Die schwächelnde Konjunktur sorgt bei der Österreichischen Gesundheitskasse (ÖGK) für ein sattes Minus. Heuer wird das Defizit mehr als 400 Millionen Euro betragen, kommendes Jahr bis zu 800 Millionen Euro, ließ Obmann Andreas Huss am Freitag per Aussendung wissen. Bis 2028 sind Verluste von insgesamt vier Milliarden Euro eingepreist, sollte die Wirtschaft nicht stärker wachsen als erwartet.

Zu Beginn des Jahres hatte die ÖGK noch mit einem Plus kalkuliert, allerdings war es bei der Beschlussfassung der Finanzplanung zu einem Konflikt zwischen Arbeitgeber- und Arbeitnehmerseite gekommen. Letztere hatten die Gebarungsvorschau als „unseriös“ qualifiziert, die Dienstgeber-Kurie in der Sozialversicherung antwortete mit dem Vorwurf des wahlkampfbedingten Schlechtredens. Gewerkschafter Huss fühlt sich nachträglich bestätigt.

Längere Krankenstände, höhere Ausgaben

Die Wirtschaftsprognosen verhießen damals allerdings noch leichtes Wachstum. Stattdessen erlebte Österreich ein zweites Jahr der Rezession, im zweiten Quartal sei dann auch die Inanspruchnahme von Kassenleistungen stark gestiegen, so Huss. Unklar sei jedoch, warum. Auch die Zahl der durchschnittlichen Krankenstandstage erhöhte sich von 11 auf 13.

Der ÖGK-Obmann macht auch die Kassenfusion und mit ihr verbundene Gesetzesänderungen für die Entwicklung verantwortlich. Die Pauschale der Unfallversicherung an die ÖGK für die Versorgung Verunfallter wurde verringert, die Gesundheitskasse muss zudem mehr Mittel in den Privatspital-Fonds legen. Laut Huss betrage die Belastung der ÖGK dadurch 1,7 Milliarden Euro seit 2019.

Huss fordert einen Zuschuss des Bundes. Der konkrete Vorschlag der ÖGK: Weil bei Pensionisten der Arbeitgeberanteil entfällt, zahlt der Staat dazu. Dieser sogenannte Hebesatz soll angehoben werden, somit könnte auch eine Koppelung an die demografische Entwicklung verankert werden.