Jetzt darf auch mal Rambo Zambo!“ Mit diesem Kommando hat Friedrich Merz sein Kanzler-Dasein begonnen – vor einem Jahr. Genau genommen hatte er mit CDU und CSU zwar erst die vorgezogene Bundestagswahl gewonnen: Aber es klang, als könne das vom ewigen Ampel-Hin-und-Her erschöpfte Deutschland kollektiv sofort auf- und bald durchatmen. Weil Merz es „vom Kopf auf die Füße stellen“ werde.
Versprochene Reformen
Jede Menge Reformen und auch sonst allerlei hatte er versprochen. Zusammengenommen durfte die Republik von Merz erwarten, sich rasch und umfassend besser zu fühlen, wenigstens das. Mit dem auch objektiv messbaren allumfassenden Aufschwung würde es indes dauern, das wussten die nüchtern Denkenden und die chronischen Optimisten ahnten es.
Inzwischen hat das auch Merz kapiert. Schwer allerdings tut er sich noch mit der Fortsetzung: Sein Eingeständnis, dass er falsche, weil viel zu hohe Erwartungen geweckt hat, ist bestenfalls im allerletzten Moment gekommen. Ob zu spät, wird sich im Lauf des Jahres bei den vier Landtagswahlen weisen.
Pech für Merz und seine schwarz-rote Koalition: Die Republik hat ihre Geduld schon für Olaf Scholz (SPD) und dessen rot-grün-gelbes Bündnis verbraucht. Pech für die Regierten: Merz & Co. finden, sie seien ja bienenfleißig beim Reparieren der Ampel-Schäden – und hätten dafür endlich Anerkennung verdient. Letzteres kann man so sehen; wenn man ignoriert, dass auch in diesem Bündnis die politische Arbeit nicht öffentlich stattfindet – der zwar nötige, ungeliebte Streit aber coram publico. Im Maschinenraum arbeitet Schwarz-Rot kooperativ, hat vieles angepackt und etliches zu Ende gebracht – wenn auch manches, vor allem in Sachen Energieversorgung, nur wegen des Wahlversprechens, nicht, weil es aktuell noch klug wäre.
Draußen, wo es zählt, jedoch spüren vor allem die wenig bis gar keine Verbesserung, von denen Schwarze wie Rote ständig reden: die Mitglieder der „arbeitenden Mitte“. Statt der versprochenen Steuerentlastung etwa bekommen sie eben horrend steigende Spritpreise serviert, gegen die, anders als andere in der EU, Berlin nichts tut.
„Blaumachen muss reduziert werden“
Insgesamt wirft Merz den von ihm gerne „Leistungsträger“ Genannten seine Missachtung um die Ohren: Weniger durch eigenes Tun als durch Zulassen von Worten und Taten schwarzen Spitzenpersonals: Stichworte „Lifestyle-Teilzeit“ oder „Blaumachen muss reduziert werden“. Dass die von ihm persönlich erwählte Wirtschaftsministerin Katherina Reiche vor allem als Ober-Verächterin der Arbeitenden und Chef-Lobbyistin der Gas-Industrie wahrgenommen wird – ist ihm offenbar egal.
Rechtsaußen kann die AfD ihr Glück kaum fassen. In der sehr breiten Mitte der Gesellschaft aber mischen sich Angst um die persönliche Zukunft und um die Demokratie mit minimalem bis ganz fehlendem Vertrauen in den Rambo-Zambo-Kanzler. Deutschland im Jahr 2026 ist nicht zuletzt ein Fall für den politischen Psychologen. Vom Seelepäppeln aber versteht Friedrich Merz nichts.