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Einmarsch in KurdengebieteAssads Truppen marschieren Richtung türkischer Grenze

Auf Ersuchen der kurdischen Selbstverwaltung sind Truppen des syrischen Regimes am Weg in Richtung der Kurdengebiete.

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Syrische Truppen in den Kurdengebieten. © APA/AFP/DELIL SOULEIMAN
 

Syrien stationiert in Grenzstädten Truppen, die sich der "türkischen Aggression" entgegenstellen sollen. Soldaten seien in Tel Tamer, Tabqa nahe Raqqa, Ain Issa und weiteren Orten eingerückt, berichteten syrische Staatsmedien am Montag.

Vorausgegangen war eine Einigung zwischen der Regierung in Damaskus und dem von der Kurden-Miliz YPG geführten Rebellenbündnis Syrische Demokratische Streitkräfte (SDF).

Seit Mittwoch nimmt das türkische Militär den überwiegend von Kurden bewohnten Nordosten Syriens unter Beschuss, worauf die SDF Präsident Bashar al-Assad um Hilfe baten. Für Assad und seine Verbündeten Russland und Iran ist die Entwicklung ein Erfolg. Vor allem in der EU aber wird befürchtet, dass sich der Krieg ausweitet, sollte es zu einer direkten Konfrontation zwischen Syrien und dem NATO-Mitglied Türkei kommen.

Die Soldaten seien unter anderem in Tel Tamer im Nordosten des Landes eingerückt, berichteten Staatsmedien. Assads Truppen wurden bei ihrer Ankunft in Tel Tamer von jubelnden Einwohnern begrüßt. Das Staatsfernsehen zeigte eine Menge, die syrische Flaggen schwenkte und Porträts von Assad hochhielt. Die Stadt liegt an der strategisch wichtigen Autobahn M4, die von Osten nach Westen führt. Die syrische Armee teilte mit, sie habe die Straße am Sonntag unter ihre Kontrolle gebracht. Tel Tamer ist nur 35 Kilometer von Ras al-Ain entfernt, das eines der zentralen Ziele der türkischen Armee ist.

Der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan betonte aber, die Türkei wolle die Kontrolle über die Städte Manbij und Kobane übernehmen. Seine Führung werde ihren Plan für die nordsyrische Stadt Manbij umsetzen und dort arabische Syrer ansiedeln, sagte Erdogan.

Die syrischen Regierungssoldaten würden in die Grenzstädte von Manbij bis Derik einziehen, was dem Schutz der Grenze diene, sagte der führende Kurden-Vertreter Badran Jia Kurd zu Reuters. "Das ist eine vorläufige militärische Übereinkunft. Die politischen Aspekte wurden nicht besprochen, diese werden später diskutiert werden." Nachdem die USA der Türkei grünes Licht für ihren Angriff gegeben hätten, sei man gezwungen gewesen, nach einer anderen Option zu suchen, sagte Kurd. Daher habe man das Gespräch mit der syrischen Regierung und Russland gesucht.

Die USA hatten zunächst ihre Soldaten von zwei Beobachtungsposten im Nordosten Syriens abgezogen und damit den Weg für den türkischen Angriff geebnet. Am Sonntag kündigte die US-Regierung an, sie werde ihre restlichen 1.000 Soldaten wegen der sich ausweitenden türkischen Offensive in den kommenden Tagen aus Syrien abziehen. Erdogan begrüßte die Ankündigung. Ein Regierungssprecher in Berlin betonte dagegen, die deutsche Regierung habe der US-Führung die Erwartung übermittelt, dass sie ihr Militär nicht aus Syrien abziehen solle.

Die Türkei hatte am Mittwoch ihre Offensive im Nordosten Syriens gestartet hat. Sie will auf syrischem Boden eine 30 Kilometer breite sogenannte Sicherheitszone errichten und die Kurden-Miliz YPG zum Abzug aus dem Gebiet zwingen. Erdogan sagte am Sonntag, die Zone solle von Kobane im Westen bis Hasaka im Osten reichen. In der heute überwiegend von Kurden besiedelten Region sollen rund zwei Millionen meist arabische Syrer angesiedelt werden, die vor dem seit acht Jahren dauernden Bürgerkrieg in die Türkei geflohen sind.

Das Rebellenbündnis SDF hatte mit Unterstützung der USA die radikal-islamische IS-Miliz in einem erbitterten Kampf niedergerungen. So hatten SDF-Einheiten 2017 die Stadt Tabqa und einen nahegelegenen Staudamm vom IS befreit. Dass die USA nun mit ihrem Abzug der Türkei grünes Licht für ihre Offensive gaben, werten die SDF als Dolchstoß.

Auch international steht das NATO-Mitglied Türkei wegen der Militäroffensive in der Kritik. Nach UN-Angaben sind bereits rund 100.000 Menschen auf der Flucht. Nach Zählung der oppositionsnahen Syrischen "Beobachtungsstelle für Menschenrechte" wurden auf syrischer Seite 121 YPG-Kämpfer und 60 Zivilisten getötet, während vier türkische Soldaten und 86 verbündete Milizionäre starben. Auch 18 Zivilisten wurden auf türkischer Seite getötet.

NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg sagte, die Türkei riskiere eine weitere Eskalation in der Region. Der französische Außenminister Jean-Yves Le Drian forderte seine EU-Kollegen auf, bei ihrem Treffen in Luxemburg den Militäreinsatz zu verurteilen und ein Waffenembargo gegen die Türkei zu beschließen. Sein deutscher Amtskollege Heiko Maas zeigte sich mit Blick auf mögliche EU-Wirtschaftssanktionen zurückhaltend. "Es ist wichtig, mit der Türkei (...) im Dialog zu bleiben, um auf sie einwirken zu können", sagte Maas. Es sei zu befürchten, dass durch die türkischen Angriffe letztlich der IS gestärkt werde. Das sei bereits zu sehen.

Außenminister Alexander Schallenberg erklärte vor den Beratungen, die türkische Militäroffensive sei "einfach falsch und unterminiert die Sicherheit und Stabilität in der ganzen Region". Der EU-Beitrittskandidatenstatus der Türkei sei nicht aufrecht zu erhalten. Österreich stehe schon lange auf dem Standpunkt, dass die Beitrittsverhandlungen auch formell beendet werden sollen, sagte Schallenberg. "Wir sollten uns keinesfalls erpressen lassen."

Frankreich und Deutschland haben beschlossen, keine neuen Waffenlieferungen an die Türkei mehr zu genehmigen. Österreich liefert seit 2016 kein Kriegsmaterial an die Türkei. Die EU hat nach Eurostat-Daten 2018 Waffen und Munition für rund 45 Millionen Euro an die Türkei geliefert. Die größten Exporteure sind Italien, Spanien, Großbritannien und Deutschland. Daten für Militärflugzeuge lagen zunächst nicht vor.

Der luxemburgische Außenminister Jean Asselborn warnte allerdings vor allzu großen Erwartungen. "Erdogan bekommt seine Waffen nicht von diesen Ländern. Das muss man auch klar sehen", sagte er. Für das Argument gegen scharfe Sanktionen spricht nicht zuletzt die Rolle der Türkei in der Flüchtlingskrise. Erdogan hat bereits mehrfach gedroht, dass sein Land Flüchtlinge aus Syrien unkontrolliert in Richtung Westeuropa ziehen lassen könnte.

Als eine der großen Gefahren der türkischen Militärintervention wurde bei dem EU-Treffen unterdessen ein mögliches Wiedererstarken der Terrormiliz Islamischer Staat genannt. Am Sonntag hatten die kurdische Autonomiebehörde und die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte mitgeteilt, dass rund 780 Angehörige von IS-Extremisten aus einem Lager ausgebrochen seien. Le Drian forderte am Montag wegen der Problematik eine Sondersitzung der internationalen Koalition gegen den IS. Le Drian beschloss außerdem, das Fußballmatch zwischen Frankreich und der Türkei am Montag entgegen früherer Planungen zu meiden.

 

Kommentare (21)

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VH7F
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Wird Assad der große Sieger

am Ende sein? Schaut danach aus.

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CuiBono
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Die lachen sich kugelrund

der Putin und der Trump.

Wieder einen Vorhof der EU und damit ganz direkt auch die EU selber destabilisiert.

Wann hört man in Europa endlich damit auf, sich zum Behufe des Gespötts und als Spielball dieser zwei Egomanen missbrauchen zu lassen?
Wann stellt man sich endlich auf EIGENE Füße und zeigt Leuten wie Erdowahn wo es lang geht und wo die Grenzen sind?

Auf mangelnder bzw. leichtfertig beiseite geschobener Selbstachtung können übrigens auch keine stabilen nachhaltigen Wirtschaftsbeziehungen basieren. Soviel den Wirtschaftsgläubigen.

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schteirischprovessa
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Jetzt haben wir einen Krieg zwischen dem

Nato-Mitglied Türkei und Syrien, dessen militärische Stärke auf die Unterstützung Russland lands beruht, also NATO gegen Russland. Das alles nur wegen des Despoten, Mörders und nunmehr auch Kriegsverbrechers Erdogan.

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martinx.x
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die größte Lachnummer

dabei ist die EU: sie "verurteilt" fas türkische Vorgehen und fordert Beendigung desselben. Das wird den Erdogan sicher sehr beeindrucken😂😂😂

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Knut2009
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Und was soll die EU Ihrer Meinung nach

machen?

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Landbomeranze
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@KnutSofortige umfassende Sanktionen wie bei Russland und

nicht ein Protestnötchen, das Erdowahn ein Schmunzeln kostet. Der Asselborn, die Merkel und der Juncker laufen doch nur um ihr ohnedies nicht funktionierendes Abkommen mit der Türkei, mit welchem sie die Kurden schon damals verraten haben als sie es schlossen. Mit den Milliarden, die sie dem Sultan in den A.... schoben, hätten sie die Türkei fünffach von Europa auszäunen können.

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SoundofThunder
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🤔

UNO Blauhelme stationieren?

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Tingletanglebob
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zB.

Geldzahlungen stoppen, wirtschaftliche Sanktionen, Einreiseverbote etc. da gibts einiges wie man die Türkei unter Druck setzen könnte anstatt den Völkermord nur zu "verurteilen"

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Knut2009
3
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dazu müsste sie

aber stärken und nicht alle Länder ihr eigenes Süppchen kochen.

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eleasar
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Hat die NATO keinen Sanktionsmöglichkeiten,

wenn ein Mitgliedstaat einen widerrechtlichen Angriffskrieg führt? Sollte man die Türkei nicht aus der NATO ausschließen?

Ich hoffe, die Syrische Armee schafft rasch klare Verhältnisse und setzt den türkischen Angreifern klare Grenzen. Damit das unnötige Leid für die Zivilbevölkerung endlich ein Ende findet.

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joektn
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🤷‍♂️

Geht nicht weil da unglaublich viel Geld dahinter steckt und die Türkei ein guter Kunde der amerikanischen Rüstungsindustrie ist. Den wird man sich also nicht vergraulen.

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eleasar
1
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joektn: Geht schon.

Die Türkei kauft ja schon bei den Russen die S-400-Luftabwehrraketen, weshalb ihm Trump keine Flugzeuge mehr verkaufen will. Mit solchen NATO-Partnern braucht man keine Feinde mehr.

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Hildegard11
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Und ewig sitzen...

...die Weichlinge in den Kanzleien der sog. zivilisierten Staaten.

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melahide
18
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Ich glaube

Dass sowohl die Türkei als auch Assad die Kurden als Ziel haben. Syrien wird die Türkei nicht angreifen, so verrückt ist er nicht. Die Türkei alleine hat 2 Millionen Soldaten

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Katschy
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Gab es eine Kriegserklärung an Syrien?

Die Türkei erklärt somit Syrien mit dem Einmarsch den Krieg.
Wo ist der Unterschied zw der Annektion von Teilen der Ukraine durch die Russen und nun von Teilen von Syrien durch Türken?

Russland wurde umgehend mit Sanktionen von USA und EU belegt, aber nun schauen alle weg und tun so als wäre nichts geschehen.

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Guccighost
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Was geht uns dass alles an

Sollen sie machen was sie wollen

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Mein Graz
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@Guccighost

Ui, das Brett vor dem Kopf weg, es verhindert den Blick über den Tellerrand...

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Mein Graz
5
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Da fehlt ein "nimm",

Ich reiche es nach.

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voit60
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aber dann

über mögliche Flüchtlinge schreien, selten dummer Kommentar.

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voit60
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Was tun die Türkei dort

die maschieren und bombardieren ein anderes Land völkerrechtswidrig. Die türkische Nationalmannschaft hat nichts besseres zu tun, als am Spielfeld zu salutieren. Die sollten von der Euroteilnahme ausgeschlossen werden

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Sashoma
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Scho

Wieda komplett gstört wos do obgeht

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