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MAN-Standort SteyrRuf nach Rundem Tisch: Alle wollen retten, aber keiner weiß, wie

Wirtschaftsbund sieht in den hohen Arbeitskosten den Grund für das drohende Aus am Standort Steyr, und fordert wieder einmal eine Senkung der Lohnnebenkosten. FPÖ-Klubchef Herbert Kickl schießt scharf gegen die ÖVP, aber auch gegen die FP-Mitregierer in Oberösterreich.

Beim MAN-Werk in Steyr sind 2.300 Jobs in Gefahr © FOTOKERSCHI.AT/KERSCHBAUMMAYR
 

Am Sonntag haben sich der ÖVP-Wirtschaftsbund und die FPÖ zum drohenden Aus des MAN-Werks in Steyr bis 2023 zu Wort gemeldet. Der Wirtschaftsbund sprach sich ebenso wie die Neos gegen eine Staatsbeteiligung bei MAN/Steyr aus, wie sie die SPÖ aufs Tapet gebracht hat. Die FPÖ schoss sich auf die Bundesregierung und speziell Arbeitsminister Martin Kocher (ÖVP) ein: Dieser "hat die Arbeitsplätze in Steyr scheinbar bereits abgeschrieben", monierte der freiheitliche Klubobmann Herbert Kickl. Kocher wiederum sagte in der "Kronen Zeitung", dass es seit "Wochen oder Monaten sehr viele Gespräche" gebe. Die IV sprach sich für Verhandlungen aus. 

Kocher erklärte, dass es wichtig sei, dass Gespräche nicht öffentlich würden. "Es geht ja darum, Lösungen zu finden, nicht um Inszenierung." Bei den Gesprächen sei die oberösterreichische Landesregierung führend gewesen. "Es wurde aber immer mit uns abgestimmt, mit der Regierungsspitze, mit der Wirtschaftsministerin, mit mir." Jetzt müssten alle wieder an einen Tisch. Unwahrscheinlich sei es aber, dass die gesamte Belegschaft samt Leasingmitarbeitern bleiben könne. Ein Aus des gesamten Standorts wäre aber "für die Region ein Drama. Deswegen müssen wir alles tun, damit das nicht passiert", so Kocher.

IV gegen "Verstaatlichtenphantasien"

Die Industriellenvereinigung (IV) appellierte am Sonntag auch für eine Rückkehr an den Verhandlungstisch, um den MAN-Produktionsstandort in Steyr zu retten und sprach sich gegen "Verstaatlichungsphantasien" aus. "Es braucht eine kluge und vor allem auch betriebswirtschaftlich nachhaltige Lösung. Das Werk hat eine übergeordnete wirtschaftliche und soziale Bedeutung für die ganze Region. Wenn weitere Gespräche dazu führen, dass der Standort Steyr weitergeführt werden kann, sollte diese Möglichkeit unbedingt genutzt werden", so IV-Präsident Georg Knill.

"Nach der verständlichen Ablehnung des mit zahlreichen Nachteilen behafteten Übernahmeangebots von Investor Siegfried Wolf durch die Belegschaft kämen von Kocher keinerlei Signale, für die Arbeitsplätze kämpfen zu wollen", so FPÖ-Politiker Kickl. Kocher müsse "wenigstens das verbliebene politische Gewicht der Regierung gegenüber MAN bzw. seinem Mutterkonzern Volkswagen in die Waagschale werfen", forderte Kickl. Denn der Rechtsweg, auf die Einhaltung des von MAN gekündigten Standort- und Beschäftigungssicherungsvertrags bis 2030 zu pochen, erscheine langwierig und wenig aussichtsreich.

Kickl ließ auch mit einer gewissen Kritik an der oberösterreichischen Landespolitik aufhorchen, obwohl seine Freiheitlichen dort mit der ÖVP regieren. Diese inszeniere sich "mehr schlecht als recht als Krisenhelfer".

Der ÖVP-Wirtschaftsbund sieht den Grund für das drohende MAN-Aus in Steyr letztlich in hohen Kosten für Arbeitskräfte. Daher fordere man seit langem eine Senkung der Lohnnebenkosten und eine Entlastung für Unternehmen, so Generalsekretär Kurt Egger am Sonntag in einer Aussendung. "Sozialistische Konzepte zur Rettung von Unternehmen haben noch nie funktioniert", so Egger. "Unternehmer wissen wohl noch am besten, ob und wie ein Betrieb wirtschaftlich geführt werden kann, das ist nicht Aufgabe des Staates."

2.300 bis 8.000 Jobs in Gefahr

Beim MAN-Werk in Steyr sind 2.300 Jobs in Gefahr. Insgesamt wackeln in der Region bei einem Aus des Werks mehr als 8.000 Jobs, sagt eine Studie. Zudem droht der Entfall von gut einer Milliarde Euro Wertschöpfung im Jahr. MAN will das Werk schließen, nachdem sich die Mitarbeiter in einem eindeutigen Votum gegen einen Verkauf an den Austro-Investor Siegfried Wolf ausgesprochen hatten, der ihnen Einbußen beim Entgelt, das Aus aller Betriebsvereinbarungen und einen Abbau von rund 1.000 Jobs gebracht hätte.

Die SPÖ hatte gestern einen Staatseinstieg bei MAN/Steyr angedacht, um das Werk, die Jobs und die Wertschöpfung zu retten. Zudem solle die Staatsholding ÖBAG einen mit 10 Mrd. Euro dotierten Beteiligungsfonds schaffen. Auf diesem Wege sollten Beteiligungen bis zu 20 Prozent an wichtigen Unternehmen eingegangen werden, wenn diese Probleme haben. "Die Bundesregierung hätte einige Hebel in der Hand, doch die müssen auch benutzt werden", forderte Parteichefin Pamela Rendi-Wagner.

Kommentare (52)
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SoundofThunder
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🤔

Wenn man nur für die Mitarbeiter der MAN Werke die Lohnnebenkosten senkt werden die sich gegenüber der Konkurrenz zu recht benachteiligt fühlen. Ob es da nicht für alle Folgen haben wird wenn es dort durchgegangen ist? Wer braucht schon bezahlten Urlaub? Oder Entgeltfortzahlung im Krankenstand? Dort sind mehr Personen betroffen als bei der Lufthansa-Tochter AUA- Da war es kein Problem dass der Steuerzahler den Betrieb retten "durfte ".

selbstdenkerX
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" ... retten, aber keiner weiß, wie"

Dem ist leider gar nicht zuzustimmen. Herr Wolf weiß nämlich, wie es ginge:
MAN einvernehmlich noch ein paar Jahre beliefern (allerdings zu reduzierten Preisen), parallel dazu Produktentwicklung und Aufbau neuer Kunden und: Aufbau einer eigenen IT..
Einen Produktionsstandort kann man wirtschaftlich nur weiterführen, wenn es kontinuierlich zahlende KUNDEN gibt. Außerdem ist das Informationszeitalter schon lange angebrochen. Wenn das MAN-Werk genauso vollständig in die MAN-IT integriert ist (wie beispielsweise alle MAN-Vertragswerkstätten) - und das ist anzunehmen -, dann steht ein neuer Standortbetreiber nicht nur ohne Kunden da, sondern auch ohne EDV. MAN wird nämlich einem neuen Konkurrenten mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit seine hochentwickelte EDV NICHT zur Verfügung stellen.
So schaut's in Wahrheit aus.
Und alle sonstigen "Rettungsdiskussionen" sind Larifari.

mtttt
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Kickl und Wirtschaft II

Viele Details sind nicht bekannt. Volkswagen / MAN will vertragsbrüchig werden. Dafür gibt es Juristen, die sollen das Aufarbeiten und den Leuten das beschaffen, das Ihnen zusteht. Nur für die Zukunft, da zählt nur ein Unternehmen mit klarer Strategie und Vision, ohne Hintergedanken wie schnell man abhauen könnte. Das hilft niemandem . Ein Betrieb der mit Staatshilfe am Leben erhalten wird wie ein Krebspatient mit Palliativtherapie, fürchterlich. Da merkt man, das PRW Ärztin ist, und Kickl nicht mal sein Psychologiestudium geschafft hat. Es reicht, um Irrlichterne einzufangen, und national sein, da erntet man immer Applaus. Ich hoffe, da ist das letzte Wort noch nicht gesprochen und es kommt eine betriebswirtschaftlich tragfähige Lösung heraus.

mahue
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Manfred Hütter: Berufserfahrung

Ich keine aus meinem Beruf nicht wenige Beschäftigte in Kleinbetrieben (mit bis zu 50 Mitarbeitern), die ohne Betriebsrat mit ihrem Chef, einen befristeten teilweisen Lohnverzicht vereinbart haben, wenn die allgemeine Lage ohne Schuld der Betriebsführung Auftragsrückgänge hatte, aber ohne Verlust der Ansprüche aus dem Insolvenzendgeldfond der Differenz auf den vollen Lohn, wenn trotz gemeinsamen Bemühen doch ein Insolvenzverfahren (Zahlungsunfähigkeit des Arbeitgebers) notwendig war. Das nenne ich einen konstruktiven Rettungsversuch, aber nicht wenige Unternehmen konnten ohne diese Maßnahme der Insolvenz sich erholen und neue durchstarten.

mahue
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Manfred Hütter: Zusatz zu obigen Beitrag

In meiner Gemeinde gibt es drei Betriebe mit mehr als 300 Beschäftigten.
Bin privat voll ins Gemeindeleben integriert. Nicht wenige dieser "Werksarbeiter/Angestellten" lächeln überheblich und sagen sogar, zu Mitarbeitern von Handwerksbetrieben, die nur nach Kollektiv verdienen, bist selber schuld, hättest bei uns angefangen. Wurden aber nicht genommen, weil der Betriebsrat auf dem Gebiet zu viel zu plauschen hatte.

dfe8a3e13c24e6fb5a8921233b929f0
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Genossenschaft nach Modell Mondragon

Das MAN Personal soll eine Genossenschaft gründen, eigenes Kapital (=Anteile) einbringen und der Staat soll sich mit Risikokapital beteiligen. Das betriebliche Knowhow liegt (ausreichend) bei den Arbeitskräften und nicht bei Investoren. ÖGB und AK könnten alles organisieren

RIEGER62
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ferdinand22

Wie wäre es einmal VW Fahrzeuge von der Beschaffung für Blaulichtfahrzeuge auszunehmen?

schadstoffarm
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Es geht ja nicht nur um produktion

Es muss marktlage erfasst und entwickelt werden, Einbindung in lieferketten und Vertrieb. Das sind keine paradeiser.

dfe8a3e13c24e6fb5a8921233b929f0
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Ich gehe davon aus ...

... dass die bestehende Führungscrew bei MAN in Steyr genau diese Managementaufgaben bisher gut erledigt hat und dies weiter gut (besser) machen kann.
Nicht das Werk läuft schlecht oder hat kein Potential, sondern der Gewinn ist ja angeblich den Aktionären zu niedrig. Deshalb soll ja in den Osten verlagert werden.

umo10
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Warum nicht Sigi Wolf?!

Staatsbeteiligung sollte als letzter Ausweg gelten. Er kann nicht weniger zahlen als kollektiv. Sonst macht er sich strafbar.Und das macht jeder Tischler, Maurer Elektriker

dieRealität2020
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Und noch immer werden die Förderungsvereinbarungen nicht offen gelegt.

Eigentlich der wichtigste Teil dieser Geschäftsbeziehung (Förderungsvereinbarung) um überhaupt zu wissen und informiert zu sein, was eigentlich genau Sache ist: "Die Schließung und die Standortverpflichtung". Eine kaufmännische wirtschaftliche und finanzielle Vorgangsweise.

dieRealität2020
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Frage? Was geschieht wenn noch weitere Unternehmen bzw. Tochterunternehmen ihren Betrieb einstellen? Förderung? Verstaatlichung?

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Einfach bescheuerte Handlungs- und Verhaltensweisen von diesen Menschen. Ich kann es nicht anders zum Ausdruck bringen, beschissen was hier von neunmalklugen Besserwisser und Wichtigmacher abgezogen wird.
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Und natürlich wie sollte es sein? Das ist die generelle Crux der Sache. IV "Es braucht eine kluge und vor allem auch betriebswirtschaftlich nachhaltige Lösung. Das Werk hat eine übergeordnete wirtschaftliche und soziale Bedeutung für die ganze Region. Dagegen gibts nichts einzuwenden.
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Anscheinend hat es die Belegschaft unter Führung der Handlungsweise der Gewerkschaft nicht begriffen noch verstanden. Natürlich eh klar "alle" wollen zum gleichen Lohn weiterbeschäftigt werden. Ich habe den Eindruck das die Gewerkschaft einerseits die Belegschaft (Mitarbeiter) für ihre Zwecke einfach missbraucht.
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Haben die Milliardenverluste von der Chemie Linz, VÖST, AUA, Konsum usw. nicht gezeigt was tatsächlich Sache ist? Ich habe den begründeten Verdacht, dass hier die Gewerkschaft und Wagner versuchen den einzigen noch verbleibenden Investor mit Millionen Förderungen den Deal schmackhaft zu machen, dass auch MAN einstimmt.
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Natürlich jetzt kommt die dümmliche und trottelhafte Schuldzuweisung an die Bundesregierung ihre Minister und an Kurz. Der derzeit einfachste primitivste Weg.

selbstdenker70
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...

Warum Leiharbeiter abstimmen durften ist mir ein Rätsel. Es ist die Pflicht der Personalbereitsteller einen Deal mit der neuen Geschäftsleitung auszuhandeln. Da haben jetzt Arbeiter abgestimmt die vielleicht nur 5 Monate dort beschäftigt sind. Hat für mich null Logik...

schadstoffarm
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Die leiharbeiter

Werden eher übernommen da billiger, Abstimmung macht Sinn.

hansi01
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Die Arbeitnehmer haben gegen eine Rettung gestimmt

Jetzt müssen sie damit leben

Hako2020
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Braemst das die Taten?

Ihre Frau ist bei MAN Vizepräsidentin. Sind Sie da in Ihren Entscheidungen eigentlich komplett frei?
Meine Frau ist im Hauptwerk in München Hauptabteilungsleiterin im Vertrieb, hat also überhaupt nichts mit Standortentscheidungen zu tun.Na Ja!

leserderzeiten
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Fällt Euch was auf?

Der Großteil der Poster hier ist gegen Steuergeld für die MAN Arbeiter, 15% schlucken oder eben Schließung.

Das Konzept der türkisen ÖVP ist, STEUERSENKUNG für Unternehmer.

Ist ja kein STEUERGELD, das da verloren geht.

Findet den Fehler ;-)

future4you
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Keine Verstaatlichung!!!

oder wollen wir wieder in diese unglückselige Zeit zurück, wo Milliarden durch die Inkompetenz von SPÖ und Gewerkschaft den Bach hinuntergeflossen sind.

unterhundert
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Zu Zeiten der Verstaatlichten,

gab es fast keine Arbeitslosen in Österreich. Da wurden Leute auf Monaten hinaus einfach mitgeschleppt, bei vollem Lohn, bis der nächste Grossauftrag wieder per HANDSCHLAG , (z.B. der Russen) unter Dach und Fach war. Also, so schlecht war das auch nicht, auch wenn heute die Verstaatlichte nur noch verteufelt wird. Die VOEST, wurde mit der Intertrading, von den Ölkonzernen über den Tisch gezogen.. wurde Privatisiert. Als unser Frank diese kaufen wollte, kauften alle Mitarbeiter Aktien, somit war dieser Verkauf vom Tisch. Was ist Heute...
MAN.. = Volkswagen, kaut einfach keine VW's mehr , ist zwar nur Wasser auf dem Mühlstein, aber eine Antwort.

glashaus
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Und wie schnell

war Kurz & Co bei der AUA mit den Millionen zur Stelle? Und Mitarbeiter werden nachwievor gekündigt. Aber das konnte man ja unter Corona verbuchen.

homerjsimpson
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Liebe SPÖ: Milliarden Konzernen schenken?

Habt ihr das zu Ende überlegt? Wenn der Staat einmal anfängt, dann einzusteigen wenn Konzerne nicht mehr recht wollen, dann ist das eine Lawine an Huderten Milliarden, die Konzernen geschenkt werden. Magna Steyr wäre zB so ein Kandidat. "Ach der Staat gibt Milliarden wenn man mit Schließung droht? Na fein...."

bimsi1
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Altbekanntes von der SPÖ

Der Staat soll zahlen.

Kariernst
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Und bei Türkis

Was sind sie bloß für ein Träumer bei den Türkisen zahlen die Steuerzahler keinen einzigen Euro oder? Dann warten wir wenn die Pleitewellen auf uns zukommt und das Heer der Arbeitslosen

Reipsi
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Wenn wir China wären

müsst aber dann auch China leben , Überwachung total, alles tun was sie wollen, glaub nur net das es dort einen Kolektivvertrag gibt und wennst net spurst dann . . . , Gewerkschaft hahaha, und und und . . .

GustavoGans
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Ich denke

Kickls wirtschaftliche Kompetenzen gehen gegen Null.
Aus diesem Grund kann er bei solch komplexen Themen vermutlich schwer mitreden.

seierberger
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Kickl

Wäre ein guter Zeitpunkt für ihn, konstruktive Vorschläge zu machen.

 
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