Aufregung in den USA nach einem Bericht der britischen Tageszeitung „Guardian“. Am 2. August, dem 41. Geburtstag von US-Vizepräsident JD Vance, wurde in Ohio der Wasserstand des Little Miami River gezielt angehoben, um einen Bootsausflug des Politikers und seiner Familie zu ermöglichen. Die Journalisten berufen sich in ihrem Artikel auf mehrere Quellen und auf öffentliche Daten zur Wasserregulierung.
Laut einer Stellungnahme des US Army Corps of Engineers (USACE) ging die Initiative auf eine Anfrage des Secret Service, der für den Schutz des US-Präsidenten und seiner Nummer 2 zuständig ist, zurück. Ziel sei es gewesen, „die sichere Navigation des Personals des US Secret Service“ während eines Ausflugs des Vizepräsidenten zu gewährleisten. Eine Sprecherin des USACE erklärte: „Der Antrag erforderte keine Abweichung von den regulären Verfahren.“ Die Wasserstandsdaten des U.S. Geological Survey (USGS) zeigen für den Zeitraum um den 2. August tatsächlich einen deutlichen Anstieg des Flusspegels im Little Miami River sowie einen entsprechenden Rückgang des Wasserstands im speisenden Caesar Creek Lake. Das sind Hinweise darauf, dass an diesem Tag Wasser abgelassen wurde.
Korruptionsvorwurf gegen Vance
In sozialen Medien kursieren seit Bekanntwerden der Vorgänge zahlreiche Spekulationen und Kritik. Unter anderem äußerte sich das progressive US-Mediennetzwerk MeidasTouch empört: „Dies ist eine unglaubliche Geschichte über Korruption.“ Auf der Plattform X wurde das Verhalten des Vizepräsidenten mit der von Donald Trump initiierten Militärparade just zu dessen Geburtstag verglichen. Eine anonyme Quelle, die laut Guardian mit dem Vorgang vertraut ist, sagte der Zeitung, dass die Maßnahme nicht allein der Sicherheit diente, sondern auch „ideale Bedingungen zum Kajakfahren“ schaffen sollte. Vance wurde laut mehreren Social-Media-Beiträgen an besagtem Tag beim Kanufahren auf dem Fluss gesichtet.
Keine Stellungnahme des Trump-Vizes
Das Büro des Vizepräsidenten reagierte vorerst nicht auf Anfragen und auch der Secret Service machte keine konkreten Angaben zur Planung. Derartige Eingriffe in Wasserregulierungen sind in den USA nicht grundsätzlich unüblich. Das Army Corps of Engineers verweist darauf, dass es regelmäßig Sonderfreigaben für öffentliche Veranstaltungen oder Trainingsmaßnahmen von Einsatzkräften gibt. Allerdings gab es laut einem Guardian-Bericht vor dem 1. August keine öffentliche Ankündigung einer solchen Sondermaßnahme, wie sie sonst üblich ist.
JD Vance hatte sich in den vergangenen Monaten wiederholt öffentlich hinter die Sparpolitik der Trump-Regierung gestellt, die unter anderem drastische Mittelkürzungen beim National Park Service (NPS) zur Folge hatte. Die Behörde hat laut Schätzungen der National Parks Conservation Association rund ein Viertel ihrer Belegschaft seit Januar verloren – mit Auswirkungen auf die Verfügbarkeit von Freizeiteinrichtungen für viele amerikanische Familien sowie Besucher aus dem Ausland.
Trump bringt Vance als Nachfolger ins Spiel
US-Präsident Donald Trump favorisiert nach eigenen Angaben seinen Stellvertreter JD Vance als seinen Nachfolger. Auf die Frage von Journalisten, ob Vance der Erbe der von ihm inspirierten politischen Bewegung sei, sagte Trump am Dienstag (Ortszeit) in Washington: „Nun, ich denke, höchstwahrscheinlich.“ Vance sei schließlich sein Vizepräsident.
Trump schlug zudem vor, dass Vance und Außenminister Marco Rubio bei der Wahl 2028 als Team für die Republikaner antreten könnten. Obwohl bis zur nächsten Präsidentschaftswahl noch mehr als drei Jahre Zeit sind, hat eine solche Andeutung Trumps erhebliches Gewicht. Er verfügt über großen Einfluss auf die Basis der Republikanischen Partei.
Bisher hatte Trump es vermieden, einen potenziellen Nachfolgekandidaten zu benennen. Noch im Februar hatte er Vance zwar als „sehr fähig“ bezeichnet. Es sei jedoch zu früh, ihn als führenden Kandidaten auszurufen, sagte er damals. Der 41-jährige Vance, ein ehemaliger Marineinfanterist, hat sich in der Trump-Regierung eine wichtige Rolle erarbeitet. Er gilt als Schlüsselfigur in der Diplomatie und als einer der wichtigsten Vertreter der Innen- und Außenpolitik Trumps.
Trump kokettiert mit dritter Amtszeit
Der 79-jährige Trump darf nach dem Ende seiner zweiten Amtszeit kein drittes Mal antreten. Das sieht die US-Verfassung vor. Dennoch hat der Republikaner in der Vergangenheit immer wieder mit einer dritten Amtszeit geliebäugelt, wofür allerdings eine Verfassungsänderung nötig wäre. Dafür bedarf es einer Zweidrittelmehrheit im Repräsentantenhaus und im Senat. Zudem müssten auch noch die Bundesstaaten mehrheitlich zustimmen.