Harvard, die älteste Universität der USA, will Donald Trump verklagen, nachdem dieser Bundesgelder von 2,2 Milliarden Dollar gestrichen hat. Begründung des Präsidenten: Harvard tue nicht genug gegen Antisemitismus, der sich in den Protesten gegen den Gaza-Krieg vom letzten Jahr manifestiert habe. Trump hat auch gedroht, der Uni den steuerbefreiten Status zu entziehen.
Uni bangt um Freiheit der Bildung
Die Uni hingegen wirft Trump vor, er wolle die freie Rede kontrollieren und in den Lehrplan eingreifen. Die Bundesgelder dienten dazu, medizinische und technologische Forschung zu betreiben, das habe mit den Protesten nichts zu tun, sagte Harvard-Präsident Alan Garber, der selbst jüdischen Glaubens ist. Er will auch Agenten der Ausländerpolizei ICE keinen Zutritt zu den Unis gewähren.
Die Uni stützt ihre Klage darauf, dass Trump Fristen nicht eingehalten hat. Im Kern aber geht es darum, dass die 1636 gegründete Institution im Herzen von Boston ihre Unabhängigkeit bewahren will. Zu den Harvard-Absolventen zählen Barack Obama, George W. Bush, John F. Kennedy, Bill Gates und Mark Zuckerberg.
"Wir wenden uns dagegen, dass sich die Regierung in die Leben derer einmischt, die auf unserem
Campus leben, lernen und arbeiten", erklärte Garber im Namen der American Association of Colleges and Universities, berichtete die Universitätszeitung Harvard Crimson. Fast 190 Bildungsstätten unterschrieben, darunter so gut wie alle Ivy League-Unis, wo Amerikas Elite für teures Geld ihre Abschlüsse erwirbt – nach Harvard zu gehen, kostet etwa 80.000 Dollar im Jahr. Auch die Columbia University in New York, die Wochen zuvor eingeknickt war, unterzeichnete.
Der Konflikt geht auf 2024 zurück, als die israelische Armee nach dem Anschlag des 7. Oktober zehntausende von Zivilisten in Gaza tötete. In Amerika protestierten Studenten, viele davon jüdischen Glaubens, aber auch arabischer Herkunft, die mit einem Visum in den USA lernen. Bei manchen Unis, auch in Harvard, schlugen Studenten Zelte zwischen den efeubewachsenen Lehrgebäuden auf. Pro-israelische Fahnenträger lieferten sich Schreigefechte mit Kriegsprotestlern. Seit dem Vietnamkrieg hatte es nichts Vergleichbares mehr an den Unis gegeben.
Kriegsgegner verloren Visum
Den Kriegsgegnern ging es unter Trump nun als erstes an den Kragen. Mindestens tausend Studenten – das Fachblatt Inside Higher Ed sprach von 1680 – haben ihr Visum verloren,
zehn wurden in Abschiebehaft genommen. Bereits letztes Jahr rollten bei vielen Universitäten Köpfe von Professoren. Columbia-Präsidentin Minouche Shafik und Harvard-Präsidentin Claudine Gay mussten zurücktreten.
Auch Sponsoren reagierten, die Ivy-League-Unis mit Milliarden unterstützen. Shafik und Gay haben ihren Sturz einer Handvoll reicher Unterstützer zu verdanken. Unter Trump sieht es anders aus: Nachdem Garber seine Klage angekündigt hatte, sammelte die Uni rund 4000 Spenden von zusammen 1,14 Millionen Dollar ein, berichtete der Crimson.
Die Uni hofft auf Milliardäre wie Michael Bloomberg, Harvard-Absolvent und früherer New Yorker Bürgermeister, der finanzielle Hilfe angekündigt hat.