Die absolute Mandatsmehrheit hat zwar an Stimmen und Mandaten verloren. Trotzdem kommt das Endergebnis der 250.000 Stimmberechtigten einem überzeugenden Sieg für die Partei von Landeshauptmann Hans Peter Doskozil gleich. Mit rund 46 Prozent erreicht die SPÖ mehr Stimmen als FPÖ und ÖVP zusammen, der Abstand zur neuen zweiten Kraft, den Freiheitlichen, beträgt beeindruckende 23 Prozentpunkte. Zwar braucht die SPÖ künftig einen Koalitionspartner, doch kann sie dabei aus dem Vollen schöpfen: Zur Auswahl stehen mit FPÖ, ÖVP und Grünen gleich drei Parteien. Ihm sei bei der Hochrechnung „ein Stein vom Herzen gefallen“, erklärte Doskozil, der nun mit allen drei möglichen Partnern Gespräche führen will.
Alle Ergebnisse
Der von Norbert Hofer angesagte blaue Sturm aufs Eisenstädter Landhaus entwickelte am Ende nicht die nötige Wucht. Das Ergebnis blieb trotz eines Plus von 13 Prozentpunkten hinter den hochgesteckten Erwartungen, vor allem, wenn man es am steirischen Ergebnis misst, wo die FPÖ mit Mario Kunasek Platz eins und den Landeshauptmann von der ÖVP eroberte. Hofer zeigte sich dennoch zufrieden, da sich die Partei gegenüber 2020 mehr als verdoppelt habe.
ÖVP erleidet angesagten Absturz
Die Noch-Kanzlerpartei erlitt im Land die erwartete schwere Niederlage: Mit nur mehr 22 Prozent (ein Minus von fast 9 Prozentpunkten) erzielt die ÖVP das mit Abstand schwächste Ergebnis der Volkspartei im Burgenland. Damit fällt sie auch erstmals hinter die FPÖ auf Platz drei zurück. Spitzenkandidat Christian Sagartz sah „keinen guten Tag für uns als Volkspartei“.
Kommentar von Walter Hämmerle
Deutlicher als erwartet gelingt den Grünen mit 5,7 Prozent der Wiedereinzug in den Landtag. Spitzenkandidatin Anja Haider Wallner machte sogleich ihren Willen zum Mitregieren deutlich: „Wir stehen bereit, Verantwortung zu übernehmen.“ Wenn es klappt, wäre es die erste Regierungsbeteiligung für die Ökopartei, nachdem sie zuletzt aus allen hinausgeflogen war. Die Neos scheitern mit 2,1 Prozent klar an der Vier-Prozent-Hürde.
Im 36-köpfigen Landtag hält die SPÖ damit künftig 17 (-2) Mandate, die FPÖ kommt auf 9 (+5), die ÖVP 8 (-3) und die Grünen behalten ihre 2 Abgeordneten. SPÖ und FPÖ-ÖVP kommen damit jeweils auf 17 Mandate – oder anders formuliert: Gegen die SPÖ kann im Burgenland allenfalls rechnerisch, nicht aber realpolitisch regiert werden.
Erster Stimmungstest für Blau-Schwarz
Das Ergebnis ist vor allem ein politischer Erfolg Doskozils, der der Landes-SPÖ ein klares, wenngleich bei Kritikern – auch internen – umstrittenes Profil in Integrations-, Wirtschafts- und Sozialfragen verpasst hat. Das zeigt auch die Wahltagsbefragung von Peter Hajek für ATV/Puls24: 44 Prozent der roten Wählerschaft attestieren der Landespartei „gute Arbeit“ und die „richtige Richtung“, 22 Prozent nennen die Person Doskozils als Grund für ihre Wahlentscheidung. Was diese Wahl für die innerparteiliche Lage der SPÖ unter Andreas Babler bedeutet, bleibt abzuwarten.
Die Wahl war der erste Stimmungstest angesichts der völlig neu ausgerichteten Kräfteverhältnisse im Bund, wo die ÖVP nach dem Scheitern der Koalitionsverhandlungen mit SPÖ und Neos nun als Juniorpartner mit der FPÖ von Herbert Kickl über die Bildung einer blau-schwarzen Bundesregierung verhandelt. Im Nationalratswahlkampf hatte sie eine solche Zusammenarbeit noch kategorisch ausgeschlossen.