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Ukraine-WahlAussage zu Zusammenarbeit für Kreml "noch zu früh"

Laut Nachwahlbefragung kommt Herausforderer Wolodimir Selenskyi auf rund 73 Prozent der Stimmen. Neben den USA und Frankreichen gratulieren auch die EU und die NATO dem neuen ukrainischen Präsidenten.

Wolodymyr Selenskyi, der strahlende Wahlsieger in der Ukraine
Wolodymyr Selenskyi, der strahlende Wahlsieger in der Ukraine © (c) AP (Vadim Ghirda)
 

Nach seinem Sieg bei der Stichwahl um das ukrainische Präsidentenamt haben mehrere Staats- und Regierungschefs dem Schauspieler und Komiker Wolodymyr Selenskyj gratuliert. US-Präsident Donald Trump habe den 41-Jährigen angerufen und auch das ukrainische Volk zur friedlichen und demokratischen Wahl beglückwünscht, teilte sein Sonderbeauftragter Kurt Volker auf Twitter mit.

"Wir werden die Ukraine weiter unterstützen bei ihren Anstrengungen, die territoriale Unversehrtheit herzustellen und Russlands Aggression abzuwehren", schrieb der US-Vertreter nach der Wahl am Sonntag.

Kreml wartet ab

Der Kreml äußerte sich ausgesprochen zurückhaltend zu einer künftigen Kooperation. Es sei "zu früh", über einen Glückwunsch von Präsident Wladimir Putin an Selenskyj oder "die Möglichkeit einer Zusammenarbeit" zu sprechen, sagte Kreml-Sprecher Dmitri Peskow am Montag in Moskau.

Nur anhand von "Taten" könne dies beurteilt werden, hieß es weiter. Peskow sagte zwar, dass Moskau die Wahl der ukrainischen Bevölkerung "respektiere". Zugleich zog er aber die Legitimität der gesamten Präsidentschaftswahl in Zweifel, da ukrainische Bürger in Russland von der Wahl ausgeschlossen worden seien.

Die Beziehungen zwischen den beiden Nachbarländern sind seit Jahren schwer belastet. Russland hatte 2014 die ukrainische Halbinsel Krim annektiert und unterstützt außerdem separatistische Kämpfer im Osten des Landes.

73 Prozent der Stimmen

Der prowestliche Fernsehstar Selenskyj, der bisher den Präsidenten in einer Comedy-Serie spielte, kam nach Auszählung von mehr 90 Prozent der Wahlzettel auf 73 Prozent der Stimmen. Das teilte die Wahlkommission am Montag in Kiew mit. Amtsinhaber Petro Poroschenko war weit abgeschlagen bei 24,5 Prozent der Stimmen. Viele Wahlzettel waren ungültig.

Auch Frankreichs Präsident Emmanuel Macron gratulierte Selenskyj am Telefon, wie der Wahlsieger auf seiner Facebook-Seite mitteilte. Macron hatte den Komiker wie auch Poroschenko kurz vor der Abstimmung in Paris empfangen. Dagegen hatte die deutsche Kanzlerin Angela Merkel (CDU) in Berlin nur Poroschenko getroffen. Auf Twitter gab es zudem Glückwünsche von der EU und der NATO.

"Ich werde euch niemals enttäuschen", versprach Selenskyj der ukrainischen Bevölkerung nach der Schließung der Wahllokale. Ende März hatte Selenskyj bereits die erste Runde der Präsidentschaftswahl klar für sich entschieden, obwohl er über keinerlei politische Erfahrung verfügt.

Christian Wehrschütz (ORF) zur Wahl in der Ukraine

Der 41-jährige Komiker und Schauspieler ist erst seit Jahresbeginn auf der politischen Bühne aktiv und machte mit Anti-Korruptionsthemen Wahlkampf. Über seine politischen Ziele für das Land mit seinen 42 Millionen Einwohnern ist wenig bekannt.

Zur Titelmusik seiner Fernsehserie "Diener des Volkes" hatte Selenskyj hatte kurz vor 20 Uhr mit Ehefrau und Mitstreitern eine kleine Bühne seines Pressezentrums erklommen und vor mehr auf 200 Journalisten auf die Veröffentlichung der ersten Exil-Polls gewartet.

Botschaft an Russen: "Alles ist möglich"

Sekunden nachdem im Fernsehsender "1+1" eine Grafik eingeblendet wurde, ging ein Konfettiregen nieder und der höchstwahrscheinliche Wahlsieger setzte zu einer kurzen Rede in ukrainischer Sprache an. Selenskyj bedankte sich bei Familie, Mitarbeitern, Sicherheitsbehörden, Soldaten und ukrainischen Wählern. "Ich verspreche, dass ich Sie alle nie enttäuschen werde", sagte er.

Abschließend wandte er sich noch an Menschen in den Ländern der ehemaligen Sowjetunion. "Solange ich noch nicht Präsident bin, kann ich das als Bürger der Ukraine sagen. Schauen Sie auf uns! Alles ist möglich."

Die ersten Ansagen

Wahlsieger Wolodymyr Selenskyj hat in einem kurzen Pressebriefing am Sonntagabend deutlich gemacht, dass er als ukrainischer Präsident in grundlegenden Bereichen die Politik seines baldigen Vorgängers Petro Poroschenko fortsetzen wird. Selenskyj bekannte sich zum Minsker Prozess, er sieht die Befreiung ukrainischer Gefangener als oberste Priorität an und will als Präsident die ukrainische Sprache schützen.

Selenskyj kündigte zudem eine Medienkampagne an, die sich an die Bevölkerung im von der Regierung nicht kontrollierten Teil des Donbass wende werde. "Wir werden eine massive Informationsoffensive starten, damit wir den Krieg im Donbass beenden", erklärte er und kündigte an, diesbezüglich mit ukrainischen Journalisten zusammenarbeiten zu wollen.

Selenskyj berichtete zudem, dass ihm Petro Poroschenko zum Wahlsieg gratuliert habe und ihm seine Hilfe angeboten habe. "Ich bin Präsident Poroschenko dafür dankbar."

Erstmals siegte ein Neuling

Wie Amtsinhaber Petro Poroschenko steht Selenskyi für eine Westanbindung der Ukraine und die Unabhängigkeit des Landes von Russland. Dennoch wäre sein Wahlsieg ein Novum in dem Land, denn alle vor ihm seit der Unabhängigkeit von Russland vor fast 30 Jahren gewählten Präsidenten waren erfahrene Politiker.

Investoren erwarten von dem Wahlsieger Zusicherungen für Reformen, um Investitionen aus dem Ausland attraktiver zu machen und das Land in einem Unterstützungsprogramm des Internationalen Währungsfonds zu halten. Der IWF hat das Land durch Kriegswirren, Rezession und einen Währungsabsturz begleitet.

Soziale Medien und Comedy

Im Wahlkampf hat Selenskyi auf Kommunikation über soziale Medien und auf Comedy-Auftritte anstelle traditioneller Auftritte gesetzt. Dominierendes Thema war der Kampf gegen Korruption.

Poroschenko war im Mai 2014 ins Amt gewählt worden, wenige Monate nach dem Sturz des damaligen Präsidenten Viktor Janukowitsch als Folge der Maidan-Proteste. Poroschenko fiel die Aufgabe zu, die Ukraine nach der Abspaltung der Halbinsel Krim durch pro-russische Kräfte und den Unruhen im Osten des Landes zu einen und aus einer schweren Krise zu führen.

Viele Ukrainer trauten ihm zuletzt aber nicht mehr zu, die Lebensverhältnisse im Land zu verbessern. Zudem werfen ihm Kritiker vor, beim Kampf gegen die Korruption in der Ukraine kaum vorangekommen zu sein.

Kommentare (6)

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hansi01
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Alf Pojer

for President

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steiger1
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Komiker

Ein Komiker dem Anderen

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schadstoffarm
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6
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vielleicht sollten die Russen das wieder übernehmen

an Wählern die nach der Wahl mehr als überrascht sind was sie da gewählt haben herrscht bei uns auch kein Mangel.

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ronin1234
2
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Reaktion

Poroschenko und Korrutionsbekämofung!? Da lachen ja sogar die Hühner wo er selbst Nutzniesser war.

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Hansgeorg
1
28
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Neuer President der Ukraine

Wie eigentlich die zeit vergeht, frueher hoerte man den Politikern zu and lachte ueber Komiker, heutzutage lachen wir ueber die Politiker and hoeren den Komikern zu.

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eduardfranz
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im wandel der zeit

ehrlich gesagt ist es so viel lustiger

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