100 Jahre FrauenwahlrechtDie Frauen wünschen sich einen Feiertag am 8. März

Mit einer Festveranstaltung im Parlament würdigten die Parlamentarierinnen aller Fraktionen die Einführung des Frauenwahlrecht vor 100 Jahren. Der Frauentag als Feiertag für alle wäre "ein schönes Zeichen". Die Diskriminierung gebe es heute noch, allerdings subtiler, so Politikwissenschafterin Kathrin Stainer-Hämmerle.

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SPOe-KLUBTAGUNG - 'WIR GESTALTEN ZUKUNFT - INDUSTRIE 4.0 UND GENERATION Y': BURES / HEINISCH-HOSEK
SPÖ-Frauen Doris Bures und Gabriele Heinisch-Hosek: "Mut zur Quote" lautete ihr Appell an die Männer © APA/HERBERT NEUBAUER
 

Mit einer Festveranstaltung in der Hofburg hat das Parlament die Einführung des Frauenwahlrechts vor 100 Jahren gewürdigt. Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) schlug vor, den 8. März, den Internationalen Frauentag, wie gerade in Berlin geschehen, zum „Feiertag für alle“ zu machen. Carmen Schimanek von der FPÖ gefällt das – auch wenn sie es für kaum durchsetzbar hält. Carmen Jeitler-Cincelli (ÖVP) mahnte: „Frauenrechte sind Menschenrechte.“

Die Zweite Nationalratspräsidentin, Doris Bures (SPÖ), machte in ihrer Eröffnungsrede den Männern "Mut zur Quote". Zu Wort kamen im Großen Redoutensaal auch Mandatarinnen aller fünf Parlamentsparteien sowie die zweite Präsidentin, Anneliese Kitzmüller (FPÖ).

"Es begann ein frischer Wind der Verantwortung und der Veränderung das Hohe Haus zu durchlüften", erinnerte Bures an die konstituierende Sitzung vor 100 Jahren, bei der acht Mandatarinnen ins Hohe Haus einzogen.

Die ersten Frauen vor 100 Jahren

Alle acht Frauen der ersten Stunde waren bereits seit Langem politisch aktiv. Sie vertraten Themen, die zuvor vernachlässigt worden waren, so etwa Sozialpolitik, Familienpolitik und Bildungspolitik.

Barbara Stelzl-Marx, die Leiterin des Ludwig Boltzmann Instituts für Kriegsfolgenforschung, erinnerte an Adelheid Popp, die nur drei Jahre Schulbildung hatte und als erste Frau ans Rednerpult des Parlaments trat, wo sie zum Gesetz über die Abschaffung des Adels Stellung nahm und gleiche Rechte für alle einforderte.

Oder an Anna Boschek, die als erste Frau einen Gesetzesantrag einbrachte - ein Hausgehilfinnengesetz.

Auch Amalie Seidel, Maria Tusch, Emmy Freundlich und Therese Schlesinger setzten sich für soziale Themen, für Frauenbildung und Arbeitnehmerinnenschutz ein.

Gabriele Proft wiederum wurde sowohl im Ständestaat als auch während der NS-Diktatur inhaftiert.

Hildegard Burjan schließlich, die einzige christlich-soziale Abgeordnete unter den acht Pionierinnen, hatte einen Universitätsabschluss und kämpfte für Mutterschutz und gegen Kinderarbeit. Sie wurde 2011 vom Papst seliggesprochen.

Bures gab auch dem Initiator der Veranstaltung, Nationalratspräsident Wolfgang Sobotka (ÖVP), recht, der gesagt habe, es sei wichtig, Frauen Funktionen zuzutrauen. Männer müssten aber auch vom Verhandlungstisch aufstehen, um Frauen Platz zu machen.

Ein Dank an die Männer, die damals hinter ihren Frauen standen und die ein ebenso wichtiger Teil der Geschichte seien, kam von Carmen Jeitler-Cincelli (ÖVP). Heute gebe es zum Glück noch viel mehr Männer wie diese, erkannte sie an.

"Gleichberechtigung leben"

Stephanie Krisper von den NEOS rief die anderen Fraktionen auf, Gleichberechtigung in der eigenen Partei zu leben - wie es in ihrer der Fall sei. JETZT-Frauensprecherin Stephanie Cox dankte "den vielen mutigen Frauen, die es ermöglicht haben, dass ich heute überhaupt hier stehen kann". Allerdings habe es weder eine Bundespräsidentin, noch eine Bundeskanzlerin gegeben.

Keynotes zum Thema gab es ebenfalls von zwei Frauen: Der Leiterin des Ludwig Boltzmann Instituts für Kriegsfolgenforschung, Barbara Stelzl-Marx, und von der Politikwissenschaftlerin Kathrin Stainer-Hämmerle.

Seit dem 4. März 1919, als die ersten acht Frauen in das Parlament Einzug hielten, habe sich einiges verändert, hielt Stainer-Hämmerle fest. Von einer Gleichstellung der Geschlechter sei man in Österreich aber nach wie vor weit entfernt. "Die Gläserne Decke ist in vielen Fällen immer noch sehr dick."

Diskriminierung heute subtiler

Diskriminierungen von Frauen seien heute subtiler als damals, erklärte Kathrin Stainer-Hämmerle in ihrer Keynote. Rechtlich sei die Gleichstellung, für die jahrzehntelang gekämpft wurde, inzwischen zwar erreicht, im "realen Leben" sehe es aber anders aus.

Das zeige unter anderem die geringe Zahl von weiblichen Vorständen in börsennotierten Unternehmen und von Bürgermeisterinnen in Österreich.

Auch seien hierzulande die Lohnverluste von Frauen zehn Jahre nach der Geburt eines Kindes laut einer internationalen Studie mit 51% deutlich höher als in den allermeisten anderen Ländern.

Und gut dotierte Jobs im Bereich der öffentlichen Hand würden zwar aufgeteilt, so die Politikwissenschaftlerin, "aber nach Partei und nicht nach Geschlecht".

Kritisch sieht die Expertin auch die hohe Teilzeitbeschäftigung von Frauen.

Die Schlussworte kamen von der Dritten Nationalratspräsidentin Anneliese Kitzmüller (FPÖ). "Vor 100 Jahren sind Weichen gestellt worden, die nicht nur uns Frauen betroffen haben, sondern auch die Männerwelt betroffen haben", meinte sie. Initiator Sobotka hatte dementsprechend den Frauen freiwillig das Wort überlassen und verzichtete auf eine Ansprache.

Kommentare (13)
paulrandig
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Vorschlag:

Alle, die wollen, können einen beliebigen Tag als persönlichen Frauenfeiertag begehen. Sie können sich sogar einen Urlaubstag dafür nehmen...

retepgolf
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15. März

Wenn der 15. März ein „Frauenfeiertag“ ist, sind die anderen 364 Tage dann „Männerfeiertage“?!?

ugglan
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Der

Frauentag ist am 8.März!

C6X4XSKCKCDLK45H
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Wer Quoten fordert,...

... sagt damit, dass Frauen es durch Leistung nicht schaffen. Gibt zu, dass die Position einer Frau gebührt, bloß weil sie Frau ist, obwohl es besser qualifizierte Männer gäbe. Das ist aber nicht Gleichberechtigung, sondern Bevorzugung. Der Idealfall wäre, dass Leistung und Qualifikation zählen, und dass das Geschlecht völlig irrelevant ist.

paulrandig
2
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Jodl

Dem Schlussatz stimme ich vorbehaltlos zu:
Das Ideal wäre ein Egal.
Das Problem, das menschliche Gesellschaften aber haben, ist der Das-war-schon-immer-so-Effekt. Man muss oft mehr anstreben als man erreichen will, um letztendlich überhaupt etwas zu bekommen.
Fragt man Autofahrer zur Rettungsgasse, Konsumenten zu Plastiksackerln oder Arbeitgeber zur Mitarbeiterzufriedenheit, wird man einhellige vernünftige Meinungen bekommen, die alle irgendwie nicht mit der Realität zusammenpassen. Also muss man manche Dinge einfach einmal erzwingen, bis auch sie irgendwann zu einem "Das" werde, das schon immer so war und über das dann idealerweise niemand mehr nachdenkt, weil es selbstverständlich geworden ist. (Ähnlich der derzeitigen Praxis, viele Posten mit Männern zu besetzen, denen man irgendwas schuldig ist, die einflussreiche Protektoren haben, die nie etwas falsch gemacht haben - vielleicht, weil sie nie irgendetwas gemacht haben? - oder die einfach das richtige Parteibuch haben.)

Estarte
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TRAUERTAG

Was sollen Frauen feiern ???
Dass sie nach 100 Jahren Wahlrecht,Weichenstellung immer noch benachteiligt werden/sind ? nichts/wenig weitergeht ?
Wenn das die einzige Gleichberechtigung sein soll, können wir einen Trauertag einlegen !!!!
Was haben die kostspieligen geförderten Frauenvereine in 100 Jahren weitergebracht ????
Noch immer sind Frauen schlechter bezahlt !
Noch immer haben mehr Männer höhere Positionen!
Noch immer gibt es Diskriminierung !
Teilzeit gibt es hauptsächlich für Frauen !
usw usw

Hausschuh
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Privat ! Und nur Privat !

Dass es Teilzeit noch immer vor allem fuer Frauen gibt, ist ein rein privates Problem. Wenn und solange Ein Mann nicht bereit ist, Halbe -Halbe zu machen, wird sich daran nichts aendern.
Wer aber sucht sich denn den Ehepartner, Lebensgefaehrten und/oder Vater seiner Kinder aus?

Das ist wohl jede einzelne Frau selbst. Oder ?? Warum also immer diese Anklage an die Gesellschaft/Politik/etc.

Balrog206
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Erstarte

Bei uns werden Frauen seit e und je gleich bezahlt , der KV macht keinen Unterschied ob Männlein oder Weiblein ! Das kommt doch nur weil alle in einen Topf geworfen werden und dann wird dividiert ! Aber hoppla viel mehr Damen arbeiten oft gewollt nur Teilzeit ( Kinder ) und deswegen entstehen Unterschiede ! Frauen mit guter Ausbildung und oft sogar ohne Kinder bekleiden sehr wohl Führungspositionen!! Kinder kriegen können wir Männer halt noch nicht 😉

tomtitan
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Wichtiger als ein Feiertag wäre, daß endlich Frauen für die gleiche Arbeit auch den gleichen Lohn bekommen!

Nixalsverdruss
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Ich würde vorschlagen ...

... den 15. August dazu herzunehmen - der wird ja auch schon als "Großer Frauentag" bezeichnet. Aber das dürfte ja wieder zu katholisch sein ...

Aleksandar
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Feiertag?

Noch was? Da lassen sich noch viele Feiertage einfallen IoI

panoptikum
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Sagst's einmal...

Geht's noch???? Wird wohl ein Faschingscherz sein.

erstdenkendannsprechen
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meine güte - haben sie den artikel gelesen?

echauffieren um nichts - wird immer übler hier.