. Ich verlasse aber vor allem eine Politik, der aus meiner Sicht Respekt für andere fehlt."

Gut scheint mittlerweile wieder das Verhältnis zur Parteivorsitzenden zu sein, das am Ende seiner Zeit als Bundesgeschäftsführer als etwas eingetrübt galt, auch wenn sich Drozda nie einschlägig äußerte. Drozda bedankt sich bei ihr nun ausdrücklich für die "vertrauensvolle Zusammenarbeit", drückt seine Bewunderung für ihr "Durchhaltevermögen" aus und äußert Genugtuung, dass sich die Zeit, wo die Parteichefin unterschätzt wurde, dem Ende zuneige.

Das Mandat Drozdas geht vermutlich an den Steirer Mario Lindner, der bei der vergangenen Nationalratswahl seinen Sitz im Hohen Haus verloren hatten. Würde dieser wider Erwarten verzichten, wäre die frühere Staatssekretärin Muna Duzdar die nächste Nachrückerin.