Donald Trump legt sich mit einem Stück des amerikanischen Traums an. Zumindest mit jenem von Noah Plattner. Der 21-jährige Tiroler wollte immer außerhalb von Österreich studieren, seit zwei Jahren ist er als einer von knapp 7000 ausländischen Studenten in Harvard und in Wirtschaft und Geschichte eingeschrieben. Eine einmalige Chance, die nun durch die neuesten Pläne des US-Präsidenten in Gefahr gerät.
„Es gibt nichts Elitäreres als Harvard“
Vergangenen Donnerstag kündigte der US-Präsident an, der Universität die Aufnahme ausländischer Studenten zu untersagen. Plattner hatte davon erfahren, als seine Apple Watch nicht mehr aufhören wollte zu läuten. „Im Sekundentakt kamen WhatsApp-Nachrichten von Kommilitonen – keiner kannte sich mehr aus, jeder war verunsichert“, sagt der Tiroler, der derzeit auf Heimatbesuch ist.
Die Gründe für Trumps Entscheidung sind vielschichtig. Im Vordergrund stünden die Gaza-Proteste am Campus, sagt Trump. Studenten üben offen Kritik an der Israel-Politik der Regierung – das war unter der Regentschaft von Joe Biden so und ist auch jetzt unter Trump der Fall. Auf seinem sozialen Netzwerk „TruthSocial“ sprach der US-Präsident davon, dass man an der Uni „Hass und Dummheit“ lehre. „Das passt in Trumps Narrativ, gegen die Eliten vorzugehen, immerhin gibt es nichts Elitäreres als Harvard und Trump will sich immer mit den größten Fischen anlegen“, sagt der Politikwissenschaftler Reinhard Heinisch.
Ist der Ausschluss ausländischer Studenten von der reichsten und ältesten Universität also nur Symbolpolitik? Möglich. „Natürlich ist Harvard ein liberaler Mikrokosmos in den USA, der mit den ökonomischen Problemen von vielen Trump-Wählern und den Herausforderungen des Landes wenig zu tun hat“, sagt Plattner.
Das Aufnahmeverbot für ausländische Studierende ist der einzige effektive Hebel, den die Regierung in der Theorie gegen Harvard in der Hand hat. Denn: Die Hochschule ist gänzlich privat, die Regierung hat aber noch immer die Gewalt darüber, wer ins Land darf. Am Mittwoch hat die Regierung nachgelegt und angeordnet, dass US-Botschaften und Konsulate auf der ganzen Welt vorerst keine neuen Studentenvisa mehr erteilen dürfen.
Das Außenministerium wolle zudem die Überprüfung auf soziale Medien ausweiten, um nachzuverfolgen, wer von den aktiven Studenten sich an propalästinensischen Protesten beteiligt habe. Tatsächlich arteten die Demos wiederholt aus. Der US-amerikanische Rabbiner Abraham Cooper warf der Universitätsvertretung vor, den Antisemitismus am Campus angeheizt zu haben.
Alles Chaos in Harvard?
Also alles Chaos in Harvard? Wohl kaum. Harvard gilt in internationalen Rankings nach wie vor als eine der renommiertesten Hochschulen der Welt. Seit Jahren schneidet die Bildungseinrichtung in der Nähe von Boston bei diversen Rankings in den Spitzenplätzen ab. Auch Plattner fühlt sich wohl. „Es ist ein unfassbar inspirierendes Umfeld, man hat ständig mit Menschen zu tun, die in ihrem Feld Außerordentliches erreicht haben oder es erreichen wollen, die Betreuung von Professoren zu Studenten ist zudem sehr eng.“
Plattner will daher vorerst in die USA zurückkehren. „Ich mache mir natürlich Sorgen. Mein Plan ist nun schnell einzureisen und nach Abschluss meines Sommerprogramms wieder auszureisen“. Ob er langfristig in den USA sein Glück finden wird? Unklar. Selbst, wenn Trump nicht einlenkt, der Studienplatz tatsächlich wegfällt, bricht für den 21-Jährigen die Welt nicht zusammen. „Ich kann auch in Europa weiter studieren. Freunden von mir geht es viel schlimmer, beispielsweise einem Studienkollegen aus dem Südsudan – er kann nicht einfach in seine Heimat zurückkehren“, sagt Plattner.
Die Leidtragenden eines Aufnahmestopps wären aber nicht nur ausländische Studierende, die rund ein Viertel der Gesamtbelegschaft ausmachen, erklärt Heinisch. „In den USA werden Studienplätze von Amerikanern hauptsächlich durch die höheren Studiengebühren von Ausländern querfinanziert“. Fallen die internationalen Studenten weg, dürfte auch der Traum von vielen US-Amerikanern in Harvard zu studieren platzen.