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Scharfe Töne aus LondonBoris Johnson gibt der EU nur 38 Tage für Brexit-Deal

Der britische Premier droht mit einem harten Bruch nach der Übergangsphase. Am Dienstag wird EU-Unterhändler Michel Barnier in London erwartet - das Säbelrasseln geht bereits los.

Der britische Premierminister Boris Johnson © APA (AFP/UK PARLIAMENT)
 

Der britische Premierminister Boris Johnson setzt die Europäische Union kurz vor der nächsten Brexit-Gesprächsrunde unter Druck. Bis zum 15. Oktober soll eine Einigung zu einem Handelsabkommen auf dem Tisch liegen. Ansonsten werde es kein Freihandelsabkommen zwischen Großbritannien und der Europäischen Union geben, teilte Johnson am Sonntagabend in London mit.

"Wenn wir uns bis dahin nicht einigen können, sehe ich kein Freihandelsabkommen zwischen uns und wir sollten das beide akzeptieren und getrennte Wege gehen", wird Johnson am Montag laut vorab veröffentlichten Auszügen aus seiner Rede sagen. Stattdessen setze London dann auf eine Vereinbarung mit der EU nach australischem Vorbild, was laut Johnson "ein gutes Ergebnis" wäre. Für die EU käme dies einem ungeregelten Brexit gleich.

Abbruch angedroht

Laut einem Bericht der Zeitung "Financial Times" unter Berufung auf drei mit den Plänen vertraute Personen wolle die britische Regierung am Mittwoch Gesetze verabschieden, die Teile des Brexit-Abkommens über Staatshilfen und Grenzregelungen mit Irland außer Kraft setzen und einen Abbruch der seit Monaten ins Stocken geratenen Gespräche mit Brüssel bedeuten könnten.

Großbritannien ist im Jänner aus der EU ausgetreten. Bis Jahresende gilt noch eine Übergangsphase, in der die künftigen Beziehungen etwa im Bereich Handel geklärt werden sollen. In der Übergangsphase gehört Großbritannien noch zum EU-Binnenmarkt und zur Zollunion, so dass sich im Alltag fast noch nichts geändert hat. Gelingt kein Vertrag über die künftigen Beziehungen, könnte es Anfang 2021 zum harten wirtschaftlichen Bruch mit Zöllen und anderen Handelshemmnissen kommen.

Gefürchteter "No Deal"

Die EU hat mit Australien bisher nur ein Rahmenabkommen, das unter anderem technische Hürden betrifft. Im Großen und Ganzen findet der Handel zwischen Europa und Australien auf Grundlage der Welthandelsorganisation WTO statt. Auf Großbritannien übertragen wäre das dann der gefürchtete No Deal.

Noch schärfer im Ton war am Sonntag der britische Chef-Unterhändler David Frost: Er sei sich völlig einig mit Johnson, dass Großbritannien von einem No-Deal-Brexit nichts zu befürchten habe, sagte er der "Mail on Sunday". "Ich glaube nicht, dass uns das in irgendeiner Weise Angst einjagt", sagte Frost in einem Interview.

Am Dienstag wird EU-Unterhändler Michel Barnier in London erwartet. "Wir werden kein abhängiger Staat werden. Wir machen keine Kompromisse bei dem Grundsatz, die Kontrolle über unsere eigenen Gesetze zu haben", sagte Frost. Die EU müsse begreifen, dass London es ernst meine und auf seine Unabhängigkeit als souveräne Nation poche. "Wir wollen die Macht bekommen, unsere Grenzen zu kontrollieren, und das ist das Wichtigste überhaupt", sagte Frost.

Kommentare (40)

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dieRealität2020
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Gefürchteter "No Deal" und wo ist hier das Problem?

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die EU besitzt genug Resourcen und ein gesundes Wirtschaftspotential, nicht weniger ausreichend an qualitativen Fachkräften. Europa kann ohne Import von britischen Waren auskommen, im Gegensatz werden sich die Briten mit allen den genannten Komponenten nicht leicht tun.
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Die EU wird wesentlich schneller den Ausstieg der Briten aus der EU, als die Briten aus der EU verarbeiten. Im übrigen sollte man die Zahlen gegenüberstellen. Der Lieferausfall der Europäischen Wirtschaft bringt keine wesentlichen Kompensationsschwierigkeiten.
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Im übrigen gibt es immer noch einzelne bilaterale Abkommensmöglichkeiten zwischen den Mitgliedsstaaten der EU und den Briten. Allerdings werden auch hier die Briten die sogenannten verweigerten Bedingungen erfüllen müssen. Noch strenger als sonst.

FotoWallner
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Ein „Nein“ ist oft ein „Ja“ zu sich selbst

Aus dieser Beziehung wird wohl nichts mehr. Die Briten haben immer ihr eigenes Süppchen gekocht und es ist wohl nicht zu erwarten, dass die zwischenzeitlich schon ziemlich versalzene Suppe noch jemand schmecken kann.
Daher ist zu hoffen, dass die EU ein klares NEIN sagen wird, denn das ist letztlich ein JA zu sich selbst.

PS: Dasselbe gilt übrigens auch für die Beziehungen zur Türkei, nur ist dort das Ziel ein anderes.

Nihiltimeo
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1066

Seit 1066 haben die Briten keinen Krieg verloren, ein Imperium gegründet das heute noch als Commonwealth mit dem britischen König als Oberhaupt existiert. Was ist die EU dagegen ?
Die Briten schütteln die zerstrittenen Staaten Resteuropas ab wie immer in ihrer Geschichte: wie eine lästige Laus.
Die Briten haben nichts zu verlieren, die Nettozahler alles.

dieRealität2020
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was sie hier für einen Nonsens & Kokolores abliefern, unglaublich

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größtenteils uninformiert und ohne Wissen über die Geschichte der "Briten". Versuchen sie sich in der "Geschichte" und die "Gebietsverluste" der Briten die bis heute noch immer andauern nachzuschlagen und gucken sie einmal über die Entwicklung der letzten 100 Jahre über das "Commonwealth" nach.
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Bevor sie posten sollten sie sich informieren wissend werden und nachschlagen, was ja heute nicht mehr allzu schwer ist.

Tillennium
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@Nihiltimeo

Die Briten haben also keine Krieg verloren? Dann gibt es keine USA? Die haben ja anscheinend auch den Unabhängigkeitskrieg verloren.

dieRealität2020
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bei näherer Betrachtung der Zahlen, kann man sehen das vom heutigen Empire nur mehr 30-40% vorhanden sind. Kurz aus dem Stegreif.

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die Briten Leben immer noch in den jahrtausendalten Vorstellung des "Commonwealth" mit dem sie die damaligen Länder ausgebeutete haben, schlagen sie nach in der Geschichte.
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Heute sind diese Länder selbstständige demokratische wirtschafltiche rechtsstaatliche Staaten mit einer eigenen politischen Verwaltung und Struktur in der das englische Königshaus nur eine traditionelle Stellung besitzt. Diese Staaten halten sich wie die größtenteils die europäische Monarchie als Repräsentationszweck.
.Diese Staaten stehen mit mindest 80% ihres Wirtschaftsgefüges in der weltweiten Wirtschaftspolitik. Ergo befinden sie sich auch in einer Vielzahl von internationalen Gremien.

Reipsi
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Liab, er gibt

uns , typisch Englischer Adeliger.

wintis_kleine
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Ein wenig kommt mir das vor wie die Flucht nach vorne

Ganz egal welche Vergleiche man zieht und ob der große Bruder über dem dem großen Teich dann hilft oder nicht. Es wird für die Briten keinesfalls einfacher, als es für dei EU wird.
Es wird zwar jeden der beiden Vertragsparteien schmerzen, aber die Briten müssen sich komplett neu ausrichten und ihre Verträge abschließen, oder eben Handel auf WTO Niveau betreiben.
Die Einzigen, die ich dort wirklich bedauere, sind all jene "EuropäerInnen", die sich in Sicherheit wiegend eine Existenz aufgebaut hatten und nun eventuell vor den Trümmern ihrer Existenz stehen, wenn sie als "ungeliebte EuropäerInnen" das Land verlassen müssen.
Merhr als 50% des Restes der Bevölkerung wollte das und die müssen jetzt auch damit leben!

zlatorog
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Boris Johnson gibt der EU nur 38 Tage für Brexit-Deal

Das ist aber großzügig von ihm! Ich hoffe, er wird von der EU am 39. Tag kühl verabschiedet!

Lepus52
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Und...

Tschüss - bye!

jg4186
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"No Deal"

"No Deal" trifft England sicher härter und stärker als die EU. Wir dürfen uns keinesfalls erpressen lassen, jetzt muss die EU Rückgrad beweisen. Schon allein als Botschaft an alle, die vielleicht auch aus der EU weg wollen, aber weiterhin die Vorteile der EU genießen wollen. Nur Rechte, aber keine Pflichten geht nirgends.

Peterkarl Moscher
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Kasperltheater

Wer nicht will hat schon, damit wieder Zölle und Grenz-
kontrolle. Die EU wirds überleben , schauen wir ob er dann
auch noch lachen wird. Zuerst sollte England seine alten
Schulden bezahlen und dann baba !

leserderzeiten
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Bin eigentlich pro EU,

aber die Haltung gegenüber USA, Russland, China, die Flüchtlings/covid19 Krise im Ganzen, lassen Zweifel aufkommen.
"BoJo gibt der EU nur 38 Tage", lässt sich das die EU bieten, ist sie für mich persönlich gescheitert, aber dann auch eigentlich offiziell auch.

FerdinandBerger
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Geschickter Schachzug von Corona-Boris.

Er weiss, dass das nix werden kann und bei dem vorprogrammierten Chaos im eigenen Land kann in den nächsten 30 Jahren dann immer mit dem Finger auf Europa gezeigt werden, um zu sagen, wie böse wir sind.

Lodengrün
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Er ist Mitglied

eines renommierten Londoner Debattierclubs. Und wenn man weiß was die drauf haben der weiß das diese dich mit deinen Argumenten bald schlecht aussehen lassen. Und so redet er die EU halt in Grund und Boden. Und auf seiner Insel hat er noch kein Gefecht, und da waren harte Nüsse dabei, verloren. Warum sollte er dieses verlieren? Ich hoffe Merkel, Macron und Co stehen auf und bieten ihm die Stirn.

Lodengrün
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Er war in der Corona Angelegenheit

schon so ein Obergescheiter. Jetzt versucht er es mit Erpressung. Für beide Parteien wäre es ein Albtraum, wobei die Sonne bei den Briten wohl schneller und tiefer untergehen würde. Ich hoffe die EU bleibt standhaft und lässt sich auf sein Rülpsen nicht ein.

BernddasBrot
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Das wird was in Dover ,

der Boris lässt überhaupt nichts vorbereiten bzgl. Zollabfertigung etc.....ein Chaos ist vorprogrammiert und die Briten werden sich noch wundern , wen oder was sie da gewählt haben.....

KnairolF
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Nicht so einfach

Ich wär vorsichtiger mit "und tschüss" Kommentaren. Es ist komplizierter. Ein Beispiel? Die Grenze Nordirland-Irland. - Niemand hat die Absicht eine Mauer zu bauen. Das würde erneut zu bürgerkriegsähnlichen Zuständen in Irland führen. Es liegt in der Verantwortung der EU das zu verhindern.

Armergehtum
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@ KnairolF

Dass die im Land große Probleme und Unstimmigkeiten haben ist aber deren Sache, die es zu lösen gilt. Die EU hat lange genug zugesehen und sich ausquetschen lassen. Alleine was die mit dem Pfund mithilfe der EU herausholten (Geschäftemacherei zwischen Euro und Dollar) sollte einmal zu denken geben. Scheinbar ist aber das Volk in der Masse unbelehrbar. Dies sieht man an den Premierministern seit 10 Jahren: Cameron, May und Johnson.

Planck
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Wie kommen Sie darauf,

die Europäische Union wäre für ein innerbritisches Problem zuständig, das noch dazu die Brexit-Fraktion verursacht hat und das von einem völlig inkompetenten Government befeuert wird?

FerdinandBerger
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Rudolf Hess hat es noch einmal im Guten probiert.

Aber den Briten ist leider nicht beizukommen. Die armen ungebildeten Menschlein in Nordengland, die sich von den Betonköpfen in London in die Irre leiten lassen.

Lepus52
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Der Hinweis auf Hess

ist wahrscheinlich englischer Humor? Da wird hierzulande kaum jemand schmunzeln können.

Löwenzorn
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Ernsthaft?

Was ist denn das für ein grauenhafter Vergleich. Rudolf Hess flog mit einem unautorisierten Friedensangebot nach England. Abgesehen davon das es zu der Zeit wohl schon zu spät für derlei Dinge war, ist er unbestritten ein Kriegsverbrecher der im Nachhinein von gewissen Kreisen glorifiziert wurde. Am Ende wird der Brexit wie jede Scheidung ablaufen: Keiner der Beiden Partner hat nachher mehr als er davor hatte.

schadstoffarm
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eigenartiger Humor

sehr englisch.

Knut2009
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sehr fragwürdiges

Posting. Sie wissen schon, dass es sich bei R.H. um einen verurteilten Kriegsverbrecher handelt.

lapinkultaIII
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Wer ist von wem stärker abhängig?

Die 440 Mio EU-Einwohner von 66 Mio Briten oder 66 Mio Briten von 440 Mil EU-Einwohnern?

Das "Ultimatum" von Johnson erinnert an einen 5jährigen, der seinen Eltern mit Auszug droht, wenn er nicht täglich seine drei Eistüten bekommt......

 
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