Zu Beginn der Sommerreisesaison gab es keine guten Nachrichten für Urlauber. So stehen Rückschritte bei den Rechten von Flugpassagieren ins Haus: Diese Woche wurde ein Vorschlag der EU-Kommission, der bereits vom Rat der Mitgliedsländer auf große Zustimmung gestoßen war, im EU-Parlament in Straßburg heftig diskutiert. Entschädigungen soll es statt bisher nach drei Stunden Verspätung erst ab vier Stunden geben. Zuletzt hatten die Minister auch dafür gestimmt, dass die Größen für das Handgepäck für alle Fluglinien gleich sein sollten – dafür könnte es aber auch möglich sein, in Zukunft für die Mitnahme des bisher gestatteten Fluggepäcks (also die Trolleys, die im oberen Fach verstaut werden) Gebühren zu verlangen.
Pläne, die nicht nur Konsumentenschützer auf den Plan rufen, sondern auch für Groll bei EU-Abgeordneten sorgen. Roman Haider (FPÖ) ortet gar einen „dreckigen Deal“ zwischen Kommission und Luftfahrtindustrie, die im Gegenzug für das Aufweichen der Passagierrechte Konzessionen für die Beimengung von Bio-Fuels als Teil des Green Deal eingehen will. Sophia Kircher, ÖVP-Verkehrssprecherin im Europäischen Parlament und stellvertretende Vorsitzende des Verkehrsausschusses, betonte, die am 5. Juni vom Rat der EU-Verkehrsministerinnen und -minister beschlossenen Vorschläge werfen den „Konsumentenschutz um zehn Jahre zurück“. Andreas Schieder (SPÖ) spricht von „einer radikalen Bruchlandung für den Konsumentenschutz“.
Flüssigkeiten bleiben in der Minimalversion
Doch auch an anderer Front müssen Reisende Unbill in Kauf nehmen: Bei der Mitnahme von Flüssigkeiten. Nach Terroranschlägen mit flüssigen Brennstoffen gilt seit Langem die Regel, dass Passagiere nicht mehr als 100 Milliliter Flüssigkeit am Sicherheitscheck bei sich haben dürfen. Letztes Jahr sah es plötzlich danach aus, als sei das Ende der lästigen Regel gekommen. Eine neue Scanner-Technologie, ähnlich der Computertomografie, wurde an mehreren internationalen Flughäfen in Europa eingesetzt und erlaubte ab 1. April zunächst, dass bis zu 330 Milliliter gestattet waren und dass Reisende auch ihre Laptops und Tablets nicht vor der Kontrolle herausnehmen mussten.
Doch das neue System wurde in der EU schon mit 1. September 2024 wieder eingestellt. Der Grund ist, dass die eingesetzten CT-Scanner nicht fehlerfrei arbeiteten. Die EU-Kommission forderte Tests und Verbesserungen ein, die bis heute nicht abgeschlossen sind. Anders als in Großbritannien: Dort gingen nun auch am Londoner City-Airport die neuen C3-Scanner in Betrieb, die bis zu zwei Liter Flüssigkeit im Gepäck erfassen können. Der europäische Flughafenverband AIC begrüßt das und nennt es einen „Game-Changer“.
Nun könnte also tatsächlich eine Änderung der Handgepäcksregelung kurz bevor stehen, das berichten zumindest mehrere Medien. Vom Flughafen Wien heißt es gegenüber der Kleinen Zeitung: „Dank der neuen Technologie müssen Flüssigkeiten und elektronische Geräte künftig nicht mehr aus dem Handgepäck genommen werden. Welche Flüssigkeitsmengen im Handgepäck erlaubt sind, regelt weiterhin die EU. In die flächendeckende Umstellung auf CT-Scanner werden am Flughafen Wien 25 Millionen Euro investiert“. Die Technologie soll im Jahr 2026 in allen Terminals zum Einsatz kommen.