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George Soros warnt in DavosSoziale Kontrolle in China: Wer nicht "funktioniert", fällt ins Bodenlose

Offene Gesellschaften seien durch die neuen Technologien einer "tödlichen Gefahr" ausgesetzt. Der Einfluss Chinas müsse auch in wirtschaftlicher Hinsicht begrenzt werden, Schwellenländer dürften nicht abhängig von China werden.

George Soros greift in Davos jedes Jahr ein wichtiges gesellschaftliches Thema auf
George Soros greift in Davos jedes Jahr ein wichtiges gesellschaftliches Thema auf © APA/AFP/FABRICE COFFRINI
 

Starinvestor George Soros hat vor den Auswirkungen fortgeschrittener Technologien in den Händen autoritärer Staaten gewarnt. Offene Gesellschaften seien einer "tödlichen Gefahr" ausgesetzt, wenn maschinelles Lernen und künstliche Intelligenz als Kontrollinstrumente genutzt würden, sagte der ungarisch-stämmige 88-jährige am Donnerstagabend am Rande der Jahrestagung des Weltwirtschaftsforums in Davos.

Vor allem mit dem chinesischen Vorhaben eines sozialen Kreditpunktesystems ging der Milliardär hart ins Gericht. Menschen würden darin von Algorithmen danach bewertet, ob sie eine Gefahr für den Staat seien.

Das chinesische Experiment

Die totale soziale Kontrolle in China soll dazu dienen, die Bürger in die gewünschte Richtung zu erziehen:

Wer viele Punkte im "Sozialkredit-System" sammelt, hat gute Aufstiegschancen und seine Kinder können alles studieren, wer Punkte verliert, dem droht der totale soziale Abstieg.

Antonia Hmaidl von der Uni Duisburg-Essen forschte in China am System, "profil" berichtete in seiner jüngsten Ausgabe über ihre Erkenntnisse.

Das bringt in China Punkte:

  • wohltätige Arbeit leisten
  • öltere Familienmitglieder pflegen
  • positiv auf die Nachbarschaft einwirken
  • Blut spenden
  • die Regierung in sozialen Medien loben
  • den Armen helfen
  • keine Schulden haben oder sie fristgerecht zurückzahlen
  • eine heldenhafte Tat begehen

So verlieren die Chinesen Punkte:

  • sich regierungskritisch in sozialen Medien äußern
  • Gerüchte im Internet verbreiten
  • sich "unaufrichtig" für Taten entschuldigen
  • Mitgliedschaft in als Sekten angesehenen Gruppen
  • in Online-Spielen betrügen

Wer viele Punkte sammelt, hat Vergüngstigungen, etwa Zugang zu besseren Schulen für die Kinder. Die "Strafen" für jene mit wenigen Punkten gehen so weit, dass sie zum Beispiel keine Flüge ins Ausland mehr buchen können.

 

"Das wird das Schicksal des Einzelnen in einem historisch nicht gekannten Ausmaß den Interessen des Ein-Parteien-Staates unterwerfen", sagte Soros. China sei nicht das einzige autoritäre Regime in der Welt, aber es sei das wohlhabendste und technologisch am weitesten fortgeschrittene. Das mache Chinas Staatspräsident Xi Jinping zum gefährlichsten Gegner offener Gesellschaften.

Zudem nahm Soros Peking für sein Machtstreben beim Projekt "Neue Seidenstraße" ins Visier. China versucht, sich dadurch mit Infrastrukturinvestitionen in Nachbarstaaten und Schwellenländern wirtschaftlichen und politischen Einfluss zu sichern.

"Anstatt einen Handelskrieg mit praktisch der ganzen Welt anzuzetteln, sollte Präsident Trump sich auf China konzentrieren", sagte Soros. Die chinesischen Tech-Konzerne ZTE und Huawei lasse er jedoch zu einfach davonkommen. Wenn diese Firmen den Markt für den künftigen schnellen Mobilfunkstandard 5G dominieren sollten, würden sie laut Soros ein unakzeptables Sicherheitsrisiko für den Rest der Welt darstellen.

Kommentare (8)

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ausTirol
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zu HUAWEI

Unsere künftige elektronische Infrastruktur ist wohl ein empfindlicher, zentraler Punkt von Staat und Wirtschaft. Daher kann man bei der Auswahl des Generalausstatters, aber auch bei den Zulieferern nicht kritisch genug auf politische und wirtschaftliche Abhängigkeiten prüfen. Und da ist vorab minutiös zu klären, ob es – wie berichtet – für Huawei eine vorgeschriebene Zusammenarbeit mit den chinesischen Nachrichtendiensten gibt oder nicht.

Es geht nicht um billiges, rassistisches „Chinesen–Bashing“, sondern um den Aspekt, daß die chinesische Politik schon seit Längerem und auf allen Ebenen auf weltweite Expansion ausgerichtet ist. Datenschutz und Menschenrechte sind für „die Augen der Libelle“ einer totalitären Diktatur keine Werte oder Hindernisse. Die chinesische Regierung wird in Kürze ein beispielloses soziales Bewertungssystem in China einführen, mit dem das Verhalten jeder einzelner Person überwachbar ist.

Ein wirklich demokratischer Partner China ist wünschenswert, bleibt aber noch lange unerfülltes Wunschdenken. Daher ist China noch lange nicht ein verlässlicher Geschäftspartner auf Augenhöhe. Es fehlt an Demokratieverständnis und Fairness.

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ausTirol
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Ein wirklich demokratischer Partner China ist wünschenswert, ...

... bleibt aber noch lange unerfülltes Wunschdenken. Daher ist China noch lange nicht ein verlässlicher Geschäftspartner auf Augenhöhe. Es fehlt an Demokratieverständnis und Fairness.

Schon daher sind Huawei und Genossen für empfindlicher, zentraler Projekte wie unsere elektronische Infrastruktur ein absolutes no-go.

Sollte der Herr Minister als füherer Vize-Präsident im Kuratorium der Austrian Chineses Businesss Association keine „Bedenken“ gegeüber einer solchen Diktatur haben, so wäre das wohl eine grundsätzliche Diskussion über seine politische Abgrenzung gegen außerst autoritäre Herrschaftsformen wert.

### Literaturtipp: Kai Strittmatter : "Die Neuerfindung der Diktatur" (Piper Verlag); der Autor beschreibt, wie China den digitalen Überwachungsstaat aufbaut und uns damit herausfordert

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ausTirol
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China: Die Neuerfindung der Diktatur

Projekte wie der Aufbau des künftigen 5G-Netzes betrifft die flächendeckende Infrastruktur eines ganzen Staates samt ihrer Volkswirtschaft. Und da Österreich keinen entsprechenden Gesamthersteller hat, muß zugekauft werden. Aber nur bei einem Unternehmen, das vertrauenswürdig und robust keine politischen und wirtschaftlichen Abhägigkeiten hat. Und da ist vorab minutiös zu klären, ob es – wie berichtet – für Huawei eine vorgeschriebene Zusammenarbeit mit den chinesischen Nachrichtendiensten gibt oder nicht.

Es geht nicht um billiges, rassistisches „Chinesen–Bashing“, sondern um den Aspekt, daß die chinesische Politik schon seit Längerem und auf allen Ebenen auf weltweite Expansion ausgerichtet ist. Datenschutz und Menschenrechte sind für „die Augen der Libelle“ eier totalitären Diktatur keine Werte oder Hindernisse.

### Literaturtipp: Kai Strittmatter : "Die Neuerfindung der Diktatur" (Piper Verlag); der Autor beschreibt, wie China den digitalen Überwachungsstaat aufbaut und uns damit herausfordert

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Sam125
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China! Ja, da haben die westlichen Mächte was verabsäumt!

Was ich schon vor einiger Zeit hier im Portal kritisiert hatte, wird bestimmt noch eintreten und wer nimmt dann die geflüchtenden Chinesen auf, die vielleicht noch aus China fliehen können und nicht mehr nach Hause zurück kehren wollen? Sie werden auf der ganzen Welt um Asyl ansuchen! Vor einiger Zeit wurde in unseren Medien berichtet, wie in China die BEVÖLKERUNG Digital und Sozial überwacht werden soll! Es ist einfach unglaublich!Doch alle westlichen Staaten haben dem totalitären Regime geholfen, indem wir ihm unserere gesamte Technologie in aller Freundschaft und mit einem Lächeln im Gesicht weitergaben! Ja die Chinesen sind schlau und die Elite unterdrückt das Volk! UND NIEMAND WAGT SICH DAZU ZU ÄUSSERN!! Bitte wo sind da die Menschenrechte und wer schreit auf!!

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Sepp57
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China ist im Gegensatz

zum anderen Riesenland in Asien, Indien, keine Demokratie. Russland, was den größten Teil der asiatischen Landfläche bedeckt, ist ebenfalls keine Demokratie, höchstens nur zum Schein.
China hat ein kommunistisches Einparteiensystem, das Staatsoberhaupt herrscht absolut. Wer in China abweicht, der wird einfach an die Wand gestellt.
Die Chinesen sind clever, sind wirtschaftlich dabei, eine Supermacht zu werden, haben schon mehr Technologie als wir. Aber politisch sind sie dubios und eine Gefahr für uns.

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Hildegard11
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China

Ist ja eh längst bekannt, was dort abgeht. Aber die UNO hört man eh nie, wenn's wirklich brennt und alle Staaten Europas lecken den Chinesen die Stiefel, weil Wirtschaft!!!

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Lodengrün
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Was der darf in Davos sprechen?

Den hat ja Orban zum Freiwild erklärt und Gudenus schließt sich Orbans Meinung an.

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tomtitan
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An den im Kasten angeführten Punkten finde ich nur das Gebot: "die Regierung in sozialen Medien loben" bzw. das Verbot "sich regierungskritisch in sozialen Medien äußern" schlecht.

Bei "China versucht, sich dadurch mit Infrastrukturinvestitionen in Nachbarstaaten und Schwellenländern wirtschaftlichen und politischen Einfluss zu sichern." waren die Mitbewerber zu säumig, siehe Afrika.

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