Nach dem tödlichen Attentat auf den ultrarechten US-Aktivisten und Podcaster Charlie Kirk haben die Behörden die Festnahme des mutmaßlichen Attentäters bekanntgegeben. Was bisher über den Verdächtigen bekannt ist:
Das Leben des Verdächtigen
Der Festgenommene ist 22 Jahre alt, heißt Tyler Robinson und kommt aus dem Bundesstaat Utah, wo Kirk am Mittwoch auf einem Universitätscampus erschossen wurde. Ersten Erkenntnissen zufolge stammt der junge Mann aus einer Familie von Republikanern in der streng konservativen Stadt St. George rund 250 Kilometer südwestlich des Tatorts.
Wie viele Bewohner Utahs gehört die Familie der Glaubensgemeinschaft der Mormonen an, praktiziert ihren Glauben allerdings offenbar nicht mehr aktiv. „Ich habe sie schon seit acht Jahren nicht mehr in der Kirche gesehen“, sagt Anwohnerin Schwiermann. Von den Robinsons in Internet-Netzwerken veröffentlichte Fotos zeichnen das Bild einer Familie, die gerne reist, gemeinsam Camping-Ausflüge macht und Jagen geht. Auf der Jagd hat Tyler vermutlich auch die Präzision gelernt, mit der er Charlie Kirk durch einen einzigen Schuss aus einem Jagdgewehr aus einer Distanz von rund 180 Metern in den Hals getötet haben soll.
Robinson selbst war im dritten Lehrjahr einer Elektriker-Ausbildung, 2021 hatte er ein Semester an der Utah State University studiert. Jaida Funk kennt Tyler seit ihrer Kindheit und ist jahrelang mit ihm zur Schule gegangen. Auch sie ist schockiert, dass ausgerechnet ihr einstiger Mitschüler nun unter Mordverdacht steht. „Er war ein Einser-Schüler und die Art von Schülern, die bei den Lehrern beliebt ist“, berichtet die 22-Jährige: „Einer von denen, die ihre Arbeit in der vorgesehenen Zeit schaffen, immer die Hausaufgaben machen und sich respektvoll gegenüber Erwachsenen und Freunden verhalten.“
Frühere Mitschüler beschrieben Robinson gegenüber der „New York Times“ vielmehr als Videospiel-Fan, der gerne Shooter-Spiele wie „Halo“ oder „Call of Duty“ spielte. Auch mit seinem Bekannten Jay, der Tyler im Jänner über eine Gruppe von Autofans kennengelernt hatte, sprach Robinson nie über Politik. „Er war eher schüchtern, einfach ein Auto-Freak“, berichtet der Mitt-Vierziger. „Wir haben einfach über unsere Liebe zu Muscle-Cars geredet, vom Motorengeräusch bis hin zur Fahrweise.“
Das mögliche Motiv von Tyler Robinson
Utahs republikanischer Gouverneur Spencer Cox sagte bei einer Pressekonferenz, Tyler Robinson sei in den vergangenen Jahren „politischer geworden“. Ein Mitglied seiner Familie habe ausgesagt, dass er sich kritisch zum bevorstehenden Auftritt von Aktivist Kirk in Utah und dessen ultrarechten Ansichten geäußert habe. Tyler Robinson war demnach als Wähler in Utah registriert, jedoch für keine bestimmte Partei.
Gouverneur Cox zufolge fanden Ermittler in der Nähe des Tatorts zwei unbenutzte Patronenhülsen mit antifaschistischen Parolen. In eine Patronenhülse waren demnach die Worte „Hey, Faschist! Fang!“ geritzt, auf der anderen stand „Bella Ciao“, offenbar in Anspielung auf die Hymne italienischer Widerstandskämpfer im Zweiten Weltkrieg. Weitere Patronen sollen mit Symbolen und Wörtern aus Online-Spielen markiert gewesen sein.
Kirks Tötung lenkt den Fokus auf der anderen Seite allerdings auch wieder auf den bereits lange schwelenden Konflikt innerhalb der konservativen Bewegung – ganz konkret auf „Groyper“, berichtet „Newsweek“. Diese ultrarechte Bewegung unter der Führung des White-Supremacy-Anhängers und Holocaustleugners Nick Fuentes kritisierte Kirk regelmäßig öffentlich und lautstark für die ihrer Meinung nach zu moderaten Positionen in Migrations- und LGBTQ-Themen. Ob Robinson Verbindungen zur „Groyper“-Gruppierung hatte, ist noch unklar.
Die Festnahme von Tyler Robinson
Nach dem Attentat in der Stadt Orem hatten die Behörden Aufnahmen von Überwachungskameras veröffentlicht, die einen jungen Mann mit Baseballkappe und dunkler Kleidung zeigen, und die Bevölkerung um Hinweise gebeten. Berichten zufolge konfrontierte Robinsons Vater seinen Sohn mit seiner Ähnlichkeit zu den Fahndungsbildern, woraufhin der 22-Jährige die Tat gestand.
Nach Angaben von Gouverneur Cox meldete sich ein Familienmitglied von Robinson am Donnerstagabend bei einem Freund der Familie. Dieser habe daraufhin die Polizei im Landkreis Washington darüber informiert, dass er der Familie die Tat gestanden habe. Rund 33 Stunden nach dem Attentat wurde Robinson schließlich festgenommen.
Die Reaktionen auf Kirks Tod
„Ich hoffe, er bekommt die Todesstrafe“, sagte Trump dem Sender Fox News über den mutmaßlichen Täter. Gegen Robinson wird wegen Mordverdachts ermittelt, Mord kann in Utah mit der Todesstrafe geahndet werden.
Vor der Festnahme von Tyler Robinson hatte der Präsident „radikale Linke“ für Kirks Tod verantwortlich gemacht und seinen erschossenen Unterstützer einen „Märtyrer“ genannt. In einem Interview mit Fox News bekräftigte er am Freitag: „Die Radikalen auf der linken Seite sind das Problem, und sie sind bösartig und schrecklich und politisch geschickt.“
Gouverneur Cox rief das Land dagegen zum Ende politisch motivierter Gewalt auf, die alle Seiten treffe. Wut sei keine politische Haltung, sagte er an junge Leute gerichtet. Das Attentat sei ein „Angriff auf das amerikanische Experiment“ und die Ideale der USA.
Kirks Witwe kündigte am Freitag in einer live im Internet übertragenen Ansprache an, die politische Arbeit ihres Mannes fortzuführen: „Das Weinen dieser Witwe wird in der ganzen Welt wie ein Schlachtruf widerhallen.“
Die Waffenfrage
In einem Gehölz nahe dem Tatort fanden Ermittler die mutmaßliche Tatwaffe, ein üblicherweise für die Jagd oder von Scharfschützen der Armee genutztes Gewehr.
Der Aktivist Kirk war ein Anhänger des Rechts auf Waffenbesitz, das im zweiten US-Verfassungszusatz festgelegt ist. Er hatte dazu gesagt, die USA müssten jährlich „einige Todesfälle durch Waffen in Kauf nehmen“ um die „von Gott gegebenen Rechte zu schützen“.